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Asbest und PCBWesselinger Schulen mit Gefahrenstoffen belastet

Lesezeit 3 Minuten
Im Käthe-Kollwitz-Gymnasium wurden Werte gemessen, die über dem Grenzwert liegen.

Im Käthe-Kollwitz-Gymnasium wurden Werte gemessen, die über dem Grenzwert liegen.

Wesseling – Ab Sommer 2019 sollte die elektrische Sanierung am Käthe-Kollwitz-Gymnasium und in der Wilhelm-Busch-Hauptschule des Schulzentrums stattfinden, um die Gebäude unter anderem mit schnellerem Internet auszustatten. Die Schulen sollten moderner, besser werden.

Nun sind diese Pläne erstmal auf Eis gelegt, denn die Schulen müssen erstmal von Gefahrstoffen befreit werden. Bei der Kontrollmessung für die anstehenden Baumaßnahmen kam heraus, dass das Schulgelände mit Asbest und Polychlorierte Biphenyle (PCB) belastet ist, teilweise mit deutlich erhöhten Werten.

Professor untersucht Einrichtungen

Universitätsprofessor Dr. Thomas Kraus vom Institut für Arbeitsmedizin, Sozialmedizin und Umweltmedizin der Aachener Uniklinik hat die gemessenen Werte bei der Informationsveranstaltung für Schüler, Lehrer und Eltern bewertet.

In Sachen Asbest konnte der Experte Entwarnung geben, da dieses in festgebundenem Material wie Spachtelmassen gefunden worden sein soll und dadurch keine Gesundheitsgefahr bestehe. Diese würde erst aufkommen, wenn der Asbest durch Bohrungen in die Luft gelangen und eingeatmet werden würde.

Gefahr für die Gesundheit

Anders ist es bei PCB, die in Dutzenden Räumen des Gymnasiums und der Hauptschule bereits aus den Fugen in der Luft nachgewiesen werden konnten. Diese können bei hohen Messwerten gesundheitsgefährdend sein.

Im Käthe-Kollwitz-Gymnasium wurden in neun Räumen des Keller-, Erdgeschosses, zweiten und dritten Geschosses Messwerte von über 3000 Nanogramm PCB pro Kubikmeter (ng/m³) gemessen. Der Experte erklärte, ab einem Messwert von über 3000 ng/m³ bestehe laut der PCB-Richtlinie für Nordrhein-Westfalen Handlungsbedarf, da akute Gesundheitsgefährdungen ab diesem Wert nicht mehr ausgeschlossen werden könnten.

Der Höchstwert des Gymnasiums wurde im Foyer im Erdgeschosses mit 5200 ng/m³ gemessen. In der Hauptschule wurde in acht von 13 Räumen ein PCB über 3000 ng/m³ gemessen, verteilt auf alle vier Stockwerke. Der Höchstwert von 5005 ng/m³ wurde im ersten Stockwerk gemessen. In der Realschule und im Zentralgebäude des Schulzentrums wurde bei keiner Messung ein PCB-Wert über 3000 ng/m³ festgestellt.

Auch PCB-Belastung nachgewiesen

PCB sind in einzelnen Räumen der Gebäude trotzdem nachgewiesen worden, wenn auch außer in zwei Räumen im Erdgeschoss der Realschule unter der Grenze des Vorsorgewertes von 300 ng/m³, der nach einer Sanierung als Zielwert gilt.

Da die Rahmenbedingungen der ersten Messung nicht transparent seien und die Messergebnisse beispielsweise je nach Temperatur stark schwanken können, empfiehlt der Experte Kontrollmessungen. Die Stadt hat diese bereits veranlasst und will die zweiten Messergebnisse in spätestens zwei Wochen veröffentlichen. Sollten sich die hohen Messwerte bestätigen, versprach Bürgermeister Erwin Esser sofort zu handeln. Denkbar sei die Sperrung von Klassenräumen bis hin zu Schließungen der Schulen.

Unterricht geht vorerst wie gewohnt weiter

Bis die neuen Messwerte vorliegen, geht der Unterricht für die 890 Schüler beider Schulen wie gewohnt weiter. Auf Empfehlung des Experten wird solange in jeder Pause stoßgelüftet und alle Möbel grundgereinigt, um die PCB-Werte in der Luft zu verringern. Das Gesundheitsamt Rhein-Erft bestätigte noch mal, dass aktuell keine akute Gesundheitsgefährdung vorliege. Trotzdem zeigten sich viele Eltern, Schüler und auch Lehrer bei der Infoveranstaltung besorgt. Die Lehrer berichteten durch das ständige Lüften von kalten Klassenräumen und kalten Schulen. Die Schüler hätten durch drohenden Unterrichtsausfall Angst um ihre Abschlüsse. Viele Eltern zeigten keinerlei Verständnis dafür, dass der Unterricht als Vorsichtsmaßnahme nicht schon in anderen Räumen stattfinde.

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Die geplanten Sanierungen der Schulen, die ursprünglich auf zwölf bis 15 Monate angesetzt waren, werden sich durch die Messwerte verzögern. So werde erst eine Probesanierung in zwei Räumen der betroffenen Schulen durchgeführt, um sicherzustellen, dass man die PCB-Werte durch die Sanierung und das Ausbauen der schadstoffreichen Materialien auf unter 300 ng/m³ minimieren kann.

Dies soll bis nach den Herbstferien dauern. Der Bürgermeister gab weiter an, dass eine Sanierung der Schule in einem Abriss oder Neubau enden könnte, sollten die PCB-Werte nicht sinken.

Im Sommer 2017 wurde der Altbau der Erich-Kästner-Realschule aufgrund einer Schadstoffbelastung der Raumluft gesperrt. Der Höchstwert lag damals bei 5200 ng/m³.

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