Abo

„Kaufland“ rüstet umAnwohner können in Erftstadt beim Discounter nicht mehr frei parken

3 min
Das Logo des Lebensmitteleinzelhändlers Kaufland steht vor einer Filiale.

Das Logo des Lebensmitteleinzelhändlers Kaufland steht vor einer Filiale.  

Die Parkplätze seien oft von Dauerparken belegt gewesen, sagt der Filialleiter. Manche Anwohner sind erbost.

Überrascht dürfte niemand sein. Das von „Kaufland“ beauftragte Unternehmen „Fair Parken“ hat unlängst die Anwohner des Discounters an der Gustav-Heinemann-Straße in Erftstadt (Rhein-Erft-Kreis) in einem Schreiben darauf hingewiesen, dass ein neues Parksystem eingeführt wird und sie ihre Wagen ab 28. Mai nicht mehr kostenlos in dessen Parkhaus abstellen dürfen. Bisher wurde geduldet, dass Anwohner dort geparkt haben – aber nach Angaben von Filialleiter Björn Ercolei hat diese Praxis überhand genommen.

„Wir möchten sicherstellen, dass unsere Parkplätze primär unseren Kunden zur Verfügung stehen. Das neue System hilft uns dabei, Dauerparken effektiv zu unterbinden. Dank der schrankenlosen Technik bleibt der Parkvorgang für unsere Kunden dabei absolut zeitsparend und komfortabel”, heißt es in einer Pressemitteilung der Unternehmenszentrale in Neckarsulm.

Erftstadt: Wer ins Fitnessstudio geht, darf drei Stunden kostenlos parken

„Kaufland“ führt in Erftstadt, wie bereits zuvor an etlichen anderen Standorten, ein digitales Parksystem mit Kennzeichenerkennung ein. Bei der Ein- und Ausfahrt werde das Kennzeichen erfasst, um die Parkdauer zu ermitteln. Die ersten 90 Minuten seien kostenfrei. Erfahrungsgemäß reiche diese Zeit fürs Einkaufen „sehr gut“ aus.

Danach kostet jede angefangene Stunde einen Euro. Auch Kunden, die ausschließlich bei den Shops und Geschäften in der Vorkassenzone einkaufen, parkten die ersten 90 Minuten kostenfrei, heißt es weiter in der Mitteilung. Sie würden beim Bezahlen gefragt, ob sie das Parkhaus nutzen und in diesem Fall an die Kaufland-Kundeninformation verwiesen. Dort erhielten sie einen Bon mit entsprechendem QR-Code, um kostenfrei das Parkhaus zu verlassen. Mitglieder des „clever fit“-Fitnessstudios haben eine Freiparkzeit von 180 Minuten. Die Einbuchung erfolge hier über ein Tablet im Studio.

Für das Parken in den Parkhäusern der Kaufland-Filialen, wie hier in Pulheim, gelten neue Regeln.

Für das Parken in den Parkhäusern der Kaufland-Filialen, wie hier in Pulheim, gelten neue Regeln.

Wer länger parkt, kann laut „Kaufland“ die Gebühr direkt am Automaten oder innerhalb von 48 Stunden online über den QR-Code auf dem Kassenbon begleichen. Andernfalls ermittele „Fair Parken“ über die Kennzeichenerkennung die Parkdauer und stelle 39,90 Euro in Rechnung.

Der Discounter kündigt an, er werde seine Kunden durch Beschilderungen an der Ein- und Ausfahrt und in der Mall sowie durch Flyer an der Kundeninformation über das neue System informieren. Zudem wiesen Mitarbeiter an der Kasse auf das neue System hin. In den ersten Wochen der Einführung unterstützen außerdem Mitarbeiter von „fair parken“ im Parkhaus die Kunden bei Fragen.

Pulheim: Probleme mit der Handhabung des Automaten

Dass die bisher kostenlosen Parkplätze wegfallen, stößt auf Kritik. Ein Anwohner macht auf Facebook seinem Ärger Luft: „Ich halte das für sehr fragwürdig. Die ganzen Bewohner der Gustav-Heinemann-Straße parken seit Jahrzehnten auf dem Parkdeck. Jetzt kommt da so ein Unternehmen und will Geld fürs Parken. Wir wohnen ja nicht in einer Großstadt wie Köln. Wo sollen die ganzen Bewohner ihre Autos parken?“

Der weitaus größere Teil der User zeigt jedoch Verständnis für die Umstellung. „Dass es für die Anwohner bequem ist, dort zu parken, kann ich mir auch gut vorstellen“, äußert sich eine Frau, „aber ein Anrecht hat man nun mal nicht“.  Ein Mann schreibt: „Nur weil etwas jahrelang geduldet oder kostenlos war, heißt das nicht, dass es ein Dauerrecht darauf gibt. Das Parkdeck gehört nun mal nicht den Anwohnern. Und wenn ein Betreiber es wirtschaftlich nutzt, ist das weder ,fragwürdig’ noch ungewöhnlich – sondern schlicht normal.“

Zu Jahresbeginn war das digitale Parksystem mit Kennzeichenerkennung bereits in Pulheim eingeführt worden. Dort hatte es Irritationen bei der Handhabung des Automaten gegeben; zudem bedauerten Kunden, dass zwei Geschäfte in der „Kaufland“-Filiale von der Parkregelung ausgeschlossen waren. Probleme traten auch in Bergheim auf: Rollstuhlfahrerin Meral König beklagte, die Schaltfläche am Automaten, mit der man den Vorgang zum Bezahlen des Parktickets starten kann, sei für sie zu hoch. Das gleiche gelte für den Münzschlitz.