Aus Sicht des Handwerks hat sich seit einem Brandbrief im September 2025 nichts zum Positiven gewendet. Das sieht der Netzbetreiber anders.
Klagen über schleppende ProzesseCDU-Politiker Seif schaltet sich in Streit um Westnetz in Rhein-Erft ein

Die Branche boomt. Doch mitunter kommen die Netzbetreiber den Aufträgen nicht hinterher.
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Im September 2025 hatten wir über den Frust der Elektro-Installateure im Rhein-Erft-Kreis berichtet: Sie beklagten, dass der Ausbau von Photovoltaikanlagen stocke. Aus ihrer Sicht dafür verantwortlich: die Westnetz GmbH. Peter Ropertz, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, fand deutliche Worte: „Das ist inakzeptabel – gerade in Zeiten, in denen der Ausbau erneuerbarer Energien höchste politische und gesellschaftliche Priorität hat.“ 95 Prozent der seinerzeit befragten Mitgliedsbetriebe hatten angegeben, sie hätten Probleme mit Westnetz.
Eine Unternehmenssprecherin versuchte, nichts zu beschönigen: Tatsächlich gebe es bei Netzanschlussanfragen viel zu lange Bearbeitungszeiten. Sie machte aber Hoffnung, dass das Tempo verschärft werde: „Wir haben zusätzliche Kapazitäten zur Bearbeitung der Anfragen geschaffen, ein zentrales Koordinationsteam etabliert und die Einführung einer neuen digitalen Kundenplattform vorangetrieben.“
Kreishandwerkerschaft hat selber Probleme mit Westnetz
Nun, ein Dreivierteljahr später, stellt Ropertz für seine Mitgliedsbetriebe fest: „Die Entwicklung bei der Westnetz ist nicht besser geworden. Es gab einen Ansprechpartner aus einer ,Task Force‘. Damit schien es zunächst besser zu werden. Den gibt es aber wohl nicht mehr. Alle E-Mails an ihn werden einfach zurückgeworfen.“ Das Thema ist im Handwerk auch auf oberer Ebene angekommen, so fand kürzlich ein Austausch der Kreishandwerkerschaften aus NRW statt. Der Geschäftsführer kennt das Problem auch aus eigener Erfahrung: „Auch für unsere eigene Anlage in Erftstadt erhalten wir keine Rückmeldung oder einen Sachstand durch die Westnetz.“
Kürzlich hat sich der CDU-Bundestagsabgeordnete Detlef Seif eingeschaltet, nachdem er eigenen Angaben zufolge zahlreiche Beschwerden aus seinem Wahlkreis (Kreis Euskirchen sowie Brühl, Erftstadt und Wesseling im Rhein-Erft-Kreis) erhalten habe. Beklagt worden seien Verzögerungen beim Netzanschluss, Probleme beim Zählerwechsel, ausstehende oder nicht nachvollziehbare Abrechnungen sowie unregelmäßige oder ausbleibende Abschlagszahlungen im Zusammenhang mit Photovoltaikanlagen.

Peter Ropertz ist Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft im Rhein-Erft-Kreis.
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Detlef Seif waren zahlreiche Beschwerden von Betrieben und Bürgern zu Ohren gekommen.
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Er habe sich an das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und an die Bundesnetzagentur gewandt. Letztere habe strukturelle Schwierigkeiten bei Westnetz bestätigt und zugesagt, weiter auf Verbesserungen zu drängen und mit dem Unternehmen an Lösungen zu arbeiten. Nach Einschätzung der Bundesnetzagentur handele es sich nicht um bloße Einzelfälle, sondern um strukturelle Schwierigkeiten. Ursache seien unter anderem Probleme nach einer umfassenden IT-Umstellung bei Westnetz.
In einem Schreiben an Seif führt sie zudem aus, dass im Juli 2025 ein Aufsichtsverfahren wegen Verzögerungen bei der Auszahlung von Einspeisevergütungen eröffnet worden sei. Ende Mai 2026 habe das Präsidium der Bundesnetzagentur wegen der Dringlichkeit außerdem die Geschäftsführungen von Westnetz und Westenergie sowie Vertreter des Eon-Konzerns zu einem Gespräch nach Bonn gebeten. Ein Schreiben mit ähnlichem Wortlaut liegt der Kreishandwerkerschaft vor, nachdem sie sich im September 2025 hilfesuchend an die Netzagentur gewandt hatte.
Westnetz beseitigt eigenen Angaben zufolge Schwachstellen
Seif begrüßt, dass die Bundesnetzagentur die Probleme ernst nimmt und auf konkrete Verbesserungen drängt. Zugleich hofft er, dass die Betroffenen nun zügig spürbare Fortschritte erwarten dürfen: „Die Probleme sind seit langem bekannt. Entscheidend ist, dass Lösungen gefunden werden und die Kunden das Vertrauen zurückgewinnen. Es scheint, dass auch das Unternehmen bemüht ist, sich besser aufzustellen.“
Eine Westnetz-Sprecherin sagte auf Anfrage: „Westnetz beseitigt seit der Einführung im Sommer 2024 Schwachstellen, die andere Unternehmen im Energiesektor nicht mehr haben werden, und leistet somit Pionierarbeit für eine ganze Branche. Gleichzeitig haben wir zusätzliche Kapazitäten aufgebaut.“ Zudem werde der Rückstand bei den unerledigten Vorgängen weiter abgebaut. Außerdem seien ein Online-Beschwerdeformular eingeführt und die Erreichbarkeit der Hotline verbessert worden.
Zu guter Letzt hätten mehr als 20.000 Kunden, deren Daten vollständig vorliegen, eine vorläufige Einspeisevergütung erhalten, um finanzielle Nachteile abzufedern. Weiteren rund 22.000 Kunden sei diese Möglichkeit aktuell ebenfalls angeboten worden. Darüber hinaus sei ein Großteil der Abrechnungen für 2024 und 2025 inzwischen erstellt worden. In Fällen, in denen eine finale Abrechnung noch nicht möglich ist, seien vorläufige Abschlagszahlungen eingerichtet worden.
Um der Thematik mehr Gewicht zu verleihen, sei zudem im April das neue Westnetz-Ressort „Kunden“ unter Leitung von Geschäftsführerin Gudrun Alt gegründet worden. Sie sagt: „Es wäre unseriös zu behaupten, dass die Herausforderungen kurzfristig gelöst werden können. Mit dem Steuerungsstab schaffen wir die Voraussetzungen, um Entscheidungen schneller zu treffen, Ressourcen unternehmensweit zu bündeln und die Bearbeitung der Kundenfälle systematisch zu verbessern. Unser Anspruch ist es, die Kundenzufriedenheit schrittweise und nachhaltig wieder auf das Niveau zu bringen, das unsere Kundinnen und Kunden zu Recht von uns erwarten.“
Seif: Betroffene sollen sich direkt an die Netzagentur wenden
Die Kritik der Kreishandwerkerschaft weist die Unternehmenssprecherin zurück. Nach den Beschwerden der Elektro-Innung im Herbst 2025 habe Westnetz diese umgehend zu einem Gespräch eingeladen. Unter anderem seien „ausgewählte, schwierige Fälle zur Klärung mitgenommen“ worden. Auch auf anderen Ebenen befinde man sich in regelmäßigem Austausch. Zudem könnten die Unternehmen Westnetz mit einem Servicepartner deutlich besser erreichen. Dort würden Standardfragen wie beispielsweise die Anmeldung über die Website sofort geklärt, komplexere, technische Anfragen aufgenommen und von Fachleuten geklärt.
Der Bundestagsabgeordnete Seif rät Anlagenbetreibern, sich bei Problemen rund um Netzanschluss und Vergütung von EEG-Anlagen per E-Mail direkt an die Bundesnetzagentur zu wenden.
