Wir begeben uns in Köln auf die Suche nach den Straßen, die nach Städten aus dem Rhein-Erft-Kreis benannt sind – diesmal Südwesten.
Rhein-Erft-StraßennamenIn der Lechenicher Straße in Köln ist Musik drin

Die Lechenicher Straße in Köln-Sülz.
Copyright: Merle von Mach
Überall sind Gitarren. Große, kleine, dunkle, helle, in verschiedenen Formen und Gestaltungen. Im Gitarrenbauatelier von Felix Reuter ist viel los, es wird gesägt, geleimt und gehobelt. Späne rieseln auf den alten Terrazzoboden, an den Wänden hängt allerlei Werkzeug. Fünf Männer arbeiten konzentriert an den Werkbänken – mit dem Ziel, eine eigene Gitarre zu bauen.

Lehrling Johan Taxhit hat eine große Auswahl an Materialien, wenn es um die Gestaltung einer Gitarre geht.
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Einer von ihnen ist Johan Taxhet. Er ist Lehrling im Gitarrenbauatelier Felix Reuter, das sich an der Ecke zwischen Lechenicher Straße und Sülzburgstraße in Köln-Sülz befindet. „Ich habe mich in meinem Kommunikationsstudium irgendwann mit Selmer-Maccaferri-Gitarren beschäftigt, ein spannendes Modell. Irgendwann dachte ich: ‚Jetzt bau ich mal eine selbst‘“, erzählt Lehrling Taxhet.
Lechenicher Straße: Gitarrenbauer gibt Einblick in seine Arbeit und sein Atelier
So sei er auf Felix Reuter gestoßen, fing in einem Workshop an, eine Gitarre zu bauen, und wurde schließlich zum Lehrling. Nun ist er seit 1,5 Jahren im Sülzer Atelier tätig. „Für meine erste Gitarre brauchte ich ungefähr 200 Stunden. Normalerweise dauert es aber eher 100 Stunden“, sagt Johan Taxhet, während in der Werkstatt im Hintergrund fleißig weitergebaut wird. Taxhet habe während des Studiums gemerkt, dass ihm die Werkzeuge im Kommunikationsdesign nicht gefielen: „Da ist alles sehr schnelllebig, hier gefällt mir die Art der Arbeit besser. Ich mag die Routinen.“

Die Gitarre in Felix Reuters Atelier muss noch fertiggestellt werden, im Hintergrund arbeitet Johan Taxhit in der angrenzenden Werkstatt.
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Eine Gitarre zu bauen, bietet künstlerische Freiheiten. Nicht nur die Holzart, sondern die Form könne man selbst beeinflussen, ein wenig sogar den Klang, aber eben nie so ganz, wie Johan Taxhet erklärt: „Den Klang richtig planen kann man nicht, denn das Holz und die Finger machen den Ton.“
Besonders gut gestalten lässt sich wohl aber die Rosette um das Schallloch. Die Arbeit mit den feinen Intarsien, die um das Schallloch eingearbeitet werden, nimmt nicht nur rund 50 Stunden in Anspruch, sie ist auch feinste Handwerkskunst: Mehrere übereinander angeordnete Furniere schleift der Gitarrenbauer runter, es wird viel geleimt und zusammengesetzt, bis die kleinen Stücke endlich fertiggestellt sind. Aus dem zusammengesetzten längeren Stück lassen sich dann symmetrisch gleiche Teilchen ähnlich wie Brotscheiben absägen.
Köln: Ein Teil der Lechenicher Straße ist von Altbauten geprägt
Für neue Designs der Intarsien fertigt Inhaber Felix Reuter auch Zeichnungen mit seinen Ideen an. Die Furniere dafür liegen einsatzbereit im Holzlager, deren ehrlicher Geruch die Räumlichkeiten füllt.
In der Werkstatt im vorderen Teil baut Wolfgang Knechtges bereits an seiner fünften Gitarre. Er spielt das Instrument seit über 60 Jahren und hat am Selberbauen Gefallen gefunden. „Sowas selbst zu bauen, ist einfach toll. Nur das Ergebnis soll am Ende auch stimmen“, sagt Knechtges. Sie alle hier kennen die Gitarrenbauschulen und -arten wie die Wiener Schule. Doch an der Ecke der Lechenicher Straße baut man nach der spanischen Methode nach Antonio de Torres, der für den Gitarrenbau so etwas ist wie Antonio Stradivari für den Geigenbau.

In einem Altbau an der Ecke zur Lechenicher Straße befindet sich Felix Reuters Gitarrenbauatelier.
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Doch was macht den Reiz des Gitarrenbaus eigentlich aus? Für Felix Reuter ist die Antwort eindeutig: „Die handwerkliche Perfektion.“ Seit rund 20 Jahren betreibt Reuter sein Gitarrenbauatelier in Köln-Sülz, bietet Workshops zum Selberbauen von Gitarren an, daneben Reparaturen und Restaurierungen. „Die Menschen, die was wirklich Gutes haben wollen, kommen hierher“, sagt Reuter.
Hobbyspieler, Profis oder auch Sammler würden gerne Geld dafür ausgeben und das Handwerk einfach schätzen, ergänzt Johan Taxhit. Läden wie der von Felix Reuter seien eher eine Seltenheit, sogar aus Schweden, Norwegen oder Österreich seien schon Kunden gekommen. Doch auch Menschen aus der Nachbarschaft schauen manchmal ins Atelier rein. „Hier in der Nachbarschaft haben wir alle ein gutes Verhältnis“, erzählt Reuter.
Und tatsächlich, befragt man die Menschen in der Lechenicher Straße, zeichnet sich ein Bild einer freundlichen Nachbarschaft ab. „Die Menschen, die hier leben, sind nett, es ist sehr friedlich hier“, erzählt Marion Rölleke, die in der Lechenicher Straße lebt. Während ein Teil der Lechenicher Straße noch von Altbauten wie dem Geigenbauatelier geprägt ist, finden sich auch einige genossenschaftliche Bauten im Stil des Backsteinexpressionismus, der besonders während der 1920er und 1930er Jahre gebaut wurde.
Klassisch-modern, symmetrisch und sachlich. „Es ist eine typische Großstadtstraße, das Einzige, was fehlt, sind Bäume“, bemängelt ein Anwohner. Doch darüber lässt sich hinwegsehen, wenn beim Verlassen der Lechenicher Straße der Geruch von frisch gebackenen Kuchen durch die Straße strömt.
