Die Kulturschaffenden beklagen die mangelnde Kommunikation mit der Stadt und vermissen das Interesse, mit ihrer Hilfe das Festival zu retten.
IG KulturSo groß ist der Ärger über die Absage der Kulturwochen in Frechen

Zu insgesamt 54 Veranstaltungen luden 2024 die Organisatoren ein und präsentierten vorab im Rathaus das Programm der Kulturwochen. Für dieses Jahr sagte die Stadt das Festival aus Kostengründen ab.
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Das Entsetzen in der Frechener Kulturszene ist groß: Die Stadt Frechen teilte am vergangenen Donnerstag (19. März) mit, dass die für das Jahr 2026 geplanten Kulturwochen „leider abgesagt werden müssen“. Ursprünglich waren sie wieder als großes Festival vom 12. bis 27. September im gesamten Stadtgebiet geplant. Als Grund nannte Bürgermeister Uwe Tietz die desolate Finanzlage der Stadt sowie Personalmangel in der Verwaltung.
Die Stadt Frechen muss erstmals in ihrer Geschichte in ein Haushaltssicherungskonzept (HSK) und befindet sich derzeit in einer „vorläufigen Haushaltsführung“. Das bedeutet, sie darf per Gesetz vorerst nur Geld für Dinge ausgeben, zu denen sie rechtlich verpflichtet ist, also etwa Gehälter oder laufende Verträge.
Frechen: Kulturschaffende waren bereits in den Vorbereitungen
Fassungslos machen die Kulturschaffenden, die schon in den Vorbereitungen waren, allerdings nicht nur die Absage des Festivals generell, sondern zwei weitere Punkte: Zum einen erfuhren sie vom Ausfall der Kulturwochen erst aus dieser Zeitung, nicht von der Verwaltung vorab. Dies sei einem internen Kommunikationsfehler geschuldet, erläuterte die Stadt im Nachhinein entschuldigend. Die entsprechende Pressemitteilung sei von ihr fälschlicherweise vor den Informationen an die Veranstalter veröffentlicht worden.
Es gibt hier viele Netzwerke, die in der Lage gewesen wären, die Kulturwochen zu organisieren
Zum anderen ärgern sich die Ehrenamtler und Künstler darüber, dass es seitens der Stadt keine Bemühungen gegeben habe, mit ihnen direkt ins Gespräch zu kommen, um das Festival zu retten. „Es gibt hier viele Netzwerke, die in der Lage gewesen wären, die Kulturwochen zu organisieren“, analysiert Johannes Paul, Vorsitzender des Fördervereins Alt St. Ulrich und Mitgründer der IG Kultur Frechen. Leider gebe es aber „kein spürbares Interesse“, mit der Hilfe der Ehrenamtlichen die Kulturwochen zu retten, konstatiert er.

Johannes Paul ist Vorsitzender des Fördervereins Alt St. Ulrich und Mitgründer der IG Kultur.
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Auch auf seine Vorschläge in einer E-Mail an die Verwaltung sei inhaltlich „überhaupt nicht eingegangen“ worden. Paul hatte darin nicht nur die ehrenamtliche Arbeit für das Festival, sondern auch den Verzicht auf Fördergeld angeregt.
Eine Absage sei nicht nur für die Betroffenen bedauerlich, wie die Verwaltung schreibe, so Paul: „Vielmehr haben wir durch unsere Tätigkeiten die Stadt Frechen in den vergangenen Jahren auch als bedeutenden Kulturstandort etabliert – für die Einwohner der Stadt, aber auch für die Menschen aus der Region. Und sind somit auch ein beträchtlicher Werbeträger für Frechen. Natürlich auch unterstützt durch die ‚Kulturwochen‘, in denen tausende Menschen unsere Einrichtungen wie Theater, Kino, Ateliers, Gastronomie et cetera besucht haben.“

