Serie „Mein Lieblingsplatz“Ingrid Ahlers entspannt auf der Bank am Bürgergarten in Hürth

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Das Foto zeigt eine Frau auf einer Bank.

Die Bank am Bürgergarten ist der Lieblingsplatz von Ingrid Ahlers.

Heute nennt die Initiatorin der Omas gegen Rechts Hürth den Ort „die Geburtsecke“ vieler ihrer Ideen für Aktionen der bundesweiten Bewegung.

Der Lieblingsplatz von Ingrid Ahlers ist unscheinbar. Eine dunkelbraun lackierte Holzbank. Am Rande einer Grünanlage, die auf den ersten Blick kaum als Garten zu erkennen ist. Und ein Lieblingsplatz unter Hochspannungsleitungen. Hautnah hat die Efferenerin die jahrelangen Auseinandersetzungen um den Bau und schließlich die Errichtung Anfang 2022 miterlebt.

Von ihrer Wohnung unweit der Trasse konnte sie zusehen, wie die Türme hochgezogen wurden. Da ahnte sie noch nicht, dass einige Monate später genau dort ihr Lieblingsplatz entstehen würde: die Bank am Bürgergarten. Heute nennt die Initiatorin der Omas gegen Rechts Hürth den Ort „die Geburtsecke“ vieler ihrer Ideen für Aktionen der bundesweit wachsenden Graswurzelbewegung.

Hürth: Ein nettes Gespräch ist immer möglich

Die Bank bietet der ehemaligen Sozialarbeiterin eine willkommene Gelegenheit für eine Pause, wenn sie im nahegelegenen Discounter eingekauft hat und den Rückweg nach Hause antritt. Und die Pächter der Parzellen im Bürgergarten freuen sich, der kleinen Frau mit den weißen Haaren zu begegnen. Weil ein nettes Gespräch immer möglich ist. Sei es über das naturnahe Gärtnern, die angrenzende Neubausiedlung mit den Straßennamen von Widerstandskämpfern gegen die NS-Diktatur oder was sich in Hürth Interessantes tut. Aber auch für Passanten, die beim Plaudern so viel Vertrauen zu der 78-Jährigen fassen, dass sie ihr Herz ausschütten, hat die langjährige Mitarbeiterin in der Obdachlosenhilfe eines Klosters ein offenes Ohr.

Neuerdings geht Ingrid Ahlers mit einem Stapel postkartengroßer Infoflyer in der Tasche aus dem Haus. Denn zusammen mit ihrer Tochter Bernadette Smail hat die dreifache Mutter und fünffache Großmutter das Computerprogramm „Klara Klartext“ entwickelt. Die KI-Assistentin hilft, Hass, Hetze und Falschmeldungen im Internet zu entlarven und liefert ebenso für analoge Gespräche Argumente gegen rechtsextremistische Gedanken. Die Nutzung ist gratis, doch kostet der Chatbot die Betreiberinnen Gebühren, die sie aus dem privaten Geldbeutel zahlen müssen.

das Foto zeigt einen Bürgergarten.

Der Bürgergarten ist im Grünstreifen unter den Hochspannungsleitungen zwischen Efferen und Hermülheim zu finden.

Seit „Klara Klartext“ im März in Hürth an den Start ging, machen bundesweit Oma-Gruppen und andere Bildungsinitiativen auf die Plattform aufmerksam und spenden vereinzelt kleine Beträge, weitere sind willkommen. IT-Experten in Ingrid Ahlers‘ Bekanntenkreis beeindruckte die Initiative so sehr, dass sie unentgeltlichen Support anboten, vor allem in Sicherheitsfragen.

Um Klara Klartext ein menschliches Gesicht zu geben, kreierte die Erfinderin eine digitale künstliche Person, einen sogenannten Avatar. Der erste Entwurf kam bei Ingrid Ahlers jedoch gar nicht gut an: „So bieder und mit Dutt sieht keine von uns Hürther Omas aus“, kritisierte sie. Deshalb bearbeitete die Tochter, die in der über 6000 Kilometer entfernten kanadischen Metropole Toronto lebt, Fotos der rund 20 Aktiven mit Künstlicher Intelligenz. Unter der Vorgabe, davon die beste Version eines Avatars zu generieren. Jetzt gefiel das Ergebnis Mutter Ingrid. Dass der Avatar ihr ähnlich sieht, merkte sie allerdings erst, als andere sie darauf aufmerksam machten.

Auf dem Handy leistet Klara Klartext seit ihrer Geburt Ingrid Ahlers virtuelle Gesellschaft, wenn sie auf der Bank am Bürgergarten von alltäglichen Besorgungen ausruht. So ist der Lieblingsplatz für die Hürtherin über die Pause im Grünen hinaus ein Ort des Krafttankens im unermüdlichen Einsatz für die Demokratie und die allgemeinen Menschenrechte geworden.


So geht die Serie weiter

Für die eine ist es der Friedhof, für den anderen ein Sportplatz oder ein verstecktes Wegekreuz – ganz individuell fällt die Wahl des Lieblingsplatzes im Kreis aus. In jeder Ausgabe während der Sommerferien stellen wir mit der Serie „Mein Lieblingsplatz“ einen Ort in den zehn Kommunen vor, der für einen Menschen eine besondere Bedeutung hat, und laden zur Entdeckungstour ein. In unserem nächsten Serienteil, der am 5. August erscheint, zeigt uns Christoph Mödder seinen Lieblingsplatz am Gillbach in Bergheim. (red)