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Abriss der VorlandbrückeZehn Bagger gegen 660 Meter Beton im Norden von Bonn

5 min
Der Abriss der Vorlandbrücke in Bonn an der Graurheindorfer Straße hat am Freitagabend gegen 20 Uhr begonnen und man liegt gut in der Zeit. Ab Dienstag soll die Straße wieder befahrbar sein.

Der Abriss der Vorlandbrücke in Bonn an der Graurheindorfer Straße hat am Freitagabend gegen 20 Uhr begonnen und man liegt gut in der Zeit. Ab Dienstag soll die Straße wieder befahrbar sein.

Am Freitagabend haben die Abrissarbeiten an der Bonner Vorlandbrücke begonnen. Das hat viele Schaulustige angezogen.

Mehrere Dutzend Schaulustige stehen hinter den Absperrgittern unweit der Abrissarbeiten. Kinder und Erwachsene blicken erstaunt auf die enormen Kräfte, die auf den Beton wirken. Wo sonst Autos über die Vorlandbrücke der Rheinbrücke Bonn-Nord rollen, bestimmen jetzt Bagger und das Knirschen von Beton die Szenerie.

Seit Freitagabend (7. August) um 20 Uhr läuft der Abriss. Zehn Bagger arbeiten sich Stück für Stück durch die massive Konstruktion – ein sichtbarer Beginn eines Rückbaus, der sich über 660 Meter erstreckt.

2100 Kubikmeter Beton im ersten Abbruchblock

Die Bagger der Firma Hagedorn aus Gütersloh leisten auch am Morgen danach rund um die weiter Schwerstarbeit. Mit Abbruchzangen und Pulverisierern wird der Beton Stück für Stück herausgebrochen. In der Spitze sind bis zu 40 Beschäftigte im Einsatz. Ihr Ziel ist klar: Der erste Abschnitt der Brücke über der Graurheindorfer Straße soll so schnell wie möglich verschwinden.

Für viele Schaulustige ist der Abriss ein ungewöhnlicher Anblick. Immer wieder bleiben Menschen stehen, beobachten die Arbeiten und verfolgen, wie sich die vertraute Silhouette der Brücke verändert. Der Rückbau ist nicht nur ein technischer Vorgang, sondern markiert den Beginn eines Großprojekts, das den Verkehr in Bonn noch lange beschäftigen wird.

Das erste Stück der Brücke ist schon abgerissen.

Das erste Stück der Brücke ist schon abgerissen.

Die Vorlandbrücke ist 660 Meter lang. Gemeinsam mit den angrenzenden Rampenbauwerken umfasst sie eine Brückenfläche von mehr als 25.000 Quadratmetern. Der Rückbau erfolgt in insgesamt 14 Abbruchblöcken – von beiden Enden der Brücke in Richtung Festlager in der Mitte.

So aufwendig sind die Abrissarbeiten in Bonn

Am westlichen Ende, im Bereich Herseler Straße/Graurheindorfer Straße, hat nun der erste Abbruchblock begonnen. Anders als bei den folgenden Abschnitten wird zunächst nur von einer Seite gearbeitet. Ab dem zweiten Block soll der Rückbau von beiden Enden gleichzeitig erfolgen.

Immer wieder werden auch die Werkzeuge an den Baggern augetauscht.

Immer wieder werden auch die Werkzeuge an den Baggern augetauscht.

Allein im ersten Abschnitt müssen rund 2100 Kubikmeter Beton und etwa 1700 Quadratmeter Asphalt entfernt werden. Der Asphalt ist bereits abgefräst. Was nun folgt, ist die eigentliche Schwerstarbeit am Baukörper.

Dabei wird bewusst möglichst erschütterungsarm gearbeitet. Die Autobahn GmbH setzt vor allem auf Abbruchzangen. Der deutlich lautere Stemmhammer kommt nur dort zum Einsatz, wo er technisch notwendig ist. Das soll die Belastung für die Anwohnerinnen und Anwohner so gering wie möglich halten.

Viele Schaulustige beobachten den Abriss und machen Fotos und Videos.

Viele Schaulustige beobachten den Abriss und machen Fotos und Videos.

Besonders anspruchsvoll ist der Bereich über der Graurheindorfer Straße. Unterhalb der Brücke verläuft die Straßenbahntrasse. Deshalb musste vor Beginn des Abbruchs die Oberleitung fachgerecht ausgebaut beziehungsweise stromlos geschaltet und demontiert werden.

Zusätzlich wurde unter der Brücke ein sogenanntes Fallbett aus geeignetem Füllmaterial angelegt. Es soll herabfallende Bauteile kontrolliert auffangen und den darunterliegenden Bereich schützen. Erst nachdem sämtliche Sicherungsmaßnahmen abgeschlossen waren, konnten die Bagger in der Nacht zum Samstag mit dem eigentlichen Rückbau beginnen. 

Die Auffahrt Bonn-Auerberg ist mit Unmengen an Sand befüllt.

Die Auffahrt Bonn-Auerberg ist mit Unmengen an Sand befüllt.

„Die Besonderheit ist, dass es unter der Brücke im Boden Leitungen gibt, die wir nicht zerstören dürfen. Wir haben 15 Zentimeter starke Baggermatratze aufgelegt und 2600 Kubikmeter Sand darauf verteilt“, so Oberbauleiter Fritz von Mangoldt von der Firma Hagedorn. „Die Zeit ist sportlich, aber bisher sind wir sehr zufrieden und liegen vor dem angestrebten Zeitfenster“, fügt er an.

Bis Dienstag soll das wichtige Teilstück verschwunden sein

Der Abbruch folgt dabei einem festen Verfahren. Zunächst sind seit dem 17. Juli Leitungen, Lärmschutzwände und Fahrbahn entfernt worden. Anschließend wurden die seitlichen Bereiche der Fahrbahnplatte abgetragen, um die Brücke zu erleichtern. Danach werden die Hauptträger gezielt auf einem weichen Sandbett abgelegt. Am Boden wird das Material zerkleinert, für den Transport vorbereitet und anschließend abgefahren.

Für die Arbeiten im Bereich Graurheindorfer Straße ist das Zeitfenster eng. Bis Dienstag soll dieser wichtige Teil der Brücke entfernt sein. Vor allem die Kreuzung und die darunterliegende Bahntrasse sollen möglichst schnell wieder freigegeben werden.

Die Straßenbahn ist unterbrochen. Provisorisch können die Autos hier vor der Brücke drehen.

Die Straßenbahn ist unterbrochen. Provisorisch können die Autos hier vor der Brücke drehen.

Dass dafür auch nachts gearbeitet wird, bekommen die Anwohner deutlich mit. Fräsarbeiten, Maschinenlärm und die nächtlichen Einsätze bedeuten für das Umfeld eine erhebliche Belastung. Gleichzeitig verweist die Autobahn GmbH darauf, dass der Zeitplan eingehalten werde. Oberste Priorität habe die schnelle Wiederherstellung der Rheinquerung.

Die gesamten Abrissarbeiten sollen bis Ende November dauern. Danach soll möglichst zeitnah der Ersatzneubau der linksrheinischen Vorlandbrücke beginnen. Die Ausschreibung dafür läuft bereits.

Die Straßenbahnoberleitungen sind fachgerecht ausgebaut beziehungsweise stromlos geschaltet und demontiert worden.

Die Straßenbahnoberleitungen sind fachgerecht ausgebaut beziehungsweise stromlos geschaltet und demontiert worden.

„Der Zuschlag wird vor Weihnachten vergeben. Es wird nicht an den günstigsten Anbieter vergeben, sondern an den schnellsten und funktionellsten Anbieter“, erklärt Dr. Roland Nolte, Pressesprecher der Autobahn GmbH. Er erwartet den Start des Neubaus im Frühjahr 2027 und Ende 2028 soll der Verkehr wieder laufen. 

Zwischen Neugier, Lärmbelastung und der Hoffnung auf eine möglichst schnelle Fertigstellung wird damit deutlich: Der Abriss ist nicht nur ein technischer Großauftrag. Für die Menschen rund um die Graurheindorfer Straße beginnt mit den Baggern auch eine neue, sichtbare Phase der Bauarbeiten an der Bonner Rheinquerung.

Ab Dienstag soll die Straße wieder befahrbar sein.

Ab Dienstag soll die Straße wieder befahrbar sein.

Damit ab Dienstag der Verkehr auf der Graurheindorfer Straße wieder laufen kann, fanden die Abrissarbeiten auch in den Nächten statt. „Am Anfang haben sie nur mit den Zangen am Beton geknabbert, später mit den Stemmhammern wurde es deutlich lauter“, berichtete Anwohner Erik Sarkissian von der Initiative „Wir für 4“, die sich gegen eine Verbreiterung der Autobahn auf acht Spuren einsetzt.  

Er sei selbst gegen 1 Uhr in der Nacht noch einmal zur Baustelle gegangen, um sich das beeindruckende Schauspiel anzuschauen. Später habe er aber schlafen können, auch weil er gut 300 Meter entfernt wohne.

Anwohner direkt in der Nähe fanden indes keinen Schlaf. Das bestätigte Sandra Morzinkowski. „Der Lärm war schlimm. Ich habe mehrmals nach den Katzen geschaut, die das auch mitbekommen haben und hyperaktiv waren“, berichtet sie. Immerhin sollen die direkt betroffenen Anwohner pro Nacht 120 Euro Entschädigung erhalten. „Das ist aber noch in der Klärung“, so Sarkissian.