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Serie „Mein Lieblingsplatz“Darum liegt ein Frechener Friedhof Marianne Carrié am Herzen

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Auf dem Foto ist eine ältere Dame vor der Trauerhalle in Frechen zu sehen.

Als Lieblingsplatz bezeichnet die ehemalige Geschäftsfrau Marianne Carrié den Friedhof St. Audomar, mit dem sie viele Erinnerungen verbindet.

Als „Oase“ bezeichnet die 84-jährige ehemalige Geschäftsfrau den Ort, an dem auch viele alte Frechener Familien ihre Grabstätten haben. 

Die Vögel zwitschern, die Sonne scheint durch die dicken Äste des alten Baumbestandes und ein leichter Wind bringt die Blätter zum Rauschen – eine fast idyllische Stimmung liegt über dem kleinen Platz an der Trauerhalle vor dem Friedhof St. Audomar. Ein Mitarbeiter des Stadtbetriebs fegt Blätter zusammen, Grabbesucher leihen sich eine Schubkarre zum Transport von frischen Pflanzen aus und eine Dame huscht schnell zu der öffentlichen Toilette. Mittendrin im Geschehen sitzt Marianne Carrié und freut sich: „Hier ist es doch wirklich schön, oder?“

Für die 84-Jährige hat der Friedhof eine ganz besondere Bedeutung – er ist für sie nicht nur ein Ort der Erinnerung an vergangene Zeiten, sondern auch „eine Oase“ mitten in der Innenstadt. Schon seit Jahrzehnten betrachtet sie ihn als einen ihrer Lieblingsplätze in Frechen und sieht den Ort der Stille weniger als Friedhof denn als Grünanlage. 

Auf dem Foto ist ein Teil eines alten Friedhofes zu sehen.

Die Grabstätten vieler Frechener Familien sind auf dem Alten Friedhof St. Audomar zu finden.

Die ehemalige Geschäftsfrau, die mit ihrem Mann jahrzehntelang erfolgreich den Spielwaren- und Freizeitladen Carrié an der Hauptstraße führte, erinnert sich gerne an die Zeiten, in denen sie als junge Frau mittags mit ihrer Tochter im Kinderwagen durch die parkähnliche Anlage fahren konnte. „Von 13 bis 14.30 Uhr hatten wir die traditionelle Mittagspause, dann konnte ich Zeit mit meinem Kind verbringen“, erzählt die agile Seniorin. Man könne fast sagen, ihre Tochter sei im Kinderwagen auf dem Friedhof groß geworden, schmunzelt sie. 

Der Friedhof St. Audomar ist mit knapp zehn Hektar Grundfläche und rund 8500 Gräbern die größte Begräbnisstätte der Stadt. Er umfasst neben dem Neuen Friedhof und der Trauerhalle auch den historischen Alten Friedhof mit Grabsteinen aus dem 17. bis 19. Jahrhundert. 

Wenn ich die ganzen alten Namen lese, ruft das etwas Schönes in mir hervor
Marianne Carrié, ehemalige Geschäftsfrau aus Frechen

Noch heute liebe sie es, auf dem alten Teil des Friedhofs an den Grabstätten der Frechener Familien vorbei zu spazieren, erzählt die Frechenerin: „Wenn ich die ganzen alten Namen lese, ruft das etwas Schönes in mir hervor.“ Sie selber wuchs an der Bahnstraße auf. Damals hätten dort im „Oberdorf“ noch die „Armen“ gewohnt, ihr Mann aus „dem Unterdorf, wo die Reichen wohnten“, sei ihre ganz große Liebe gewesen. Die ganze Familie ihres Mannes war mit Geschäften an der Hauptstraße selbstständig, auch die Schwiegereltern gehörten zu der Gruppe angesehener, alt eingesessener Geschäftsleute. 

Auf dem Bild ist eine ältere Dame vor einem alten Familiengrab zu sehen.

Als Lieblingsplatz bezeichnet die ehemalige Geschäftsfrau Marianne Carrié den Friedhof St. Audomar, mit dem sie viele Erinnerungen verbindet. Die Grabstätte der Familie Küngelen ist eine ihrer Favoriten.

Auch daher kommt das große Engagement, das Carrié auch heute noch umtreibt. Sie ist nicht nur in dem Aktivkreis ehrenamtlich tätig, sondern immer auch Ansprechpartnerin und Problemlöserin für kleine und große Schwierigkeiten, die an sie herangetragen werden. „Mein Motto ist: Wir müssen vom Ich wieder auf das Wir kommen“, äußert sie ernst und appelliert, sich gemeinsam für das Wohl der Stadt einzusetzen. 

Frechen: Holzkreuz wurde vom Grab gestohlen

66 Jahre war das Ehepaar Carrié verheiratet, vor knapp vier Jahren verstarb ihr Liebster. Seitdem habe der neue Teil des Friedhofs für sie „an Anziehungskraft verloren“: „Es fällt mir schwer, diesen Ort zu besuchen, da kullern direkt die Tränen.“ Ärgerlich sei, dass ein wertvolles, handgeschnitztes Holzkreuz von seiner Grabstelle gestohlen worden sei. Es sei nun durch ein Kunststoffkreuz aus alten Beständen des Geschäfts ersetzt worden. Das Grab ihrer Eltern auf dem Friedhof sei bereits abgelaufen. „Es war für mich nicht mehr sinnvoll, es zu halten, die Erinnerung ist in meinem Kopf“, so Carrié.

Ob sie selbst einmal auf dem Friedhof St. Audomar bestattet wird, darüber macht sich Marianne Carrié keine Gedanken: „Wie und wo ich beerdigt werde, diese Entscheidung überlasse ich meiner Tochter und meinen drei Enkelkindern.“ Nur eines ist für sie ganz klar: „Eine Erdbestattung kommt auf keinen Fall in Frage!“