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Stauland Nummer 17000 Tage Stau und stockender Verkehr in NRW

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ARCHIV - 26.10.2024, Nordrhein-Westfalen, Leverkusen: Fahrzeuge stauen sich am Leverkusener Kreuz. (zu dpa: «NRW weiter staugeplagt - Essen und Köln mit hoher Belastung») Foto: Roberto Pfeil/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Alltag auf dem Kölner Autobahnring: Fahrzeuge stauen sich am Leverkusener Kreuz. Foto: dpa

Auf den NRW-Autobahnen ist laut ADAC auch 2026 keine Entspannung in Sicht. Die Generalsanierungen der Bahn dürften die Lage weiter verschärfen.

NRW bleibt das Stauland Nummer eins in Deutschland und wird diesen Titel auch so schnell nicht los. Im Gegenteil: Autofahrer standen im vergangenen Jahr noch länger im Stau als 2024. Auch deren Länge stieg weiter an. Das geht aus der Jahresbilanz des ADAC in NRW hervor.

Im vergangenen Jahr standen Reisende auf den Autobahnen in NRW fast 7000 Tage in Staus und stockendem Verkehr. Auf den rund 2250 Kilometern summierte sich die Dauer aller Störungen auf knapp 168.000 Stunden. Das sind 13.000 Stunden und damit etwa acht Prozent mehr als 2024.In zehn von zwölf Monaten lagen die Staustunden über den Vorjahreswerten. Ausnahmen waren Januar und Februar.

Die Gesamtlänge aller Staus stieg um drei Prozent auf fast 280.000 Kilometer. Die Staubelastung, damit ist räumlich-zeitliche Stau-Ausdehnung gemeint, lag bei 737.000 Kilometer mal Stunden und nahm damit um gut neun Prozent zu. Insgesamt zählte der ADAC auf den NRW-Autobahnen 2025 rund 168.000 Staumeldungen, etwa 4000 weniger als im Vorjahr.

Damit entfällt ein Drittel aller Staus erneut auf NRW, gefolgt von Bayern (17,7 Prozent) und Baden-Württemberg (9,3 Prozent). Auch bei den Staukilometern (32,2 Prozent) und Staustunden (35,1 Prozent) hat NRW den größten Anteil.

Die Baustellen sind alternativlos, auch wenn sie für viel Frust sorgen
Roman Suthold, ADAC-Verkehrsexperte

„Die Verkehrsinfrastruktur wurde über Jahrzehnte vernachlässigt. Das Ergebnis sehen wir heute. Bröckelnde Brücken, kaputte Fahrbahnen und Engpässe, soweit das Auge reicht. Ein gewaltiger Sanierungsstau, der abgearbeitet werden muss“, sagt ADAC-Verkehrsexperte Roman Suthold. „Nirgendwo gibt es deshalb derart viele Autobahnbaustellen. Sie sind alternativlos, auch wenn sie für viel Frust sorgen“, so Suthold. Bundesweit lagen zwischen 57 und 68 Prozent der baustellenbedingten Verkehrsbehinderungen in NRW. Von August bis Oktober gab es auf den Autobahnen mehr als 740 Einschränkungen pro Monat. „Zugleich bringen extreme Pendlerströme und ein starker Lkw-Transitverkehr das Netz immer wieder Stoßzeiten an die Belastungsgrenze.“

Wie sieht das im Detail aus und was lässt sich verbessern? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Welche NRW-Autobahnen sind besonders belastet?

Die A1, A3, A4, A40 und A57. Auf der A40 zählte der ADAC mit rund 17.200 Meldungen die meisten Staus, auf der A1 mit 41.600 Kilometern die größte Staulänge. Am meisten Zeit im Stau verbrachten Autofahrer auf der A3 (knapp 20.300 Stunden). Auffällig im Vergleich zu 2024: Auf der A4 stieg die Staudauer am stärksten an (plus 76 Prozent). Bei der Staubelastung (Dauer eines Staus mal Länge) erreichte die A3 mit rund 126.000 Kilometer mal Stunden erneut den Höchstwert.

Der Abschnitt mit den meisten Staus lag erneut auf der A42 zwischen Dortmund und Kamp-Lintfort (13.150 Meldungen). Die in Summe längsten Staus gab es mit mehr als 21.700 Kilometern auf der A3 zwischen Köln und Oberhausen. Hier brauchten Autofahrer auch die meiste Geduld (Staudauer: 12.424 Stunden). Gemessen an der Staubelastung waren die Auswirkungen für die Verkehrsteilnehmer auf der A3 zwischen Köln und Oberhausen mit rund 77.200 Kilometer mal Stunden ebenfalls am größten. Die A40 zwischen Duisburg und Essen erreichte bei der Anzahl der Staustunden je Kilometer Autobahn bundesweit den Höchstwert (357). Den mit 28 Kilometern längsten Stau in NRW gab es am 8. April auf der A3 (Oberhausen -Köln) zwischen Mettmann und dem Kreuz Köln-Ost.

Wie sehen die bundesweiten Zahlen aus?

Bundesweit zählte der ADAC 2025 rund 496.000 Verkehrsstörungen (minus vier Prozent). Die Staulängen summierten sich auf etwa 866.000 (plus ein Prozent). Die Staustunden beliefen sich auf mehr als 478.000 Stunden (plus sieben Prozent).

An welchen Tagen war es besonders heftig?

Der stauintensivste Tag in NRW war mit 949 Staustunden der Mittwoch vor Christi Himmelfahrt (28. Mai). Es folgen der Donnerstag vor dem Tag der Deutschen Einheit (2. Oktober) und der Mittwoch vor dem Tag der Arbeit (30. April) mit 885 bzw. 882 Staustunden. Die in Summe längsten Staus gab es ebenfalls am 28. Mai (1878 Kilometer) sowie aufgrund des Wintereinbruchs am 9. Januar (1877 Kilometer).

Roman Suthold

Schlechte Prognose auch für 2026: ADAC-Verkehrsexperte Roman Suthold fürchtet, dass wegen der Generalsanierungen bei der Bahn in NRW noch mehr Pendler aufs Auto umsteigen. Foto: ADAC

Welches sind die schlimmsten Stautage der Woche?

Dienstag, Mittwoch und Donnerstag. Für den Mittwoch ermittelte der ADAC im Durchschnitt die meisten Staumeldungen (599), Staukilometer (1100) und Staustunden (617). Am Montag war die Verkehrslage auf den Autobahnen hingegen etwas weniger schlimm (509 Staus/804 Kilometer/484 Stunden). Vor allem die Morgen- und Nachmittagsspitze war montags schwächer ausgeprägt. Am Freitagmorgen war der Berufsverkehr vergleichsweise gering. Dafür mussten Autofahrer an den Nachmittagen mehr Geduld aufbringen, Berufsverkehr, Freizeit- und Urlaubsverkehr aufeinandertreffen. Schon ab mittags brauchten Autofahrer freitags oft mehr Geduld. Am wenigsten Stau gab es im Schnitt am Wochenende.

Und die schlimmsten Monate?

Oktober und der November mit jeweils rund 750 Baustellen. Die in Summe längsten Staus gab es mit 27.308 Kilometer im November.

Wie geht es 2026 weiter?

Entspannung ist nicht in Sicht. Das liegt an der weiterhin stark sanierungsbedürftigen Verkehrsinfrastruktur, sowohl auf der Straße als auch auf der Schiene. Bundesweit liegen etwa 60 Prozent aller baustellenbedingten Verkehrseinschränkungen auf Autobahnen in NRW. Hinzu kommen allein im Rheinland bis Ende 2026 rund 30 Großbaustellen bei der Bahn, darunter die beiden Generalsanierungen der Strecken Köln-Wuppertal-Hagen ab 6. Februar bis 10. Juli und Troisdorf-Koblenz (10. Juli bis Mitte Dezember). Ein Teil der Bahnpendler wird während der Sperrungen auf das Auto umsteigen, vor allem diejenigen, die sonst Park & Ride-Anlagen an den Bahnhöfen nutzen und dann mit dem Zug weiterfahren.

Wo wird es besonders eng?

Auf dem Kölner Autobahnring (A1/A3/A4) bleibt die Staugefahr unverändert hoch. Gründe sind der Neubau des zweiten Teils Leverkusener Brücke, Einschränkungen auf der A4 in Höhe Köln-Eifeltor und der Umbau des Heumarer Dreiecks. Im Raum Bonn sorgen Bauarbeiten auf der A565 (Friedrich-Ebert-Brücke, Endenicher Ei) und A59 (Dreieck Köln-Porz - Dreieck Sankt Augustin, Kreuz Bonn-Ost - Bonn-Pützchen) für Verzögerungen.

Zwischen Düsseldorf und Leverkusen bleibt die A59 zunächst in Fahrtrichtung Leverkusen voraussichtlich vom Kreuz Düsseldorf-Süd bis Monheim gesperrt, Anschließend folgt die Sperrung in der Gegenrichtung. Das sorgt für längere Staus auf der A57 und A46. Die Bauarbeiten überschneiden sich mindestens bis März 2026 mit der bis dahin zeitgleich laufenden Sanierung der A3 zwischen dem Kreuz Hilden und dem Kreuz Langenfeld.

Deutlich mehr Zeit müssen Autofahrer wegen Bauarbeiten weiter auf der A57 zwischen den Kreuzen Kamp-Lintfort und Meerbusch einplanen. Dieser Abschnitt gehört wegen des sechsspurigen Ausbaus zu den staureichsten Strecken in NRW.

Im Ruhrgebiet sind die A1 zwischen dem Kreuz Dortmund/Unna und dem Kamener Kreuz, die A2 zwischen dem Dreieck Bottrop und dem Kreuz Recklinghausen), die A3 und A40 im Großraum Duisburg/Essen/Oberhausen wegen des Umbaus im Kreuz Kaiserberg) und die A43 zwischen Recklinghausen und Bochum besonders staugefährdet.

Was fordert der ADAC?

Eine gesicherte Finanzierung für Sanierung und Ausbau durch den Bund, die Beschleunigung der Genehmigungsverfahren, eine bessere Abstimmung von Baumaßnahmen auch mit Großprojekten auf der Schiene und eine Verkürzung der Bauzeit beim Austausch maroder Brücken.