Laut Polizei gibt es eine hohe Dunkelziffer von Unfällen, bei denen Ablenkung durch das Handy eine Rolle spielt.
UnfallstatistikAn Rhein und Erft verunglücken immer mehr Kinder und Jugendliche auf E-Scootern

Ein Schulbegleiter und eine Schülerin kamen bei diesem Unfall im Juni vorigen Jahres ums Leben, als ein Auto in eine Schülergruppe fuhr. Die Polizei hat nun die Unfallstatistik für 2025 herausgegeben.
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Die Polizei im Rhein-Erft-Kreis hat im vorigen Jahr in nahezu allen statistisch erfassten Unfallkategorien eine Zunahme verzeichnet. Insgesamt aber ist die Zahl der Unfälle nur leicht gestiegen: von 11.944 im Jahr 2024 auf 12.093 im Jahr 2025. Das ist ein Plus von 1,2 Prozent. Zu Tode kamen dabei im vorigen Jahr sieben Menschen auf den Straßen des Rhein-Erft-Kreises. 2024 waren es neun Unfallopfer.
Besonders auffällig in der Statistik: eine deutliche Zunahme bei der Zahl der verunglückten Kinder bis 14 Jahren und der verunglückten Jugendlichen zwischen 15 und 17 Jahren. Bei den Kindern verzeichnet die Polizei ein Plus von 35,3 Prozent auf 226 Fälle, bei den Jugendlichen ein Plus von 18,3 Prozent auf 129 Fälle.
Rhein-Erft: Mehr E-Scooter im Verkehr bedeuten auch mehr Unfälle
Christian Rössler, Leiter der Direktion Verkehr, führt das unter anderem auf die Zunahme von E-Scootern und Pedelecs als Verkehrsmittel zurück. „Wir haben dort einen deutlichen Zuwachs an Mobilität“, sagt Rössler. „Immer mehr Kinder werden mit dem E-Scooter zur Schule geschickt, und viele fahren auch in ihrer Freizeit damit.“
Und das oftmals auch verbotenerweise, denn E-Scooter dürften erst ab einem Alter von 14 Jahren genutzt werden. „Für die Eltern kann das unangenehme Folgen haben. Es drohen ein Bußgeld von 90 Euro, 33,50 Euro Bearbeitungsgebühr und ein Punkt in Flensburg“, sagt Rössler. Was die Zahlen ebenfalls in die Höhe getrieben habe: „Viele Eltern fordern einen Unfallbericht an, weil sie das für Versicherungsfälle benötigen.“
Einen Rückgang der Zahlen hat die Polizei bei den verunglückten jungen Erwachsenen verzeichnet. Um 11,3 Prozent ging die Zahl im vorigen Jahr auf 220 zurück. Grund sei vermutlich auch, dass die Autos unter anderem dank der Fahrassistenzsysteme immer sicherer würden und so die Fahranfänger im Alter zwischen 18 und 24 Jahren besser geschützt seien. Zuwächse gab es hingegen bei den verunglückten Erwachsenen bis 64 Jahre (954 Fälle, plus sieben Prozent) und den verunglückten Senioren (271 Fälle, plus 5,9 Prozent).
Altersübergreifend stark angestiegen ist die Zahl der verunglückten E-Scooter-Fahrer, die von 66 auf 116 (plus 75,8 Prozent) förmlich explodiert ist. Rössler geht davon aus, dass es bei den Unfallzahlen im Zusammenhang mit E-Scootern und Pedelecs noch weiter steigende Zahlen in den nächsten Jahren gibt.
Ein Faktor, der in der Statistik kaum eine Rolle spielt, in der Realität aber wohl einen gehörigen Anteil am Unfallgeschehen hat, ist die Ablenkung durch das Handy oder Displays im Auto. „Wir hatten im vorigen Jahr gerade mal vier Menschen, die zugegeben haben, vor einem Unfall durch das Handy abgelenkt gewesen zu sein“, sagt Rössler. Einen möglichen Zusammenhang von Unfallursache und der verbotenen Nutzung von Geräten vermutet die Polizei jedoch bei 749 Unfällen im Jahr 2025. Im Jahr 2024 lag die Zahl noch bei 335. „Und es gibt eine hohe Dunkelziffer.“
Beim unveränderten Leitziel der Polizei, die Zahl der Verkehrstoten und Schwerverletzten so gering wie möglich zu halten, soll daher gezielt Präventionsarbeit zum Thema Ablenkung im Straßenverkehr und zum sicheren Umgang mit E-Scootern, Pedelecs und Fahrrädern geleistet werden. „Jeder einzelne Unfall ist schlimm“, sagte Landrat Frank Rock (CDU) bei der Vorstellung der Unfallstatistik. Die Statistik solle daher immer wieder darauf untersucht werden, welche Schwerpunkte in der Prävention gesetzt werden könnten.


