Als die Fahnder im Juni zuschlugen, wurde gerade in der Drogenküche gekocht. Prozess gegen vier Angeklagte beginnt in wenigen Wochen.
Hofanlage in Manheim-altErste Anklagen nach Festnahmen im Kerpener Drogenlabor

Zollfahnder haben ein großes Labor für synthetische Drogen in Kerpen am 4. Juni 2025 ausgehoben. Jetzt wird vier Angeklagten der Prozess gemacht.
Copyright: Zollfahndungsamt Essen/dpa
Zoll, Polizei und Europol haben vergangene Woche wieder mehrere illegale Drogenlabore ausgehoben. Diesmal waren es 24 Objekte, in denen überwiegend synthetische Drogen hergestellt wurden. Ein Ausmaß, das es noch nie zuvor gab. Kerpen spielte dabei eine nicht unwesentliche Rolle.
Im Rahmen der monatelangen Ermittlungen schlugen die Fahnder auf einem Hof im verlassenen Stadtteil Manheim-alt bereits im vergangenen Sommer zu. Wie die Staatsanwaltschaft Köln und das Landgericht Köln jetzt bestätigten, liegen die ersten Anklagen bereits vor. Noch in diesem Quartal, so Landgerichtssprecher Dr. Hans Logemann gegenüber dieser Zeitung, soll vier Beschuldigten der Prozess gemacht werden.
Vier Männer angeklagt, darunter auch der Haupttäter
Angeklagt sind ein 45-jähriger Niederländer, ein 47-Jähriger aus Kirgisistan mit deutschem Pass, ein 43-jähriger Pole und ein 35 Jahre alter Mann aus Moldawien. Die Anklage lautet auf die Herstellung und den Handel von Drogen in nicht geringen Mengen. Die Angeklagten hatten unterschiedliche Aufgaben, die aber alle im Zusammenhang mit dem Betreiben eines illegalen Großlabors von synthetischen Drogen und dem Handel der hergestellten Drogen stehen sollen.
Alles zum Thema Polizei Köln
- Am Holocaust-Gedenktag Stolpersteine in Kölner Innenstadt mit weißer Flüssigkeit übergossen
- Kurioser Diebstahl Indigener Schädel an Kölner Uni wieder aufgetaucht
- Angriffe am Hauptbahnhof Polizei sucht nach Attacke auf fünf Reisende nach Zeugen und Opfern
- In Decathlon-Tüte Gestohlener Schädel an der Universität Köln wieder aufgetaucht
- Schockanruf in Overath Seniorin übergibt Bargeld und Schmuck an Betrüger

Dieses vom Zollfahndungsamt Essen zur Verfügung gestellte Foto zeigt einen Blick in ein illegales Drogenlabor zur Herstellung von Amphetaminen. Zoll und Bundespolizei haben das Großlabor ausgehoben, vier Verdächtige kamen in Untersuchungshaft.
Copyright: Zollfahndungsamt Essen/dpa
Als Haupttäter gilt ein 45-jähriger Niederländer. Er soll der Kopf der Kerpener „Drogenküche“ gewesen sein. Über einen Zeitraum von etwa sechs Monaten sollen auf dem verlassenen Hof im Umsiedlungsort Kerpen-Manheim-alt die Drogen gemischt und zubereitet worden sein. Die Ermittler sprechen von einer professionellen Anlage zur Produktion von insgesamt 1,8 Tonnen Amphetamin. Die fertigen Drogen sollen anschließend nach Holland transportiert und dort vertrieben worden sein.
Chemikalien von Polen nach Kerpen gebracht
Die benötigen Substanzen zur Herstellung der synthetischen Drogen soll der 43 Jahre alte Pole in seinem Heimatland besorgt haben. Er soll auch den Transport von Polen nach Kerpen organisiert und die Lieferungen der Chemikalien in Kerpen angenommen haben.
Einer aus dem Quartett hatte nach Aktenlage den Hof in Manheim-alt angemietet. Der 35-Jährige sowie die 47-Jährige sollen auf dem rund 1500 Quadratmeter großen Hof in die Produktion der Drogen in Form von Hilfstätigkeiten eingesetzt gewesen sein. Außerdem sollen beide beim späteren Handel der Substanzen geholfen haben.
Rückblick: 4. Juni 2025 - Hofanlage Kerpen-Manheim-alt
In den frühen Morgenstunden am Mittwoch, 4. Juni, schlugen die Beamten von Zoll und Polizei zu. Sechs Objekte in Kerpen, Elsdorf, Euskirchen und Hückelhoven wurden im Juni zeitgleich durchsucht, 24 Personen vorläufig festgenommen. Etwa 30 Liter Amphetaminbase und 60 Liter Rohbase zur Herstellung der Drogen seien beschlagnahmt worden, außerdem sechs Schusswaffen (darunter eine Kriegswaffe) und Munition, fast 30.000 Euro Bargeld und 40 Tonnen Abfallprodukte.
Das Labor sei „hochprofessionell“ gewesen, erklärte die Zollfahndung damals. Zum Zeitpunkt der Razzia seien gerade Amphetamine hergestellt worden. Aus den 40 Tonnen Abfallprodukten könnte nach vorsichtiger Schätzung der Ermittler etwa eine Tonne Amphetaminbase hergestellt worden sein. Der Wert der damals beschlagnahmten Drogen liege geschätzt in Millionenhöhe, hieß es damals.
2300-Liter-Reaktor zur Herstellung von Amphetaminbase
„Allein der im Labor festgestellte aktive Reaktor hat ein Fassungsvolumen von 2300 Litern, womit eine Herstellung von Amphetaminbase im hohen dreistelligen Kilogrammbereich möglich ist“, erklärte Thorsten Eickelberg für das Zollfahndungsamt im Sommer.
Bereits seit April 2025 hatten die Ermittler die Tatverdächtigen im Visier. Observationen, Telefonüberwachungen und die Zusammenarbeit mit weiteren Behörden waren dem Zugriff vorangegangen. Nach den Durchsuchungen in Kerpen und den übrigen Orten erlangten die Fahnder weitere Informationen. Das Netzwerk der Kriminellen war noch weitaus größer, als die Ermittler zunächst dachten.
Gemeinsam mit Europol und Sicherheitsbehörden aus Polen, Belgien, den Niederlanden, Tschechien sowie Spanien deckten die Ermittler am Freitag, 16. Januar 2026, europaweit 24 illegale Drogenlabore auf, nahmen beim zeitgleichen Zugriff 85 Personen fest, stellten Hunderte Tonnen Chemieabfälle, tonnenweise 4-CMC (Designerdroge), Amphetamin, MDMA (Ecstasy) und andere synthetische Drogen sicher. Die meisten der festgenommenen Personen sollen aus Polen stammen. Die Chemikalen sollen von China und Indien aus nach Polen gebracht worden sein. Von dort wurden sie weiterverteilt – auch nach Kerpen-Manheim-alt.

