Die hoch gewachsene Vegetation auf dem Grünstreifen vor der Ampelfurt sorgt für Kritik. Der Landesbetrieb sieht keine Beeinträchtigung der Sichtverhältnisse.
Nach tödlichem UnfallErneute Debatte über Sicherheit auf der Frechener Straße in Hürth

Ins Kraut geschossen ist der Bewuchs auf dem Grünstreifen im Bereich der Unfallstelle an der Frechener Straße.
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Fast ein Jahr nach dem tödlichen Unfall auf der Frechener Straße in Hürth wird erneut über die Verkehrssicherheit diskutiert. In sozialen Netzwerken und gegenüber dieser Redaktion wird Kritik an den Sichtverhältnissen an der Querungsstelle vor der Theresienhöhe laut. Der hohe Bewuchs auf dem Grünstreifen zwischen Fuß- und Radweg sowie Fahrbahn stelle eine Gefahr dar, lautet der Vorwurf. Der Landesbetrieb Straßen NRW weist das zurück. Querende und wartende Fußgänger seien weiterhin gut sichtbar. Der Unfall sei auch nicht auf schlechte Sichtverhältnisse zurückzuführen gewesen.
Vor knapp einem Jahr war ein 20-jähriger Autofahrer in eine Gruppe von Grundschülern und Begleitpersonen gefahren, die die Frechener Straße an der Ampel bei Grün und in Warnwesten überquert hatten. Die zehnjährige Avin und der 25-jährige Schulbegleiter Luis starben später im Krankenhaus. Der Fahrer muss sich derzeit vor dem Landgericht in Köln unter anderem wegen fahrlässiger Tötung verantworten.
Hürth: Unfallfahrer wird vor Gericht fahrlässige Tötung vorgeworfen
Ein von der Unfallkommission des Rhein-Erft-Kreises veranlasstes Sicherheitsaudit kam zu dem Ergebnis, dass nach Einschätzung der Gutachter individuelles Fehlverhalten und nicht mangelhafte Sichtverhältnisse Ursache für den Unfall gewesen seien. Auch diese Frage ist Gegenstand des laufenden Gerichtsverfahrens. Eine Polizeibeamtin hatte an jenem 4. Juni 2025 die Höhe des Grases gemessen: Stellenweise stand es einen Meter hoch.
Diese Höhe erreicht die Vegetation auf dem Grünstreifen nahe der Querungsstelle auch jetzt wieder, kritisiert ein Leser. Dadurch seien die Sichtverhältnisse für alle Verkehrsteilnehmer „extrem eingeschränkt“. Die Kreuzung sei eine „riesige Gefahrenstelle“, meint der Hürther, vor allem für kleine Kinder. Er wirft dem Landesbetrieb vor, den Bewuchs nicht häufig genug zurückzuschneiden.
Straßenbehörde sieht keine Beeinträchtigung der Sicht in Hürth
Straßen NRW möchte das nicht so stehen lassen. Der Landesbetrieb führe wöchentlich Kontrollfahrten im gesamten Streckennetz durch, teilte Behördensprecher Torsten Gaber auf Anfrage mit. „Sollten Sicherheitsdefizite festgestellt werden, so werden diese kurzfristig, falls möglich bereits während der Kontrollfahrt, behoben.“
Der Landesbetrieb sieht aktuell keine Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit durch den Bewuchs. „Die Sichtbeziehungen sind gut, querende Fußgänger können vom fließenden Verkehr problemlos wahrgenommen werden“, so Gaber. „Wartende Fußgänger an der roten Fußgängerampel sind vom vorbeifahrenden Verkehr aus ebenfalls gut zu erkennen.“
Anpassung der Ampelschaltung in Hürth steht immer noch aus
Grundsätzlich werde das Straßenbegleitgrün an Landes- und Bundesstraßen zweimal im Jahr zurückgeschnitten, so Gaber – einmal im Frühjahr und einmal im Herbst. Bei Bedarf werde im Sommer ein weiterer Rückschnitt vorgenommen. „Sichtfelder werden von Straßen NRW häufiger als nur zweimal jährlich gemäht, wenn dies aufgrund der Witterungsbedingungen und aus Verkehrssicherheitsgründen erforderlich ist.“
Im Bereich der Frechener Straße sei der letzte Rückschnitt Ende Oktober/Anfang November erfolgt. Der nächste Mähdurchgang an der L92, zu der auch die Frechener Straße gehört, sei für die letzte Maiwoche vorgesehen. Die Stadt Hürth teilte auf Anfrage mit, sie halte einen zeitnahen Rückschnitt für sinnvoll.
Als Ergebnis des Sicherheitsaudits wurde inzwischen auf der Frechener Straße zwischen Sudetenstraße und Theresienhöhe die zulässige Geschwindigkeit von 70 auf 50 Stundenkilometer reduziert. Eine Anpassung der Ampelschaltung steht noch aus. Die Stadt erklärte dazu, sie habe dem Landesbetrieb am 30. März eine verkehrsrechtliche Anordnung mit der Bitte um Umsetzung geschickt. Behördensprecher Gaber bestätigt den Eingang. Es habe technische Rückfragen gegeben, die inzwischen geklärt seien. Eine Fachfirma solle die Ampel nun „zeitnah“ neu programmieren.
