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Aufgebrachte NachbarnFerienwohnungen sorgen für Ärger in Pulheim-Dansweiler

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Das Bild zeigt einen Mann, der mit einem Schlüssel eine Wohnungstür aufschließt.

In Pulheim-Dansweiler gibt es Ärger in der Nachbarschaft, weil in einem Haus mehrere Wohnungen immer nur kurzzeitig vermietet werden. 

Zur Kundschaft gehören etwa Touristen, Handwerker oder auch Sportgruppen. Nachbarn führen nun Buch über die Feriengäste.

Christian Schauff hat sich alles akribisch notiert: Wann sind die Gäste angekommen? Wie viele waren es? Wurde abends eine lautstarke Party veranstaltet? Wurde die Straße zugeparkt? „Beim Ordnungsamt hat man mir gesagt, ich müsse Buch führen. Das mache ich seit einem halben Jahr“, berichtet der 74-jährige Rentner, der mit seiner Frau Elfie in der Straße Am Blauen Stein 4 in Pulheim-Dansweiler wohnt.

Ihr Problem: Gleich nebenan hat ein Investor zwei Häuser aufgekauft und zu Ferienwohnungen umgebaut. Über die einschlägigen Portale wie Airbnb, Booking.com oder andere können diese nun etwa von Touristen oder Handwerkern für kurze Aufenthalte angemietet werden. Das Angebot kommt bei den Nutzern an, wie aus den Bewertungen der Ferienwohnungen im Internet zu entnehmen ist:

Pulheim: Ein ständiges Kommen und Gehen

„Wir waren mit vier Erwachsen und drei Kindern in der Ferienwohnung und haben uns sehr wohlgefühlt. Die Wohnung war sauber, ordentlich und gut ausgestattet“, schreibt etwa dort eine Teresa. Vijai, ein weiterer Kurzzeitmieter, lobt den „guten Service“. Saijjal will mit seiner Familie „bald gerne wiederkommen“.

Weniger begeistert von den Ferienwohnungen ist das Ehepaar Schauff: Christian Schauff hat ausgerechnet, dass in den verschiedenen Appartements in den beiden Häusern insgesamt 68 Menschen übernachten können, wenn es nach der Beschreibung der Wohnungen im Internet gehe. „Man hat fast jede Woche dort eine Party“, berichtet Elfie Schauff. Es gebe nun ein ständiges Kommen und Gehen in der Straße. Auch nachts würden Gäste mit ihren Rollkoffern anreisen.

Das Bild zeigt ein Doppelhaus in der Straße Am Blauen Stein.

In diesen beiden nebeneinanderliegenden Häusern in der Straße Am Blauen Stein in Dansweiler gibt es acht Ferienwohnungen. Das sorgt für Ärger in der Nachbarschaft.

Da es anscheinend für jedes Appartement dort einen Holzkohlegrill gebe, werde auch ständig gegrillt. „Der Rauch zieht dann in unseren Garten.“ Schon öfter habe man wegen der Belastungen Polizei und Ordnungsamt angerufen, aber ohne nachhaltigen Erfolg. 1976 hat das Rentnerpaar in der Straße gebaut. Nun fühle man sich dort nicht mehr wohl und denke ans Wegziehen. 

Der Investor und Betreiber der Ferienwohnungen wohnt gleich in der Nähe um die Ecke. Gerd Dresen ist Geschäftsführer der Blauen Stein Verwaltungs GmbH. Das Unternehmen betreibt zwölf möblierte Ferien- und Monteurswohnungen. Zehn davon befinden sich in Dansweiler, darunter acht am Standort Am Blauen Stein. Zwei weitere Wohnungen liegen in den umliegenden Orten.

Touristen, Handwerker und Sportgruppen

Zur Kundschaft gehören etwa Touristen, Handwerker oder auch Sportgruppen, erzählt Dresen. Er leiste damit auch einen Beitrag zur örtlichen Wirtschaftskraft. „Die Besucher kaufen vor Ort ein, besuchen Bäckereien und Restaurants, nutzen Tankstellen, öffentliche Verkehrsmittel und andere Dienstleistungen.“ Zudem bestehe sein Geschäftsmodell darin, ältere sanierungsbedürftige Immobilien aufzukaufen und zu modernisieren.

„Dadurch erhalten wir vorhandene Bausubstanz und tragen zu einem gepflegten Orts- und Straßenbild bei.“ Ihm sei klar, dass der Betrieb von Ferienwohnungen insbesondere durch An- und Abreise von Anwohnern als Belastung empfunden werden könne. Deshalb habe er für die Unterkünfte strenge Hausregeln erlassen, deren Einhaltung soweit wie möglich kontrolliert würden. „Partys und Veranstaltungen sind untersagt.“

Entscheidend ist, dass Beschwerden ernst genommen, überprüft und erkennbare Verstöße konsequent abgestellt werden
Gerd Dresen, Investor und Betreiber der Ferienwohnungen

Ab 22 Uhr ist die Nachtruhe einzuhalten; dies gilt insbesondere für Gärten, Terrassen, Hauseingänge und Außenbereiche.“ Er setze technische Lärmsensoren ein, um den Geräuschpegel kontrollieren zu können. Bei Regelverstößen könnten die Gäste sanktioniert, ihr Aufenthalt womöglich sogar vorzeitig beendet werden. Leider ließen sich aber gelegentliche Beeinträchtigungen nicht vollständig ausschließen.

„Entscheidend ist, dass Beschwerden ernst genommen, überprüft und erkennbare Verstöße konsequent abgestellt werden.“ Auch Christian Schauff will keinen Streit in der Nachbarschaft. Schuld an der Misere sei die Stadt Pulheim, meint er. Diese habe es einfach „verpennt“, rechtzeitig durch einen Schutzsatzung die Umwandlung von normalen Wohnhäusern in Ferienwohnungen zu erschweren. Andere Städte, etwa Köln und Münster, machten dies schon länger.

Kurzzeitvermietung ist nicht zu verhindern

Bei der Stadt Pulheim selber gibt es zu dem Problem nur eine kurze offizielle Erklärung: „Die Errichtung und die Umnutzung von Unterkünften zur Kurzzeitvermietung in der Ortsmitte von Dansweiler ist bau- und planungsrechtlich nicht zu verhindern, da dort ein Mischgebiet festgesetzt ist“, heißt es darin. In einem Mischgebiet ist im Gegensatz zu einem reinen Wohngebiet auch Gewerbe erlaubt.

Der Außendienst der Stadt kontrolliere regelmäßig in der Straße Am Blauen Stein mit Blick auf mögliche Parkverstöße, heißt es weiter bei der Stadtverwaltung. Zudem überlege man, wie zukünftig die Umnutzung von Wohnungen in Ferienwohnungen mit Blick auf den angespannten Wohnungsmarkt erschwert werden kann.

 Christian Schauff hat in der Nachbarschaft Unterschriften gesammelt, damit die Stadt sich mit dem Thema beschäftigt: „Innerhalb von drei Stunden kamen 44 Unterschriften zusammen.“ Zuletzt habe er seine Aufzeichnungen und Klagen auch mit Politikern vor Ort erörtert. Mit dabei war der CDU-Stadtverordnete Tim Ingenhaag.

Wie dieser sagt, sei das Problem mit den Ferienwohnungen in Dansweiler schon länger bekannt, werde nun aber „immer intensiver“. Er sei sich mit Ratskollegen auch aus anderen Fraktionen einig, dass dies nun „geregelt werden“ müsse. Ingenhaag fordert eine Wohnraumschutzsatzung auch für Pulheim, wobei aber unklar ist, inwieweit diese auch rückwirkend gelten könne.