An den insgesamt drei Kontrollstationen in Hürth und Brühl registrierte die Polizei mehr als 50 Handyverstöße.
Mit Handy am Ohr erwischtPolizei zog Fahrer in Hürth bei großer Kontrollaktion aus dem Verkehr

Die Polizei fischte auch Verkehrsteilnehmer aus dem Verkehr, die so wie Frank Engels ihr Nummernschild nicht ordnungsgemäß am Fahrzeug befestigt hatten. Die meisten Autofahrer zeigten sich einsichtig.
Copyright: Margret Klose
Autofahrer Gerhard Frobel (85) zeigte sich einsichtig, als er am Donnerstagvormittag (16. April) auf der Luxemburger Straße in Hürth-Efferen stadteinwärts von der Polizei aus dem Verkehr gefischt wurde: „Okay – ich habe was falsch gemacht und kriege jetzt die Rechnung.“
Die Kontrolle war eine von drei Kontrollstationen an diesem Tag im Rhein-Erft-Kreis zum Thema „Ablenkung im Straßenverkehr“. Sie ist zudem Bestandteil einer Aktion, die auf Kreisebene zunächst für zwei Wochen angedacht ist. „Wir wollen bei den Verkehrsteilnehmern ein Bewusstsein dafür schaffen, wie gefährlich zum Beispiel die Handynutzung am Steuer ist“, erklärte der Erste Polizeihauptkommissar Paul Eisenbarth.
Viel zu oft müssten seine Kollegen inzwischen Unfälle aufnehmen, bei denen die Fahrer von ihrer Fahrspur abgekommen sind – mal gerieten sie in den Gegenverkehr, mal aber auch rechts in die Böschung. „Wir haben eine achtprozentige Steigerung von Verunglückten, die in Verbindung mit Ablenkung stehen“, erklärte Eisenbarth.
Hürth: Polizeibeamte speziell für die Gurt- und Handyverstöße postiert
Genau das erzählte der erfahrene Polizeibeamte auch einigen Verkehrsteilnehmern, die seine Kollegen wegen Handy am Ohr bei der Kontrollaktion anhielten. Grundsätzlich fanden die meisten Verkehrsteilnehmer diese Kontrollen auch vollkommen in Ordnung. „Eine solche Kampagne gibt ja auch mir als Autofahrer ein sichereres Gefühl“, meinte ein 21-jähriger Autofahrer. Seit vier Jahren habe er nun den Führerschein. „Und ich wurde bisher ja erst zweimal kontrolliert“, merkte er an.
Für Frobel war es das erste Mal, dass er beim Telefonieren am Steuer erwischt wurde. „Dafür muss ich jetzt auch geradestehen“, sagte er. Mehr noch als über den Punkt in Flensburg und über die 100 Euro Geldstrafe ärgerte er sich allerdings über den Zeitverlust, die ihn diese Kontrolle kostete. „Ich komme jetzt viel zu spät bei meinem Kunden an“, sagte er.
Damit stand er keineswegs alleine. Etliche Autofahrer schienen es mehr als eilig zu haben. „Ich habe gar keine Zeit“, sagten viele. Auch der 21-Jährige erwähnte vor allen Dingen die vertane Zeit. Der junge Mann zählte zu den Verkehrsteilnehmern, die von der Polizei nach dem Zufallsprinzip aus dem Verkehr geholt wurden. „Wir sind zum Frühstück bei Freunden eingeladen und wir möchten sie nicht warten lassen“, erklärte er.
Hürth: Mehr als 50 Handyverstöße an den drei Kontrollstellen
Speziell für die Gurt- und Handyverstöße hatten die Polizeibeamten einige Hundert Meter von der Kontrollstelle entfernt an der Luxemburger Straße weitere Kollegen postiert, die von ihrer Position zwar nicht gesehen wurden, wohl aber eine ziemlich gute Sicht direkt in die vorbeifahrenden Fahrzeuge hatten. Über Funk informierten sie dann die Beamten an der Kontrollstelle: „Linke Hand am Handy“, lautete zum Beispiel der Funkspruch. Oder: „Fahrer und Beifahrer nicht angeschnallt.“
Wegen eines Handyverstoßes wurde so auch ein Lkw-Fahrer aus dem Verkehr geholt, der zwar für ein deutsches Unternehmen unterwegs war, jedoch in Deutschland keinen festen Wohnsitz hat. „Ich fahre international“, erklärte er. Das Bußgeld musste er direkt zahlen. Wie ein Polizeibeamter erklärte, gebe es auf EU-Ebene bisher noch kein Abkommen unter den Ländern, das es möglich macht, Punkte wie die in Flensburg auf EU-Ebene zu verteilen. „Man arbeitet aber auch dafür an einer einvernehmlichen Lösung“, merkte Eisenbarth an.
Wie die Polizei mitteilt, stellten die Beamten an den Kontrollstellen auf der Luxemburger Straße und der Sudentenstraße in Hürth sowie im Brühler Stadtgebiet mehr als 50 Handyverstöße fest. Sie leiteten in allen Fällen Ordnungswidrigkeitenverfahren ein.
Darüber hinaus registrierte die Polizei 20 weitere Verstöße, beispielsweise gegen die Gurtpflicht. In einem Fall bestehe der Verdacht, dass die Person unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln gefahren ist.
