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Jäger rettet vieleWarum Rehe immer wieder in den Pulheimer Randkanal stürzen

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Immer wieder müssen ausgewachsene Rehe aus dem Kölner Randkanal zwischen Frechen und Köln-Worringen geborgen werden.

Immer wieder müssen ausgewachsene Rehe aus dem Kölner Randkanal zwischen Frechen und Köln-Worringen geborgen werden. 

Es passiert immer wieder: Hunde wittern eine Fährte, schnüffeln zuerst – und im nächsten Augenblick heben sie die Nase in den Wind und laufen los, dem Duft folgend, beziehungsweise dem flüchtenden Wild. Wenn die Vierbeiner dann auf die Rufe ihrer Halter nicht mehr regieren, ist schnell vom Tatbestand der Wilderei die Rede – dann nämlich, wenn der Hund die Fährte eines Wildtieres aufgenommen hat und hinter ihm herhetzt. „Und Wilderei ist eine Straftat“, sagt Arndt Maaßen.

Er kennt sich aus. Er ist selbst Jäger und Landwirt für Ackerbau. Sein Jagdrevier ist in Roggendorf, im Umkreis seines landwirtschaftlichen Betriebs unmittelbar an der Grenze zum Rhein-Erft-Kreis. Seine Anbauflächen reichen sogar weit ins Stadtgebiet Pulheim und Sinnersdorf hinein – bis an den Kölner Randkanal.

Pulheim: Flucht führt über Straßen oft auch in den Randkanal

Dieser künstlich angelegte Entwässerungsgraben zwischen Frechen und Köln-Worringen hat Maaßen schon viele Nerven gekostet. Alleine in den vergangenen sechs Wochen habe er bereits zehn ausgewachsene Rehe aus dem Kanal gerettet. Bei den Versuchen, sich selber aus dem Kanal zu befreien, hätten sich zwei der Tiere derart schwer verletzt, dass Maaßen sie nach der Rettung erlösen musste.

Die Ränder des Kanals seien einfach zu steil und zu glatt für die Hufe der Rehe, im Fachjargon Schalen genannt. „Rehe sind Fluchttiere“, erklärt er. Kopflos laufen sie los – fluchtartig weg von der Gefahr. Dabei führt die Flucht auch über Straßen und viel zu oft in den Randkanal.

Er habe schon Rehe aus dem Kanal befreit, die sich die Gelenke an den Beinen derartig aufgescheuert hatten, dass ihr Fell und die Sehnen weg und die Knochen bereits abgeschliffen waren, berichtet Maaßen. Irgendwo zwischen Pulheim und Sinnersdorf vermutet er wieder eine Lücke – eine undichte Stelle in der Umzäunung. „Wir haben auf Kölner Stadtgebiet bereits jeden Meter der Zäune auf beiden Seiten des Kanals kontrolliert“, erklärt er. „Aktuell wird seitens der Betreiber auch geprüft, ob eine oder mehrere Aussteigehilfen gebaut werden könnten. Das sei immer mal wieder Thema in all den Jahren gewesen.

Das verängstigte Tier lässt sich beruhigen.

Das verängstigte Tier lässt sich beruhigen.

Seit 2001 lebe er in Kanalnähe und seit dieser Zeit habe er gefühlt schon 50, wenn nicht sogar schon 100 Rehe aus dem Kanal gezogen. Von seinem Schwiegervater weiß er aber auch, dass bereits vor seiner Zeit immer mal wieder Rehe und auch Wildschweine von Hunden bis in den Kanal gehetzt worden seien. Dabei sei auch die Rettung nicht ohne. „Die Strömung im Kanal ist extrem – die kann auch einen erwachsenen Mann wegreißen“, sagt Maaßen.

Groß sei auch das Risiko von Verletzungen, wenn etwa ein ausgewachsener Bock mit Geweih seinen Kopf in Panik hin- und herwirft oder mit den Beinen strampelt. „Aber meistens merken die Tiere, dass wir ihnen helfen – dann werden sie ganz ruhig.“

Pulheim:  Maaßen kann nicht nachvollziehen, wie Hundehalter Wildtieren solche Qualen antun können

Als Hundehalter weiß er natürlich auch, dass die Tiere frei laufen wollen und müssen. „Zurzeit gehören die Hunde allerdings bei den Spaziergängen durch Wald und Flur generell an die Leine“, sagt er. Schließlich sei Brut- und Setzzeit: „Und alle Hunde, die nicht aufs Wort gehorchen, die auf Kommando nicht sofort stehen bleiben, müssen in Landschaftsschutzgebieten und Naturschutzgebieten rund ums Jahr an die Leine.“

Die Leinenpflicht gelte auch auf den Feld- und Wirtschaftswegen bis zu 1000 Metern links und rechts des Randkanals. Arndt Maaßen kann auch nicht nachvollziehen, wie Hundehalter Wildtieren solche Qualen antun können. Jedes dieser geretteten Tiere sei in irgendeiner Weise verletzt und müsste mitunter auch behandelt werden.

Parallel zu den Rettungsaktionen setzt Maaßen deswegen auf Aufklärung. Kreisübergreifend spricht er die Hundehalter an und stößt oft auf großes Verständnis. „Doch es gibt auch Wiederholungstäter“, sagt er. Ihnen rät er, sich besser nicht von ihm erwischen zu lassen: „Das könnte eine Anzeige wegen Wilderei geben, und die kann richtig teuer werden.“


In den 1950er-Jahren wurde der Kölner Randkanal von den Vorgängerfirmen der RWE-Power AG gebaut. An den Planungen und am Bau beteiligt war auch der ehemalige Landkreis Köln (heute Rhein-Erft-Kreis).

Der Kanal leitet das abgepumpte Grundwasser aus den Tagebauen der RWE Power AG ab und sorgt bis heute dafür, dass große Teile des westlichen und nordwestlichen Kölner Umlands sowie des Rhein-Erft-Kreises entwässert werden. Betreiber ist der Zweckverband Kölner Randkanal. Die Mitarbeiter haben auch den Zaun am Kanal im Blick, der Menschen und Tiere vor der Gefahr schützen soll. (mkl)