Neue Hinweistafeln informieren über den Lebensraum auf Wiesen und Feldern und die Gefahren für dort lebende Tiere durch frei laufende Hunde.
Tiere und Felder schützenLandwirte in Rhein-Erft appellieren an Hundehalter

Die ersten Schilder haben die Landwirte (v.r.) Martin Richrath, Michael Schumacher, Jörg Hoffsümmer und Thomas Neissel gemeinsan aufgehängt.
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Förster kennen das Problem und Landwirte auch: Freilaufende Hunde. Immer wieder appellieren sie an die Halter, ihre Tiere nicht frei laufen zu lassen – weder vom Waldweg ins Unterholz noch über die bestellten Felder oder die hohen oder abgemähten Wiesen. Denn auch dort leben Tiere, die durch die Hunde aufgeschreckt, gestört und sogar getötet werden können.
„Und wirklich appetitlich ist es auch nicht, wenn die Hunde ihr Geschäft über den wachsenden Lebensmitteln machen“, merkte der stellvertretende Kreislandwirt Martin Richrath an. Zusammen mit seinen Berufskollegen Jörg Hoffsümmer, Michael Schumacher und Thomas Neissel traf er sich jetzt in Erftstadt-Konradsheim, um dort am Feldrand ein neues Hinweisschild aufzustellen.
Rhein-Erft: Landwirte wollen Hundehalter sensibilisieren
Dabei steht weniger der Hundehaufen im Mittelpunkt, sondern die Tiere die in Felder und Wiesen zu Hause sind. „Felder sind Lebensraum“, lautet die gemeinsame Botschaft von Landwirten und Naturschützern. Die Kreisstelle der Landwirtschaftskammer, der Rheinische Landwirtschaftsverband, die Naturschützer von BUND und Nabu Rhein-Erft haben gemeinsam mit der Biologischen Station Bonn/Rhein-Erft und Kreis ein Projekt entwickelt.
Ein halbes Duzend dieser Schilder hatte Richrath auch direkt für seine Erftstädter Kollegen mitgebracht. Sie sollen nun überall im Kreis an geeigneter Stelle aufgestellt werden. „Wir wollen nicht mit dem erhobenen Zeigefinger mahnen“, sagte Richrath. Mit der Information auf den Schildern hoffen die Initiatoren vielmehr die Hundehalter zu sensibilisieren, damit sie ihre Hunde nicht mehr auf Felder laufen lassen.
Hunde töten oft ungewollt
Ziel ist, die im Feld lebenden Tiere zu schützen. Denn viele von ihnen reagieren empfindlich auf Störungen – selbst wenn Hunde nur kurz frei laufen. „Hunde töten oft ungewollt“, ist auch auf den Schildern zu lesen: Hasen zum Beispiel könnten sogar vor Schreck an einem Herzinfarkt sterben.
Entwickelt wurde die Aktion am Runden Tisch: „Förderung der Biodiversität in der Agrarlandschaft des Rhein-Erft-Kreises.“ Schon seit 2017 arbeiten dort Vertreter aus Landwirtschaft und Naturschutz zusammen, um die Agrarlandschaft im Rhein-Erft-Kreis als Lebensraum für seltene und schützenswerte Arten wie Feldlerche, Feldhamster, Rebhuhn, Grauammer und auch den Feldhasen zu erhalten und ihre Bestände langfristig zu sichern.
Austausch mit den Bürgern
„Dazu gehören auch die Maßnahmen wie Blühstreifen, Ernteverzichtsflächen und extensiv bewirtschaftete Bereiche, die wertvolle Lebensräume schaffen und erhalten“, erklärte Richrath. Die Hinweisschilder „Felder sind Lebensraum“ seien nun ein weiterer Baustein im Gesamtkonzept.
Doch nur zu gut wissen Richrath und seine Kollegen auch, dass Schilder alleine nur selten zu einer Bewusstseinsveränderung der Bürger führen. Ganz bewusst suchen sie deswegen häufiger das Gespräch. So wie am Montagabend, als sie beim Aufstellen eines der Schilder mit einer Hundehalterin ins Gespräch kamen, die ihren Vierbeiner ohne das geringste Unrechtbewusstsein über Hoffsümmers frisch gemähte Wiese laufen und dort schnüffeln ließ.
Das kann sogar richtig teuer werden
„Wie, Lebensraum für Tiere? Die Wiese ist doch gemäht?“ Die Hundehalterin wirkte irritiert. Wirklich nachvollziehen konnte sie die Sorge der Landwirte zunächst nicht. Und sie schien nicht zu verstehen, dass in den Zeiten der Vegetation auch für ihren Hund solche Flächen generell tabu sind. „Das kann sogar richtig teuer werden“, erklärte Richrath.
Um mit ihrem Vierbeiner im Gelände zu trainieren war sie aus Blankenheim gekommen, andere Hundehalter hatten sich sogar von aus Aachen auf den Weg nach Erftstadt gemacht. Erst vor ein paar Tagen hatte Hoffsümmer dort seine Wiese gegenüber dem Erdbeerfeld von Michael Schumacher gemäht.
Und ganz bewusst hatte er das Gras großzügig rund um die Hecken und Büsche auf dem Gelände stehenlassen. „An solchen Stellen brüten um diese Jahreszeit oft Bodenbrüter“, erklärte er. Auch die Gelege von Rebhühnern habe er in solchen „grünen Inseln“ auf seinen Wiesen schon entdeckt. Außerdem: „Ich mache aus dem Gras Heu – und ich habe auch ein Problem damit, wenn die Hunde ins Gras machen“, versuchte Hoffsümmer der Hundehalterin zu erklären.
Wenn das beschmutzte Gras in die Heupresse gerate, könne ein einziger Hundehaufen einen, mitunter sogar zwei Ballen Heu versauen. „Die Pferde fressen kein Heu, in das Hunde gemacht haben“, so Richrath. Schrecklich sei auch, dass immer mehr dieser Hundebeutel aus Plastik gefüllt mit Kot auf den Feldern und Wiesen der Landwirte landeten. „Da fehlt es vielleicht einfach an Respekt vor der Arbeit anderer und an Wertschätzung vor der Arbeit in der Landwirtschaft“, meinte Thomas Neissel.
