Auf dem Friedhof in Keldenich kann Diakon Paul Jürgen Schiffer abschalten. Er ist für ihn Ort der Ruhe und des Lebens.
Ort der RuheLieblingsplatz von Diakon Paul Jürgen Schiffer ist ein Friedhof in Wesseling

Paul Jürgen Schiffer ist Diakon im Nebenberuf – hier in Wesseling-Keldenich auf dem Friedhof.
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Der Friedhof ist für Diakon Paul Jürgen Schiffer (77) ein ganz besonderer Ort. Generell gelte das sogar für jeden Friedhof. Doch der schönste Platz, das sei für ihn doch der Friedhof in Wesseling-Keldenich – auch weil er mit direkter Anbindung an die nahe Pfarrkirche St. Andreas angelegt ist. „Hier bin ich gerne“, sagt Schiffer. Dabei bezieht er sich allerdings nicht so sehr auf eine bestimmte Bank.
„Ich meine wirklich den kompletten Friedhof“, erklärt er. Ganz bewusst und öfter mal auch unter der Woche schiebe er dort sein Fahrrad gerne an den teils liebevoll gestalteten und mit viel Arbeitsaufwand gepflegten Grabreihen vorbei – mitunter sogar gezielt über die ein bisschen abgelegenen Wege. Je nach Wetter genießt er es aber auch, sich auf einer der vielen Ruhebänke dort im Schatten zu verschnaufen.
„Hier kann ich abschalten und meine Gedanken sortieren“, sagt er. Der Friedhof sei für ihn ein Ort der Ruhe und des Lebens. Die Stille sauge er dabei regelrecht auf. Richtig schön findet er es aber auch, die Rufe der Kinder zu hören, die in den Pausen von den beiden nahen Grundschulen so fröhlich bis zum Friedhof herüberklingen. Unwillkürlich muss er in solchen Momenten auch denken: „Was habt ihr noch alles vor euch, was die Menschen, die hier liegen, schon alles geschafft und hinter sich haben.“
Wesseling: Paul Jürgen Schiffer ist nebenberuflich Diakon
Paul Jürgen Schiffer ist Diakon im Nebenberuf. Im Hauptberuf arbeitete er beim Krankenkassenverband. „Ich habe mit dem ehemaligen Gesundheitsminister Norbert Blum die Pflegeversicherung auf den Weg gebracht“, erzählt er. Tod und Krankheiten seien für ihn schon immer Teil seines Lebens gewesen. „Davor habe ich keine Angst“, sagt er. Auch vor seinem eigenen Tod fürchtet er sich nicht.
Ehrenamtlich war Paul Jürgen Schiffer über zwölf Jahre in Wesseling und dem Rhein-Erft-Kreis auch Notfallseelsorger und parallel dazu Vorstandsmitglied beim deutschen Hospiz- und Palliativverband. „Ich bin aber mitnichten ein trauriger Mensch“, sagt er. Im Gegenteil. Viele Jahre habe er mit großer Freude als Kinderprinzenführer der Großen Wesselinger Karnevalsgesellschaft die kleinen Wesselinger Tollitäten durch die Session begleitet. Darüber hinaus habe er sich bei der CDU auch mit eigenen Ideen im Stadtrat für die Gestaltung Wesselings eingebracht.

Der Friedhof in Keldenich.
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„Ich habe hier in Wesseling wirklich viele Menschen kennen und schätzen gelernt“, erklärt er. Mit vielen habe er gelacht – mitunter aber auch um sie und mit ihren Angehörigen getrauert. „Ich durfte viele Menschen durch einen Teil ihres Lebens begleiten“, erzählt er. Viele habe er auch selber – auch auf dem Friedhof in Keldenich – beigesetzt. Mehr zu sich selber sagt Schiffer, wenn er an ihren Gräbern vorbeigeht: „Ihr seid nicht vergessen – wir sehen uns alle wieder.“ Dieser Friedhof in Keldenich stecke für ihn voller Erinnerungen.
„Dort drüben haben wir unseren Bürgermeister Erwin Esser begraben“, sagt er, dreht sich dann ein bisschen nach rechts und sagt: „Und hier fand Sven Fischenich die letzte Ruhe.“ Er habe vor elf Jahren in der Germanwings-Maschine gesessen, die in den französischen Alpen abgestürzt ist. Dann deutet er Richtung Friedhofskapelle: „Und dort ist das Grab von Alexander Sauerborn.“ Der junge Mann sei nachts auf der Rodenkirchener Straße angefahren und dabei so schwer verletzt worden, dass er noch in der gleichen Nacht an den Folgen der Verletzungen starb.
„Kinder dürfen eigentlich nicht vor ihren Eltern gehen“, sagt Schiffer. Das sei doch auch mit einem „lieben Gott“ gar nicht in Einklang zu bringen. Schlimm sei es für ihn mitzuerleben, wenn die Angehörigen an ihrem Schicksal zerbrechen und an gebrochenen Herzen sterben. Seit 1992 ist Paul Schiffer Diakon im Nebenberuf. Wie oft er in dieser Zeit schon nach dem „Warum“ gefragt wurde, könne er gar nicht mehr sagen. „Es passieren immer wieder auch Dinge, auf die es einfach keine Antworten gibt“, sagt er.
Ihm helfe sein Glaube. Bei seinen Spaziergängen über den Friedhof finde er auch die Ruhe, um über die Inhalte seiner Trauerreden nachzudenken. Ihm ist es wichtig, das persönliche Leben der jeweils Verstorbenen in den Mittelpunkt seiner Rede zu stellen – darzustellen, was sie als Persönlichkeiten ausgemacht haben. Die Informationen zu den jeweiligen Personen bekomme er zwar im persönlichen Gespräch mit den Angehörigen. Doch auf dem Friedhof in Keldenich könne er seine Gedanken sortieren und sacken lassen. „Hier fallen mir oft sogar wichtigen Impulse für die Reden ein, die ich dann zu Hause aufschreibe“, erklärt er.
