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Kerpen Blau-WeißKunstrasenplatz wäre im Jahnstadion in Kerpen laut Lärmgutachten zu laut

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Das Foto zeigt einen Aschenplatz, auf dem Fußball gespielt wird.

Die Fußballer des Vereins Blau-Weiß Kerpen spielen immer noch auf Asche.

Der Sport-Ausschuss empfahl, die Sportstätte doch an das Europagymnasium anzugliedern. Der Bau sei nun mit hoher Priorität anzustoßen.

Seit 16 Jahren wartet der Sportverein Blau-Weiß Kerpen auf einen neuen Kunstrasenplatz. „Wir waren die ersten in der Stadt, die darum gebeten haben. Mittlerweile haben uns andere Vereine mit den Modernisierungen längst überholt. Horrem und Manheim haben längst ihre Kunstrasenplätze und wir spielen nach wie vor auf Asche“, berichtet der Erste Vorsitzende Michael Seidel.

Der Frust sei groß, richtig groß. Aktuell sei nur der Hartplatz bespielbar, da auf dem Rasenplatz noch Arbeiten anstünden. Hinzu kämen die maroden Umkleiden und zahlreiche altersbedingte Schäden auf der Anlage, wie abgeplatzte Steinfliesen auf der Tribüne. Dabei sei der Verein kompromissbereit: „Wir haben immer gesagt, wir brauchen erstmal nur die neuen Plätze, um zu spielen. Alles andere kann folgen. Aber so, wie es jetzt ist, verliere ich meine Mitglieder“, beklagt Seidel.

Kerpen: Immer mehr Mitglieder wechseln den Verein

Vor allem ältere Sportler hätten keine Lust mehr, auf Asche zu spielen. „Mir haben schon ältere Mitglieder gesagt, sie gehen, weil sie einmal in ihrem Leben auf Kunstrasen spielen wollen. Was soll man da noch sagen? Dagegen kann ich gar nichts sagen, das ist völlig nachvollziehbar“, erzählt der Vorsitzende des Vereins.

Der Knackpunkt sei die geplante Anbindung an das neue Europagymnasium. Nicht zuletzt wegen stetig steigender Kosten ziehen sich die Planungen seit Jahren – und damit wartet auch Blau-Weiß Kerpen weiter auf seine neue Sportstätte.

Damit beschäftigte sich jüngst auch der Ausschuss für Sport, Freizeit und Kultur in Kerpen. Die Stadtverwaltung hatte ein Lärmgutachten in Auftrag gegeben, um zu prüfen, ob eine Installation eines Kunstrasenplatzes auch am derzeitigen Standort im Jahnstadion möglich wäre. Das Ergebnis lässt jedoch wenig hoffen.

Gutachter erwarten intensivere Nutzung des Kunstrasenplatzes

Die Stadtverwaltung teilte im entsprechenden Beschlussentwurf mit: „Da ein Kunstrasenplatz im Vergleich zu einem Naturrasenplatz deutlich intensiver genutzt werden kann, ist davon auszugehen, dass es infolge der Sanierung sowohl durch die erhöhte Nutzungsintensität als auch durch den prognostizierten Mitgliederzuwachs zu einem gesteigerten Spielbetrieb kommen wird.“ Darum sei nicht auszuschließen, dass die zulässigen Höchstwerte überschritten werden.

Die Ausschussmitglieder empfahlen einstimmig, dass auf dieser Grundlage die ursprüngliche Planung, die Sportstätte an das Europagymnasium anzugliedern, mit hoher Priorität zu verfolgen sei. „Der Verein braucht jetzt eine klare Perspektive“, sagte Ralph F. Löhr (CDU): „Die Situation duldet keinen Aufschub.“

CDU und SPD hatten sich bereits im Voraus mit entsprechenden Stellungnahmen an die Redaktion gewandt. „Auch wenn das Ergebnis des Gutachtens nicht wirklich überraschend ist, bringt es nun endlich ein Stück weit Klarheit. Die Planungen und die Umsetzung der Sportanlagen am neuen Gymnasium müssen nun unverzüglich wieder aufgenommen und vor dem Schulneubau umgesetzt werden. Das Gutachten kam viel zu spät und hat zu weiteren Verzögerungen geführt. Wir können uns aber keine weiteren Verzögerungen mehr erlauben, hier steht die Zukunft eines der traditionsreichsten Vereine Kerpens auf dem Spiel“, so Andreas Nagel, Sprecher der SPD-Fraktion für Sport, Freizeit und Kultur.

Der Beschlussentwurf sieht vorerst Kosten von 16,6 Millionen Euro für das Projekt vor. Sowohl seitens der Politik als auch der Verwaltung wurde der Wille geäußert, diese Summe noch deutlich zu verringern.

Michael Seidel sagte nach der Sitzung: „Wir sind zufrieden mit dem Ergebnis. Allerdings warten wir nun schon wirklich lange und haben allerhand Entwicklungen miterlebt. Wir hoffen einfach, dass wir zeitnah einen Kunstrasenplatz erhalten. Wenn das noch fünf Jahre so weitergeht, dann fürchte ich, habe ich keine Mitglieder mehr.“