Ein unachtsamer Augenblick, ein unaufmerksamer Fahrer, ein Auto oder Lkw: Immer wieder werden Fußgänger oder Radfahrer Opfer.
Schutzlose OpferHürther Todesfahrer verurteilt – der Schmerz bleibt


Amir Vala zündet an der Stelle, an der seine Tochter Avin und der Schulbegleiter Luis ums Leben gekommen waren, eine Kerze an.
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Nur wenige Augenblicke reichen, mitunter ist es nur ein Wimpernschlag, die über das Schicksal von Menschen entscheiden. Über Leben und Tod. So war es zu Beginn dieser Woche, als der Fahrer eines Lkw in Frechen eine 55-Jährige überfuhr, die mit ihrem Motorroller an einer Ampel an der Kreuzung Kölner Straße / Holzstraße stand. Trotz aller Bemühungen der Ersthelfer und Rettungskräfte starb die Frau noch an der Unfallstelle.
Die genauen Umstände für den Unfall sind noch nicht bekannt – Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln. Nach Sachlage ist jedoch davon auszugehen, dass sich der Lkw-Fahrer wegen fahrlässiger Tötung vor einem Gericht verantworten muss.
Pulheim: Prozess um tödlich verunglücktes Kind beginnt im Herbst
Auch dieser Unfall zeigt: Es sind häufig die Fußgänger, Radfahrer und motorisierte Zweiradfahrer, die auf unseren Straßen bei ähnlich gelagerten Unfällen ihr Leben lassen. Fast zwangsläufig werden Erinnerungen an das Geschehen 2021 in Hürth an der Frechener Straße/Sudetenstraße wach: Auch hier hatte ein Lkw-Fahrer – beim Rangieren – einen Schüler auf seinem Fahrrad übersehen. Der Junge geriet unter den Mehrtonner und hatte keine Überlebenschance.
Genau so wenig wie der Zehnjährige, der 2023 in Pulheim am Paul-Decker-Platz vom Fahrer eines Lastwagens überrollt worden war. Der Prozess gegen den Mann soll nun endlich im Herbst beginnen, wie vor wenigen Tagen bekannt wurde. Welche Qualen müssen die Eltern des Jungen erleiden, weil zunächst die Ermittlungen viel Zeit in Anspruch genommen haben und die Anklage lange auf sich warten ließ, und dann der Prozessbeginn mehrfach verschoben wurde?

Ein Geisterfahrrad und eine liebevoll gestaltete Gedenkstätte erinnern an den tödlichen Unfall in Pulheim. Ein Zehnjähriger starb.
Copyright: Maria Machnik
Sie werden den unbedingten Wunsch haben, dass die Umstände für den Tod ihres Kindes juristisch aufgeklärt werden und der Unfallverursacher abgeurteilt wird – sofern ihm im Prozess seine Schuld nachgewiesen werden kann. Abschließen werden sie mit dem, was ihr Leben von einem Tag auf den anderen auf so schreckliche Art und Weise veränderte, vermutlich nicht.
Ein Abschluss wird auch das Urteil vor dem Kölner Landgericht für die Angehörigen von Avin (10) und Luis Paulo (25) nicht sein. Im juristischen Sinne ja, aus emotionaler Sicht nicht. Möglicherweise wird es dies nie sein können. Was kann es Schlimmeres für Eltern geben, als ihr Kind zu verlieren – zumal wenn es erst viel zu wenig Zeit gehabt hat, sein Leben zu leben?
Angehörige ertrugen den Prozess oft nur unter Tränen
Allergrößten Respekt verdienen die Eltern der beiden bei dem Unfall in Hürth Getöteten. Über viele Stunden haben Valas und Jochims als Nebenkläger den Prozess gegen den 21-jährigen Fahrer des Unfallwagens verfolgt, haben die Schilderungen der Zeuginnen und Zeugen oftmals nur unter Tränen ertragen können. Dabei haben sich die beiden Familien, die das Schicksal, die Unachtsamkeit und die Fahrlässigkeit eines Menschen zusammengeführt hat, immer wieder gegenseitig getröstet und gestützt.
Und dennoch bleibt es für sie und für die meisten Beobachter des Verfahrens unbegreiflich, dass wenige Sekunden ausreichten, ihren beiden Kindern das Leben zu nehmen. Umso bemerkenswerter klingen da die Worte von Marcus Jochim vor Beginn des Prozesses: „Wir empfinden Liebe für unseren Sohn, aber keinen Hass für den Fahrer.“ Er wünsche sich, „dass dieser junge Mann die Chance bekommt, sein Leben neu zu ordnen, seinen Rucksack neu zu packen – um noch etwas richtig Gutes aus seinem Leben zu machen“.
Das ist Größe im Moment des größten Leids.
