Das Centre Franco-Allemand ist nicht kostendeckend zu betreiben. Der Pächter will den Vertrag kündigen.
PartnerschaftRhein-Erft-Kreis plant, seine Jugendbegegnungsstätte aufzugeben

Der Kreis erwägt, sich von seinem Centre Franco-Allemand in Guidel in der Bretagne zu trennen. Der Betrieb kann nicht kostendeckend geführt werden.
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Nach 55 Jahren deutet sich das Aus für die Jugendbegegnungsstätte des Rhein-Erft-Kreises an. 1971 im Auftrag des Altkreises Bergheim in Guidel in der Bretagne errichtet, ist das Centre Franco-Allemand (CFA) offenbar nicht mehr zu halten. Der Kreisausschuss entscheidet am Donnerstag, 25. Juni, ab 17 Uhr, in nichtöffentlicher Sitzung, ob er die außerordentliche Kündigung des Pächters zum Monatsende annimmt.
Dem Vernehmen nach wird der Kreisausschuss dem Vorschlag folgen – und zugleich auch darüber befinden, ob sich der Kreis wie von der Verwaltung vorgeschlagen gleich ganz von der Immobilie und dem 16.000 Quadratmeter großen Grundstück trennt. Ein Gutachten beziffert den Wert des Ensembles dank guter Lage auf eine mittlere einstellige Millionensumme. Das Haus ist nur 1,2 Kilometer vom Strand am Atlantik entfernt und von Einfamilienhäusern umgeben.
Rhein-Erft-Kreis: Pächter will sich zu Schwierigkeiten vorerst nicht äußern
„Solange der Kreis in der Frage noch nicht entschieden hat, möchten wir uns nicht dazu äußern“, sagt Robert Kampe, Generalsekretär der Gesellschaft für übernationale Zusammenarbeit (GÜZ) mit Sitz am Bodensee. Die „Defabre“, eine Tochter der GÜZ, hatte 2020 die Jugendbegegnungsstätte als Pächterin vom Kreis übernommen. Wegen der Corona-Pandemie, während der Gruppenreisen nicht möglich waren, war der Vertrag jedoch erst ab 2022 zum Tragen gekommen. Zunächst mit niedrigerer Pacht.

Ein Verkehrsschild am Centre Franco-Allemand zeigt die Distanz unter anderem zum „Erftkreis“ an.
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Ausgelegt war der Pachtvertrag auf 20 Jahre. Für den Kreis eine zunächst lohnenswerte Partnerschaft: Der jährliche Zuschussbedarf von im Schnitt etwa 300 000 Euro, etwa für Betriebskosten, Hausmeister und Wachdienst, wandelte sich dank der Pacht in ein kleines Plus. Zugleich behielt der Kreis für Schülerinnen und Schüler aus dem Kreisgebiet ein vertraglich zugesicherter Belegungsrecht.
Doch erreichten die Belegungszahlen offenbar nicht das Niveau, mit dem die Defabre die Jugendbegegnungsstätte, die 1030 Kilometer vom Kreis entfernt liegt, zumindest kostendeckend hätte betreiben können. Auch aus dem Rhein-Erft-Kreis kamen von den Schulen nicht die gewünschten Rückmeldungen zu den Ferienfreizeiten und Segelkursen in bilingualen Gruppen. Bereits bei der Vorstellung des Pachtvertrags hatte Kampe darauf verwiesen, dass „die Schulen wegen der Pandemie noch verunsichert“ seien – Besserung trat allerdings nicht ein.
Ins Bild passt, dass die 1984 mit einem Partnerschaftsvertrag besiegelte deutsch-französische Freundschaft zwischen dem Rhein-Erft-Kreis und dem Departement Morbihan, in dem Guidel liegt, seit vielen Jahren deutlich abgekühlt ist. „In den vergangenen Jahren haben wir uns mehrfach darum bemüht, den Kontakt auf französischer Seite wiederzubeleben und aktuelle Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner zu erreichen“, sagt Kreispressesprecher Thomas Schweinsburg.
Leider sei daraus bislang kein kontinuierlicher Austausch entstanden. „Nach unserer Einschätzung könnten veränderte Zuständigkeiten oder organisatorische Entwicklungen eine Rolle spielen. Der Rhein-Erft-Kreis steht einer Wiederaufnahme des Dialogs jederzeit offen und freundschaftlich gegenüber.“
