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Ungute VorzeichenSpritpreise könnten Gebühren in den Städten in Rhein-Erft steigen lassen

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Ein Autofahrer hängt an einer Tankstelle eine Zapfpistole in die Zapfsäule.

Die Spritpreise sind auch im Rhein-Erft-Kreis zuletzt deutlich gestiegen.

Nicht nur Verbraucher und Unternehmer spüren die gestiegenen Spritpreise, auch die Kommunen könnten gezwungen sein, mehr für Rettungsdienst und Müllabfuhr zu verlangen.

Noch geht es nicht ohne: Schließlich sind nur zwei von 100 Lkw mit elektrischem Antrieb auf den Straßen unterwegs. Alle anderen Brummis sind Verbrenner und fahren mit Diesel. Und für den mussten im August zeitweilig mehr als 2,30 Euro pro Liter gezahlt werden.

Die Auswirkungen der hohen Energie- und Spritpreise sind längst auch in der Wirtschaft im Rhein-Erft-Kreis zu spüren – etwa bei den großen Logistikunternehmen. Daran hat auch der Tankrabatt von 17 Cent pro Liter im Mai und Juni nichts ändern können.

Logistikunternehmen spüren die Last der gestiegenen Kosten

„Die hohen Dieselpreise erhöhen unsere Transportkosten unmittelbar und führen dazu, dass Kunden ihre Projekte noch genauer kalkulieren, verschieben oder teilweise zurückstellen“, berichtet zum Beispiel Thomas Schneider, geschäftsführender Gesellschafter der Firma Hasenkamp. Das in Frechen ansässige Unternehmen mit weltweit mehr als 1000 Mitarbeitern ist auf Spezialtransporte spezialisiert – Kunst und Hightech zum Beispiel. Sogar Bauteile für die Internationale Raumstation ISS im Wert von zwei Milliarden Euro wurden schon transportiert.

Zwar hänge auch bei ihnen die Nachfrage weiterhin stark vom jeweiligen Projekt ab, aber auch von der allgemeinen Marktentwicklung. „In unseren Angeboten weisen wir inzwischen einen Dieselzuschlag aus, mit dem wir versuchen, die schwankenden Kraftstoffpreise auszugleichen, um die Mehrkosten zumindest teilweise weiterzugeben“, erklärt Schneider. Seit Jahresbeginn sei der Dieselpreis um gut ein Drittel gestiegen.

Zu sehen ist Thomas Schneider vor einem Lkw.

Thomas Schneider, geschäftsführender Gesellschafter der Firma Hasenkamp, muss mit gestiegenen Spritkosten kalkulieren.

Weitere Kosten entstünden den Unternehmen aktuell aber auch noch aufgrund der mangelhaften Infrastruktur wie Baustellen, Staus und Sperrungen – etwa rund um die A4, an der Anschlussstelle Köln-Eifeltor. Auch seine Mitarbeiter müssten deswegen teils große Umwege fahren. „Das bedeutet nicht nur einen höheren Kraftstoffverbrauch, sondern auch zusätzliche Mautkosten und einen höheren Zeitaufwand“, kritisiert Schneider. 

Statt weiterer neuer Vorschriften und Bürokratie wünscht er sich von der Politik mehr Praxisnähe, Klarheit und Verlässlichkeit. „Als mittelständisches Familienunternehmen, das seit vielen Jahren auch in nachhaltige Logistik investiert, möchten wir vor allem eines: unseren Job machen können“, betont Schneider. Logistik sieht er gewissermaßen als Schmierstoff einer Volkswirtschaft: „Wenn sie nicht funktioniert, geraten viele andere Prozesse ebenfalls ins Stocken.“

Und mit dieser Meinung steht der Projekt-Logistiker Hasenkamp nicht alleine da. Ganz ähnlich sieht das auch die Vorsitzende der Kreishandwerkerschaft Martina Engels-Bremer. „Unsere 3500 Handwerksbetriebe im Rhein-Erft-Kreis brauchen verlässliche Rahmenbedingungen“, betont sie. Die ständig schwankenden Spritpreise treffen die Betriebe unmittelbar. Die Auftragsanfragen für das kommende Jahr seien bereits rückläufig.

Zu sehen ist Martina Engels-Bremer.

Auch die Vorsitzende der Kreishandwerkerschaft, Martina Engels-Bremer, wünscht sich für die Unternehmen im Rhein-Erft-Kreis verlässliche Rahmenbedingungen.

„Jeder Preissprung bedeutet für die Betriebe zusätzliche Kosten“, erklärt Engels-Bremer. Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen sei es nicht leicht, diese zusätzlichen Kosten aufzufangen. „Wir brauchen deshalb mehr Stabilität und eine nachvollziehbare, verlässliche Energie- und Preispolitik, damit unsere Betriebe kalkulieren und Arbeitsplätze sichern können.

Mehrkosten fallen aber auch in den Kommunen an. Dort könnten unter anderem bald sogar die Müll- und Rettungsdienstgebühren steigen. „Es ist schon jetzt absehbar, dass die Haushaltsansätze für Treibstoff der Rettungswagen und Feuerwehren gerissen werden“, merkt etwa die Sprecherin der Stadt Wesseling, Andrea Kanonenberg, an. Größtenteils müssten die Patienten ja außerhalb des Stadtgebietes in Krankenhäuser gebracht werden – das führe zu verlängerten Fahrwegen.

Bei künftigen Verhandlungen dürften Spritpreise eine Rolle spielen

Noch hätten die hohen Spritpreise zwar keinen Einfluss auf die Rettungsdienstgebühren. Allerdings würden die Gebühren in regelmäßigen Abständen mit den Krankenkassen verhandelt. Schon in der nächsten Verhandlung könnten deswegen die gestiegenen Kosten zum Tragen kommen.

Gleiches gelte auch für die Müllabfuhr. In Wesseling werde der Vertrag alle paar Jahre ausgeschrieben – das nächste Mal für ab 2028. „Wenn die Spritpreise dann noch immer so hoch sind, wird sich dies auf die Angebote der Bewerber auswirken und damit danach auch auf die Gebühren“, erklärt Kanonenberg.

Es ist schon jetzt absehbar, dass die Haushaltsansätze für Treibstoff der Rettungswagen und Feuerwehren gerissen werden
Andrea Kanonenberg, Sprecherin der Stadt Wesseling

Die Stadtwerke in Hürth kündigen auf Anfrage an, dass die allgemeinen Preiserhöhungen und die Inflation in der Gebührenkalkulation wohl schon für die Müllabfuhr 2027 berücksichtigt werden. Noch sei die Gebührenkalkulation Abfall 2027 aber noch nicht erstellt.

Deutlich machen sich die gestiegenen Treibstoffkosten auch in Hürth bereits bei der Feuerwehr und im Rettungsdienst bemerkbar. So lägen die Mehrkosten im Brandschutz im Vergleich der Vorjahre bei rund zehn Prozent und im Rettungsdienst bei 29 Prozent. „Nach aktueller Einschätzung ist aber davon auszugehen, dass die veranschlagten Mittel für das gesamte Jahr ausreichen werden“, erklärt die Sprecherin der Stadt Hürth, Martina Thiele-Effertz. Mehrkosten durch die hohen Spritpreise entstehen aber auch allen Verbrauchern, deren Fahrzeuge mit Diesel oder Benzin getankt werden müssen.

Zu sehen ist Alexey Lippold.

Alexey Lippold von der Tankstelle am Autohof in Frechen beobachtet auch eine höhere Zahl an Tankdieben.

Weniger getankt werde deswegen aber nicht, merkt Alexey Lippold von der Tankstelle am Autohof in Frechen an. „Die meisten Kunden wissen auch, dass wir die Preise nicht machen“, sagt er. Trotzdem gebe es auch immer mal Klagen an seiner Kasse. Schlimmer seien aber jene, die sich einfach nehmen, was sie wollen – ohne zu zahlen. Seit Beginn der Iran-Krise im Februar 2026 beobachtet Lippold einen merklichen Anstieg an Tankbetrug.

„Hier hat es vor der Preis-Eskalation im Februar maximal einen solchen Vorfall im Monat gegeben – oft sogar nur aus Versehen“, berichtet er. Seitdem habe er zwischenzeitlich allerdings schon zwei bis drei Tankbetrüge in der Woche anzeigen müssen. Dabei seien die Diebe auch schon mal so dreist gewesen, dass sie nicht nur ihren Fahrzeugtank, sondern auch viele im Kofferraum stehende Kanister vollgetankt haben. Die Schäden beliefen sich dann schnell auf bis zu 400 Euro. „Inzwischen haben wir aber Vorsorge getroffen“, erklärt er.

1950 kostete ein Liter Diesel noch umgerechnet 9 Cent

Übrigens: 1950 lag der Preis für einen Liter Diesel im Jahresdurchschnitt bei umgerechnet rund neun Euro-Cent (etwa 18 Pfennig). Noch vor zehn Jahren schwankte der Diesel-Durchschnittspreis laut ADAC zwischen 98 Cent im Februar und 1,17 Euro im Dezember. Selbst während der Ölkrisen (1973/1974) kostete ein Liter Diesel in Westdeutschland im Durchschnitt nur zwischen 70 und 87 Pfennig (umgerechnet etwa 36 bis 45 Euro-Cent).