Die Bürokratie war herausfordernd – lange Wartezeiten zwischen den Anträgen und wenig Möglichkeiten, Prozesse parallel voranzutreiben.
Selbstständigkeit26-jähriger Pulheimer gründet Heizungs- und Sanitärmeisterbetrieb

Nils Winter hat sich selbstständig gemacht und bietet viele Dienstleistungen im Bereich Heizung und Sanitär an.
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Die Branche wird oft abwertend mit einer simplen Aufzählung beschrieben, die bei Gas und Wasser beginnt. Für Nils Winter war dennoch früh klar, dass er genau hier arbeiten will. „Ich habe nach dem Abitur ein Praktikum gemacht und wusste sofort, dass ich in dem Bereich bleiben möchte“, sagt der 26-Jährige, der heute Vater einer kleinen Tochter ist.
Pulheim: Enorme Doppelbelastung
Sein Weg in den Beruf verlief zielstrebig: Auf das Abitur folgte nach dem Praktikum direkt die Ausbildung im Sanitär- und Heizungsbereich. Schon früh entschied sich Winter, den nächsten Schritt zu gehen, und absolvierte parallel zu seiner regulären Tätigkeit die Meisterschule in der Abendschule. Das bedeutete über mehrere Jahre hinweg eine enorme Doppelbelastung – zeitlich wie finanziell.
„Das war schon gut, dass ich da die Unterstützung meiner Familie hatte“, sagt er rückblickend. Seit dem 16. März ist Winter selbstständig. Er hat sein eigenes Gewerbe angemeldet und einen Heizungs- und Sanitärmeisterbetrieb gegründet. Die wirtschaftliche Lage in Deutschland hat ihn dabei nicht abgeschreckt.
Manchmal muss man einfach anfangen
Dabei ist die Situation durchaus angespannt: Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist zuletzt auf den höchsten Stand seit 2014 gestiegen. Die Kritik aus der Wirtschaft an der aktuellen Regierung wächst – die Enttäuschung ist groß. In Nordrhein-Westfalen gab es rund 15 Prozent mehr Firmenpleiten als im Vorjahr. Laut einer Umfrage des Ifo-Instituts sieht aktuell jedes zwölfte Unternehmen seine Existenz gefährdet.
Gleichzeitig wurden im vergangenen Jahr jedoch auch mehr Firmen gegründet, rund 70 Prozent im Nebenerwerb. „Es gibt nie den perfekten Zeitpunkt“, sagt Winter. „Manchmal muss man einfach anfangen.“ Die größte Herausforderung bei seiner Gründung sei die Bürokratie gewesen: lange Wartezeiten zwischen Anträgen und wenig Möglichkeiten, Prozesse parallel voranzutreiben.

Tagsüber ist der Jungunternehmer auf Baustellen im Einsatz.
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„Ich hätte am liebsten direkt losgelegt“, sagt er. Auch auf seinen Firmenwagen musste er nach der Anmeldung noch einen Monat warten. Die Branche selbst erweist sich als stabil. In Nordrhein-Westfalen gibt es heute nur geringfügig weniger Sanitärbetriebe als vor zehn Jahren. Auch die Zahl der bestandenen Meisterprüfungen bleibt mit jährlich über 300 konstant hoch. Gleichzeitig ist die Nachfrage groß.
„Man kommt kaum hinterher“, sagt Winter. Das hat Vorteile: Der Konkurrenzdruck ist vergleichsweise gering, stattdessen entstehen häufig Kooperationen zwischen Betrieben. Für junge Unternehmer ist das ein günstiger Einstieg. So arbeitet auch Winter weiterhin gelegentlich als Subunternehmer für den Betrieb, in dem er seine Ausbildung absolviert hat.
Der Alltag ist fordernd
Sein Leistungsspektrum ist breit: „Vom tropfenden Wasserhahn bis zum Rohrbruch übernehme ich alles.“ Dass er sich selbstständig machen wollte, stand für ihn früh fest. „Sonst bleibt man dauerhaft Geselle“, sagt Winter. Inzwischen treibt ihn vor allem seine Familie an. „Ich mache das für meine Familie“, sagt er.
Der Alltag ist fordernd: Tagsüber ist er auf Baustellen im Einsatz, danach nimmt er sich Zeit für seine Familie, bevor er abends noch Büroarbeit erledigt. Ohne die Unterstützung seiner Frau wäre das nicht möglich. Sie arbeitet weiterhin als Erzieherin. Beide sind überzeugt, dass sich die Anstrengung lohnt.
Auch beim Unternehmensauftritt hat Winter nichts dem Zufall überlassen. Gemeinsam mit einer Werbeagentur entwickelte er ein Logo, das nun seine Visitenkarten und den Firmenwagen ziert. Es zeigt einen Eisbären – eine Anspielung auf seinen Nachnamen. Zudem wurde eine Website erstellt.
Aktuell arbeitet er daran, seine Auffindbarkeit in Suchmaschinen zu verbessern. „Es kommen ständig neue Aufgaben dazu“, sagt Winter. Dennoch blickt er nach einem gelungenen Start optimistisch in die Zukunft – trotz der weiterhin schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Es gilt wie schon zu Beginn: einfach mal anfangen.
