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Giftmüll im Hambacher Forst
RWE muss Altlast wohl doch nicht sanieren

Vom Winde verweht sind Planen, mit denen die Altlast im Hambacher Forst abgedeckt wurde.

Vom Winde verweht sind Planen, mit denen die Altlast im Hambacher Forst abgedeckt wurde.

Kerpen-Buir – Die Altlast „Ehemalige Edelhoff-Deponie“ im Hambacher Forst wird wohl auch in den kommenden Jahrzehnten dort liegen bleiben. Denn jetzt hat sich auch das Land dahingehend geäußert, dass die ursprünglich geplante und schon begonnene Sanierung des Geländes gestoppt wird. Statt das kontaminierte Bodenmaterial weiter abzutragen, wird es nun wohl lediglich durch eine wasserdichte Tonschicht oder eine Plane nach oben abgedichtet.

Schon im November hatte das Unternehmen RWE entsprechende Pläne im Kerpener Umweltausschuss vorgestellt, die dort aber auf Proteste stießen. Nun antwortete NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart im Landtag auf eine Kleine Anfrage der grünen Abgeordneten Wibke Brems zum Thema: „Giftmüll im Hambacher Wald“.

So begründet das Wirtschaftsminister Pinkwart die Entscheidung

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In der Antwort heißt es, dass es keine Notwendigkeit mehr „zur vollständigen Beräumung des in Rede stehenden Grundstücks von schadstoffbelastetem Bodenmaterial“ gebe, da der Wald schließlich nun auch nicht mehr wegen des Tagebaus abgebaggert werden solle.

Es müsse allerdings gewährleistet werden, dass von der Altlast dauerhaft keine Gefahren ausgingen. Bodenschutzrechtlich gesehen kommen für eine Sanierung – außer der Beseitigung der Schadstoffe – auch Sicherungsmaßnahmen in Frage, um das Ausbreiten der Schadstoffe zu verhindern. „Die Bewertung, ob mit einer im konkreten Falle vorgesehenen Sanierungsmaßnahme die entsprechenden bodenschutzrechtlichen Verpflichtungen hinreichend erfüllt werden, obliegt der zuständigen Bodenschutzbehörde.“ Bis Anfang 2022 könne die Sanierung so abgeschlossen werden.

Altlast im Hambacher Forst: Wibke Brems macht dem Land Vorwürfe

Brems wirft dem Land nun vor, nicht „klar Stellung zu beziehen“ und die Verantwortung auf die Bodenschutzbehörden abschieben zu wollen. Noch im März 2019 habe die Regierung Laschet die klare Erwartung an RWE formuliert, die begonnene Sanierung der Altlast im Hambacher Wald wie beantragt und genehmigt abzuschließen. Es dürfe bei der Sanierung nun keine „Sparvariante“ geben, die lediglich eine „Abdichtung“ vorsehe, sagt Brems. Die Gewinninteressen von RWE würden ansonsten vor die Interessen der Bevölkerung gestellt.

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Wie berichtet, ist die Altlast im Wald nicht von RWE verursacht worden. Bis 1985 haben dort zwei Firmen gearbeitet und den Boden verunreinigt. Die Unternehmen gingen dann pleite. Für das Gelände wurde die Stadt Kerpen verantwortlich, die es umzäunen und mit einer Plane abdecken ließ. Rund 30 Jahre dauerte dieser Zustand. Dann war die Stadt froh, das verseuchte Gelände mit dem Vordringen des Tagebaus an RWE abgeben zu können. RWE begann 2018 mit der Sanierung des rund 5000 Quadratmeter großen Areals, welches bis in zehn Meter Tiefe mit PCB verunreinigt ist. Rund 80 Prozent des belasteten Materials – insgesamt 26.000 Kubikmeter – sind schon fachgerecht entsorgt worden. Im Oktober 2019 wurde die Sanierung aber wieder gestoppt, nachdem klar wurde, dass der Hambacher Wald nun dort nicht abgebaggert wird.

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