Die Brühlerin ist auf den Rollstuhl angewiesen. Das ist ein Grund, weshalb sie den barrierefreien Park schätzt. Ein anderer hat mit ihrem Hobby zu tun.
„Mein Lieblingsplatz“Was den Brühler Schlosspark für Silke Katzfuß so besonders macht

Fast täglich durchquert Silke Katzfuß den Park an Schloss Augustusburg auf dem Weg in die Innenstadt Brühls. Hier findet die leidenschaftliche Amateurfotografin auch viele ihrer Motive.
Copyright: Oliver Tripp
Mit vernehmbarem Knirschen zieht der Vorderradantrieb des elektrisch motorisierten Rollstuhls die Spur durch den feinen Schotter in der Kastenlindenallee im Schlosspark Augustusburg in Brühl. Silke Katzfuß steuert ihn mit feinem Gespür am Joystick mit der rechten Hand. Auf sechs Stundenkilometer bringe es der Rolli, schon ein ordentliches Fußgänger-Marschtempo, im Alltag aber eigentlich zu langsam. Heute würde sie sich für das stärkere, vier km/h schnellere, ansonsten gleiche Modell entscheiden.
„Der ist schon klasse und zieht mich auch die Stufe zum Einstieg einer Straßenbahn hoch“, schildert Silke Katzfuß. Dass der Einstieg sich bei Straßenbahnen auf Höhe des Bahnsteigs befinde, sei bloße Theorie, weiß sie aus Erfahrung. Die Höhe variiere schon je nach Bahnsteig, auch das Ladegewicht der Bahn könne einen Unterschied bis zu zehn Zentimetern ausmachen, also eine deutliche Stufe.
Brühl: Viele profitieren von Wegen ohne Barrieren
Den Schlosspark beschreibt sie hingegen als „weitestgehend barrierefrei“, mal abgesehen von den Treppen zum Garten und ein paar Waldwegen im hinteren Bereich. Wenn bisweilen der Schotter zur Schwelle am Törchen zum Franziskanerhof auswasche, sorge „Schlossherrin“ Regina Junga für schnelle Abhilfe. Sie zeige sich immer offen für Menschen, die auf Fahr- und Gehhilfen im Schlosspark angewiesen seien.
Silke Katzfuß durchquert den Schlosspark, ihren Lieblingsplatz, beinahe täglich auf dem Weg von ihrer Wohnung in Brühl-Ost in die Innenstadt, zum Einkaufen, Bummeln oder Gang ins Rathaus. Dort bringt sie ihre Erfahrungen mit Hindernissen im Kultur- und Verkehrsausschuss und als zweite Vorsitzende des Inklusionsbeirates ein.
Schönwetterfotografie finde ich langweilig
Leider werde in der öffentlichen Wahrnehmung die Situation von Rollstuhlfahrern immer noch als „Sonderfall“ eingestuft. „Dabei profitieren viele von barrierefreien Situationen, angefangen bei der wachsenden Zahl von Senioren mit Rollatoren über Mütter mit Kinderwagen bis hin zu Paketlieferanten“, argumentiert Silke Katzfuß.
Als leidenschaftliche Amateurfotografin dokumentierte sie schon Hindernisse wie beispielsweise die einstige, unüberwindliche Treppe zu den Bahnsteigen am Brühler Bahnhof. Ihren Rollstuhl hat sie ein wenig breiter als nötig gewählt, damit ihre Kameraausrüstung mit einer Auswahl verschiedener Objektive in Griffweite neben ihr Platz findet.

Ihre Galerie hat sie mit ausgewählten Motiven in ihrem Mobiltelefon dabei, grafische Umsetzungen ihres Heimwegs oder morgendlicher Nebel über dem Schlossgraben.
Copyright: Oliver Tripp
Im Schlosspark nehme sie andere Motive in den Fokus. Tiere oder Lichtstimmungen im Wechsel der Jahreszeiten. Wenn sie morgens aus dem Fenster in Nebel schaue, beeile sie sich, in den Park zu kommen. Zu flüchtig sei der Dunst, den sie schon über dem Wasser des Schlossgrabens fotografiert habe, oder wie er zwischen hoch aufragenden Bäumen schräg einfallende Sonnenstrahlen sichtbar mache.
„Schönwetterfotografie finde ich langweilig“, sagt sie, ungewohnte Perspektiven hingegen liebe sie sehr. Da baue sie schon mal den Rückspiegel ihres Rollstuhls in ihr Motiv ein, oder setze sich neben ihren Rollstuhl für eine Froschperspektive ins Gras, um im Schlosspark eine Gruppe von Pilzen zu fotografieren. Aufstehen und ein wenig gehen, das könne sie ja noch.
Das habe bei Beobachtern beizeiten zu allerlei Verwirrung geführt. „Eine offensichtlich behinderte Frau liegt neben ihrem Rollstuhl? Sie muss wohl rausgefallen sein“, zeichnet die Brühlerin den Gedankengang derer nach, die ihr freundlicherweise spontan Hilfe angeboten hätten. Einmal geklärt, sorge die Situation oft für lustige Begegnungen auf beiden Seiten.
Ihre schönsten Aufnahmen hat sie in ihrem Mobiltelefon abgespeichert und manche sind im Internetauftritt der Fotografischen Arbeitsgemeinschaft Brühl zu sehen. Seit 13 Jahren ist sie dort Mitglied, für ihre Fotografie spiele FAB eine große Rolle.
https://fab-fotografie.de.
