Öffentliche Banken und private Investoren wollen den Start-up-Standort Rheinland mit Millionen an Eigenkapital fördern. Nach fünf Jahren legt die Firma Neoteq ihren zweiten Gründerfonds auf.
GründerszeneNRW-Bank und Sparkassen legen Start-up-Fonds auf

Das Logo der NRW-Bank. Die Förderbank des Landes beteiligt sich an Star-up-Fonds.
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Die gute Idee und die richtigen Leute sind in der Regel der Nukleus einer Neugründung. Doch bei vielen dieser Start-ups scheitert es nach der Gründung an einem ganz anderen elementaren Ding: Dem Geld. Und da gibt es ein kniffliges Problem. Denn Investments in Start-ups sind für den Geldgeber äußerst riskant.
In den ersten fünf Jahren liegt die Misserfolgsquote bei rund 50 Prozent. Die kritischste Phase ist dabei oft nicht das erste Jahr, sondern das zweite bis fünfte Jahr, in dem Unternehmen versuchen zu skalieren und profitabel zu werden. Entsprechend schwer ist es, in dieser wichtigen Phase an Geld zu kommen. Insbesondere, da es nicht um einen gut besicherten Kredit geht, sondern eben um Eigenkapital, mit dem Risiko, bei einem Scheitern alle eingesetzten Mittel unwiederbringlich zu verlieren.
Erster Fonds startete 2020
Um diesen Engpass zu mildern, haben die Fondsmanager B.J. Park und Simon Schneider vor fünf Jahren ihren ersten Start-up-Fonds mit dem Namen Neoteq aufgelegt. Mit einem Fondsvolumen von 40 Millionen Euro ging der Kölner Risikokapitalgeber Neoteq Ventures 2020 an den Start. Der Fonds richtet sich an Unternehmen mit Technologie-Fokus in einer frühen Gründungsphase. Ihren Sitz hat der kleine Spezialfonds am Kölner Hohenzollernring.
„Unser Ziel war und ist, für Start-ups aus dem Rheinland erster Ansprechpartner zu werden, wenn es um das Thema Venture-Finanzierung geht“, sagt B.J. Park im Interview mit unserer Redaktion. Der erste Fonds, Neoteq 1 genannt, läuft nun turnusgemäß aus.
Bislang 17 Start-ups finanziert
An 17 Start-ups im Rheinland beziehungsweise NRW ist Neoteq 1 beteiligt. „Sieben Firmen sitzen in Köln, eine jeweils in Brühl und Leverkusen, der Rest verteilt sich über Nordrhein-Westfalen und Deutschland“, sagt Park. Eine der Firmen ist inzwischen insolvent, eine weitere wurde abgewickelt, die 15 übrigen aber sind noch wirtschaftlich aktiv und teils stark gewachsen. Im Vergleich zur allgemeinen Ausfallquote bei Start-ups ist man also überdurchschnittlich gut unterwegs. 1200 Investmentanfragen bekommen B.J. Park und seine Kollegen jährlich. Ihre Aufgabe ist es, die renditestärksten und erfolgversprechendsten Start-ups auszuwählen.
Hauptgeldgeber war die NRW-Bank, zu den Investoren gehörten aber auch die Kreissparkasse Köln, die Sparkasse Köln-Bonn, die Stadtsparkasse Düsseldorf sowie die Dax-Konzerne Henkel und Deutsche Telekom.
Die NRW-Bank ist die staatliche Förderbank des Landes Nordrhein-Westfalen mit Sitz in Düsseldorf und Münster. Im Auftrag des Landes fördert sie Vorhaben in Bereichen wie Wirtschaft, Wohnungsbau, Infrastruktur und Klimaschutz. Im Gegensatz zu klassischen Geschäftsbanken (wie Sparkassen oder privaten Banken) tritt die NRW-Bank nicht in direkter Konkurrenz am Markt auf. Die Vergabe von Fördergeldern erfolgt in der Regel über Ihre normale Hausbank (etwa Sparkasse oder Volksbank), die den Antrag weiterleitet.
Die NRW-Bank positioniert sich erneut als Ankerinvestor mit einem Investment von zehn Millionen Euro
Nun legt das kleine Kölner Venture-Capital-Unternehmen den Folgefonds Neoteq 2 auf. Der neue Fonds hat ein Zielvolumen von 50 Millionen Euro. Wieder dabei als Investor ist die NRW-Bank. „Die NRW-Bank positioniert sich erneut als Ankerinvestor mit einem Investment von zehn Millionen Euro“, sagt Johanna Tjaden-Schulte, Mitglied des Vorstands der NRW-Bank. In ihren Verantwortungsbereich fallen die Bereiche Eigenkapitalfinanzierungen, Förderberatung- und -strategie sowie Spezialfinanzierungen.
50 Prozent des Zielvolumens wurden bereits im April erreicht. „Statt eines klassischen Neustarts steht die zweite Fondsgeneration vor allem für Kontinuität, gewachsenes Vertrauen und eine belastbare Investmentstrategie im Rheinland“, sagt B.J. Park.
„Das wiederholte Engagement unterstreicht unser Vertrauen in die Leistungsfähigkeit des Fondsmanagements sowie in die bisherige Entwicklung“, sagt Tjaden-Schulte. Die Idee hinter dem Engagement der Förderbank: Insbesondere das Rheinland zu einer attraktiven Region zur Gründung von Start-ups aufzubauen. Denn Berlin lag viele Jahre in der Gründerszene vor Städten wie Köln oder Düsseldorf. Die Neoteq-Fonds sollten und sollen dieses Defizit minimieren.
„Ziel ist es, erneut 20 bis 25 erfolgversprechende Start-ups auszumachen“, sagt Park. So seien am Ende 40 bis 50 Start-ups in der Region unter den Fittichen von Neoteq und dessen Geldgebern. „Die ersten Ankerinvestoren sollen weitere Geldgeber anlocken“, sagt Tjaden-Schulte.
Neben den Ankerinvestoren NRW-Bank, Kreissparkasse Köln und Sparkasse Köln-Bonn beteiligen sich Firmen, Family Offices und Privatinvestoren am Fonds. „Der hohe Anteil an Bestandsinvestoren unterstreicht das Vertrauen in die Performance und den Ansatz von neoteq ventures“, sagt Johanna Tjaden-Schulte.
