Abo

65 Jahre EheMargret und Abdalla Hassan aus Erftstadt feiern eiserne Hochzeit

3 min
Ein Ehepaar sitzt auf einem Sofa.

Sie blicken auf bewegte Zeiten zurück: Margret und Abdalla Hassan feiern heute in Lechenich eiserne Hochzeit.

Früher betrieben Margret und Abdalla Hassan aus Lechenich eine Tennishalle. Jahrelang verbrachten sie die Winter in Kairo.

Heidelberg, Bad Godesberg, Kairo – In den 65 Jahren ihrer Ehe hatte Langeweile kaum eine Chance, in das Leben des Ehepaars Hassan einzuziehen. Jetzt feiern die beiden in Erftstadt-Lechenich eiserne Hochzeit. Abdalla Hassan, geboren 1934, kam als junger Mann für seine Ausbildung in der Hotellerie nach Heidelberg. Dort traf er 1959 die junge Margret, geboren 1939, die sich der Meinung ihres Vaters zum Trotz in den Ägypter verliebte.

Sieben Jahre habe es gedauert, bis ihr Vater die Entscheidung seiner Tochter akzeptierte und seine Vorurteile überwand, erinnert sich die Jubilarin: „Mein Vater war ab da ganz vernarrt in seinen Schwiegersohn.“ Am 11. August 1961 gaben sich die beiden das Jawort in Bad Godesberg, im Standesamt waren nur eine Kollegin und ein Kollege als Trauzeugen dabei. 65 Jahre später blicken die Hassans auf ein erfülltes Leben voller Freundschaft und Abenteuer zurück.

Das Bild zeigt eine Frau mit Blumenstrauß und zwei Männer in Anzügen in Schwarz-Weiß.

Vor 65 Jahren heirateten die beiden in Bad Godesberg.

In Bad Godesberg arbeitete Abdalla Hassan in den 1960er-Jahren in einem Hotel am Rhein. Dort, wo die politischen Gäste der damaligen Hauptstadt der Bundesrepublik ein und aus gingen, fand er nicht nur Freunde unter seinen Kollegen und Vorgesetzten, auch Minister des Auswärtigen Amtes der arabischsprachigen Welt vernetzten und befreundeten sich mit dem Ehepaar. „Wir hatten viele Freunde, Bad Godesberg war die schönste Zeit“, sagt Abdalla Hassan, der sich an eine Geschichte nach der anderen erinnert.

Bonn: Besuch des damaligen US-Präsidenten John F. Kennedy

Von dem Besuch John F. Kennedys in Bonn, von dem er ein Foto geschossen hat und unweigerlich selbst auf einem Bild mit dem damaligen Präsidenten landete. „Ich kannte damals alle, auch die Polizei, deswegen durfte ich durch die Absperrung, und als ich ein Bild machen wollte, landete ich in der Zeitung, weil die Fotografen Kennedy von der anderen Seite fotografierten und damit auch mich“, lacht er.

Sie kann mittlerweile besser Arabisch sprechen als ich
Abdalla Hassan, Jubilar

Seine Ehefrau soll seine Familie in Ägypten kennenlernen, und so reisten die beiden Anfang der 60er-Jahre das erste Mal nach Kairo. „Ich konnte kein Wort Arabisch, aber seine Familie hat mich sofort aufgenommen, und über die Jahre habe ich mir die Sprache angeeignet“, erklärt Margret Hassan stolz. Als die beiden Mitte der 60er-Jahre für vier Jahre nach Kairo ziehen und Margret Streifzüge durch das Viertel unternimmt, baut sie ihre Kenntnisse aus: „Alle sind dort sehr freundlich und hilfsbereit.“

Die gelernte Einzelhandelskauffrau arbeitete in Bonn bei Hertie, damals einem der führenden Warenhauskonzerne Deutschlands. Neben ihrer Tätigkeit als Verkäuferin wurde sie regelmäßig als Dolmetscherin eingesetzt. „Dann kamen immer die Anrufe: Kommst du mal runter, übersetzen?“ Denn sie war die Einzige, die Arabisch konnte. „Sie kann mittlerweile besser Arabisch sprechen als ich“, findet ihr Mann und schmunzelt.

Anfang der 80er-Jahre begann für das Ehepaar ein neuer Lebensabschnitt in Lechenich. Sie übernahmen die Leitung einer Tennishalle mit Restaurantbetrieb. Knapp zehn Jahre später, im Jahr 1994, gingen Abdalla und Margret Hassan in den Ruhestand und verbrachten fortan bis 2022 ihre Winter in Kairo und ihre Sommer in Lechenich. „Wir hatten ja in beiden Städten eine Wohnung und wollten unsere Freunde an beiden Orten sehen“, erklärt Margret Hassan. Die Pandemie beendet ihr Wechselmodell jedoch vorzeitig, 2022 waren sie das letzte Mal in Ägypten.

Margrets Herz schlägt für die Heimatstadt ihres Mannes, die längst auch ihre Heimat sei: „Wenn ich könnte, ich würde sofort nach Kairo“, sagt die 87-Jährige mit ein wenig Sehnsucht in der Stimme. Die Reiselust und die Euphorie, Neues zu entdecken, hätten ihre Ehe bereichert. „Hier in Lechenich ist es uns das erste Mal ein wenig langweilig, seit wir nicht mehr nach Kairo können“, bedauert der Jubilar. Heute feiern sie mit Freunden und Bekannten ihre eiserne Hochzeit.