Abo

Eltern besorgtKarnevalisten in Rhein-Erft werfen abgelaufene Gummibärchen

Lesezeit 4 Minuten
Auf dem Foto sind bunte Tütchen mit Gummibärchen zu sehen.

Abgelaufene Gummibärchen wurden auf den Zügen in Frechen-Bachem und Alt-Hürth geworfen.

In Frechen-Bachem und Alt-Hürth wurden Süßigkeiten verteilt, die nur bis 2019 haltbar waren. Das sagen Experten zum Verzehr.

Eltern sind empört: Bei Karnevalszügen in Frechen-Bachem und in Alt-Hürth seien Süßigkeiten geworfen worden sein, deren Verfallsdatum lange abgelaufen war. In Bachem seien es kleine Tütchen mit Gummibären mit dem Namen „Party Bärchen“ gewesen – sie waren laut Aufdruck bis September 2019 haltbar, schreibt eine Mutter auf Facebook. Und postet als Beleg ein Foto von einer Handvoll Tütchen, worauf das Datum klar zu erkennen ist. Tüten derselben Marke haben Zugteilnehmer in Alt-Hürth unter das närrische Volk gebracht. Sie waren mit dem Haltbarkeitsdatum 2022 versehen. Hergestellt werden sie in Kerpen.

Hinweis der Redaktion: Inzwischen hat das Kerpener Unternehmen aufgeklärt, dass ein falscher Aufdruck mit einem Zahlendreher für die Verwirrung sorgte. Die Gummibärchen sind nicht abgelaufen.

Der Facebook-Beitrag der Mutter aus Frechen hat eine kontroverse Diskussion ausgelöst. Ein Teilnehmer möchte wissen, welche Gruppe das Wurfmaterial mit den abgelaufenen Gummibärchen verteilt hat – man müsse dagegen vorgehen. Das könne sie im Nachhinein aber nicht mehr nachvollziehen, so die Frau.

Dann sollen die Leute sie selbst essen!
Facebook-Kommentatorin

Zudem sei es nicht ihre Absicht, dagegen vorzugehen. Es reiche, wenn jeder einfach nur Bescheid wisse, „was seine Kinder da in den Tüten hatten. Was man damit dann macht kann ja jeder für sich selber entscheiden“. Eine andere Mutter kommentiert: „Meine Nachbarin hatte auch welche. Ich finde so etwas nicht okay. Dann sollten die Leute sie selbst essen“!

Karnevalszug in Hürth: „Es ist kein Drama, aber man muss das auch nicht einfach so hinnehmen“

Wiederum eine andere Chat-Teilnehmerin schreibt: „Hatte ich letztes Jahr in Gleuel gehabt. Es waren Toffifee auch abgelaufen - und das zwei Jahre lang schon. Deshalb habe ich dieses Jahr alles nachgeschaut. Und wo kein Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) draufstand, habe ich mit aussortiert.“ Auch in diesem Jahr wurden beim Kinderzug in Alt-Hürth Süßigkeiten verteilt, die nicht mehr haltbar waren.

Eine Besucherin schreibt: „ Wir haben dort auch zwei Packungen mit MHD 2022 von den gleichen Bärchen! Und nein, es ist kein Drama, aber man muss das auch nicht einfach so hinnehmen. Vor allem dann, wenn es anscheinend so verkauft wurde! Denn denke kaum, dass verschiedene Menschen die gleichen Bärchen aufbewahrt haben über Jahre.“ Ein Mann vermutet, dass das süße Wurfmaterial so über den Großhandel verkauft worden ist.“

Ein Leser äußert eine andere Vermutung: Die, dass es sich bei dem Haltbarkeitsdatum um den 19.09.2026 handeln könne. Schließlich sei den Tütchen zu entnehmen, dass der Inhalt in P.R.C. hergestellt worden sei, also in China. Denn „26.09.19“ sei eigentlich nicht die gängige Schreibweise für das Mindesthaltbarkeits-Datum in Deutschland. Hier würden nur Monat und Jahr auf den Produkten vermerkt. Außerdem stehe auf den Gummibären-Verpackungen nicht drauf „Mindestens haltbar bis“. Er könne sich vorstellen, dass die Chinesen eine andere Datumsschreibweise haben und das Jahr vorne stehe.

Nahezu alle Lebensmittel seien länger haltbar als auf der Verpackung angegeben

Auch andernorts sind die bald fünf Jahre alten Gummibärchen von Karnevalsgesellschaften an der Zugstrecke geworfen – oder direkt in die Tüten der am Wegesrand um Kamelle bittende Kinder gelegt worden. So wird in einer Facebook-Gruppe am Niederrhein vor demselben Wurfmaterial – es war in Moers am Samstag unters närrische Volk gebracht worden. Nach Angaben von Ernährungsexperten bedeutet der Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums nicht, dass Lebensmittel, speziell Süßigkeiten, nicht mehr gegessen werden sollten. Nahezu alle Lebensmittel seien deutlich länger haltbar, als das Mindesthaltbarkeitsdatum angebe.

So sei Schokolade ist ein Lebensmittel, das bei der richtigen Lagerung noch deutlich länger essbar sei. Mit dem MHD garantiert der Hersteller lediglich, dass bei richtiger Lagerung die spezifischen Eigenschaften wie Geruch, Geschmack und Nährwert des Produkts bestehen bleiben. Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist also nicht gleichzeitig das Verbrauchsdatum. Manchmal habe sie nach einiger Zeit einen weißen Film auf der Oberfläche. Auch diese Verfärbung bedeute nicht, dass die Schokolade nicht mehr gut sei. Der weiße Belag entstehe durch ausgeflockte Kakaobutter, wenn die Schokolade zu warm gelagert worden ist, und sei normalerweise vollkommen unbedenklich. Der Tipp: „Sieht die Schokolade noch gut aus und schmeckt auch so, können Sie in der Regel unbesorgt zuschlagen.“

KStA abonnieren