14 Gedenksteine erinnern in Wesseling an jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger – an Menschen, die Opfer des Nationalsozialismus wurden.
Erinnerung an Opfer des NS-RegimesGedenksteine in Wesseling: Stolpern über dunkle Vergangenheit

Stadtarchivarin Martina Zech berichtete von den Schicksalen der jüdischen Mitbürger.
Copyright: Margret Klose
Sie sind nur zehn mal zehn Zentimeter groß, und wenn die Sonne auf sie scheint, glänzen sie wie Gold: Stolpersteine. Ihrem Erfinder Gunter Demnig gefällt auch die Doppeldeutigkeit des Namens, weil er mit dem Stein stets ein gedankliches Stolpern bewirken kann. Außerdem müssten sich laut dem Künstler die Passanten mit jeder genaueren Betrachtung unwillkürlich vor den Steinen verneigen, wenn sie die Namen lesen wollen, die darauf stehen.
Erinnerung an die Menschen, die während des Nationalsozialismus verfolgt, deportiert und ermordet wurden
Stolpersteine erinnern an die Menschen, die während des Nationalsozialismus verfolgt, deportiert und ermordet wurden – sie markieren ihre letzten frei gewählten Wohnadressen. Zusammen mit seinem Team hat Gunter Demnig bis Ende 2024 über 116.000 Stolpersteine in Europa verlegt – Tendenz steigend. Nach Wesseling reiste der Künstler am 13. Dezember 2014, wo er zunächst acht Stolpersteine verlegte. Weitere sechs Steine folgten dann am 29. März 2017. „Jeder von ihnen steht für einen Menschen – für ein Schicksal und für einen Wesselinger“, betonte die Stadtarchivarin Martina Zech am Sonntag. Im Rahmen der jüdischen Kulturwochen des Rhein-Erft-Kreises hatte sie zu einem Rundgang zu den Stolpersteinen eingeladen.
Gemeinsam besuchten die Teilnehmer alle in Wesseling verlegten 14 Stolpersteine, die dort an die jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger erinnern – an Menschen, die Opfer des NS-Regimes wurden. Und das Interesse war groß: „Ich hatte eine Bekannte, die sogar einige der Menschen kannte, für die hier in Wesseling Stolpersteine verlegt wurden“, berichtete Teilnehmerin Barbara Richter. Ihr sei es sehr wichtig, die Erinnerungen an diese dunkelste Zeit der deutschen Geschichte wachzuhalten. „Man kann gar nicht oft genug und gerade in dieser heutigen Zeit an diese schrecklichen Verbrechen erinnern“, sagte sie.
Dem konnte auch Christine Völker-Rauser nur beipflichten. Auch sie machte sich am Sonntagnachmittag auf den Weg zu den Stolpersteinen, um mehr über die jüdischen Menschen und die Geschehnisse in ihrer Heimat zu erfahren. „So etwas darf nie wieder passieren“, sagte sie. Umso mehr bereite ihr die aktuelle politische Situation Sorgen. „Gerade in der heutigen Zeit muss man bei jeder Gelegenheit zeigen, wo man steht“, betonte Wesselings Bürgermeister Ralph Manzke am Rande der Veranstaltung. Auch er hatte sich der Gruppe angeschlossen.

Der Gedenkstein am Mahnmal.
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Es war mucksmäuschenstill, als Zech den Teilnehmern am Mahnmal in der Straße „Am Markt“ von der Synagoge, einst Zentrum jüdischen Lebens in Wesseling, erzählte. „Dort in etwa hat die Synagoge gestanden“, sagte sie und zeigte auf die schmucken Reihenhäuschen, die gegenüber dem Mahnmal stehen. Und dann schilderte sie die grauenhaften Geschehnisse, die sich am 10. November 1938 dort zugetragen haben – als die Synagoge und einige Wohnhäuser der Juden an der Kölner Straße, der Nordstraße, der Langgasse und Am Markt angezündet, demoliert und geplündert wurden. „Die jüdische Bevölkerung wurde verjagt und gedemütigt“, berichtete Zech. Sie mussten in den folgenden Monaten in die „Judenhäuser“ nach Köln ziehen, von wo aus sie bald in die Ghettos und Konzentrationslager deportiert und dort ermordet wurden.
Das Mahnmal in Wesseling erinnert an eine Rampe – auf ihr stehen die Namen aller aus Wesseling kommenden Opfer. „Die Steinblöcke neben dem Mahnmal sollen Güterwaggons darstellen“, erklärte Zech. Das Mahnmal wurde am 5. November 2006 enthüllt. „An derselben Stelle hatte die Stadt Wesseling auf Anregung des Vereins für Orts- und Heimatkunde bereits 1978, 40 Jahre nach der Pogromnacht, einen Gedenkstein aufstellen lassen“, erklärte Zech. Besonders an dem Mahnmal ist nicht nur, dass die Namen aller 21 bekannten Ermordeten darauf stehen. Auch an die unbekannten Opfer, die in Wesseling gelebt und gearbeitet haben und die dort zu Hause waren, wird erinnert. Hier sollen ihre Lebensgeschichten und ihr Leiden gegenwärtig sein. Und künftige Generationen, so hofft man, sollen lernen, Fragen zu stellen.
Junge und alte Bürgerinnen und Bürger der Stadt sind herzlich eingeladen zum „Gang des Gedenkens“ am 9. November um 18 Uhr. In Erinnerung an die Pogromnacht im November 1938 führt dieser Gedenkgang, beginnend an der Pfarrkirche St. Germanus, Bonner Straße 11, zum Mahnmal „Am Markt“ und endet auf dem jüdischen Friedhof an der Römerstraße. (mkl)
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