Aktionstag gegen Gewalt an FrauenRhein-Sieg-Kreis veröffentlicht Podcast

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Zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen hat der Künstler Dennis Josef Meseg eine Installation am Kreishaus geplant.

Rhein-Sieg-Kreis – Jahrelang hat der Mann seine Frau geschlagen, nun übt er psychischen Druck aus – denn der hinterlässt keine körperlichen Spuren. Er kontrolliert alles, sogar die Füllung der Waschmaschine, und erlaubt seiner Frau so gut wie nichts. Sie denkt an Trennung, hat aber große Angst, dass er ihr die Kinder wegnimmt oder ihr etwas Schlimmes antut. Doch dann wagt es die Frau, sich der anonymen Chatberatung Gewaltlos.de anzuvertrauen, einer Einrichtung vom Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) – ein erster Schritt, um sich aus einer gewalttätigen Beziehung zu lösen.

Für Anzeichen von Gewalt sensibilisieren

Dass solch ein Schritt öfter gelingt, dazu will ein Podcast beitragen, den der SkF Bonn und Rhein-Sieg-Kreis veröffentlicht hat. Anlass ist der internationale Aktionstag gegen Gewalt an Frauen am Mittwoch, 25. November. Der Hörbeitrag (siehe „Beratungsstellen“) will Angehörige, Freunde und Nachbarn für Anzeichen von Gewalt sensibilisieren. „In Deutschland wird statistisch gesehen jeden dritten Tag eine Frau durch Partnerschaftsgewalt getötet. Und mehr als einmal pro Stunde wird eine Frau durch ihren Partner gefährlich körperlich verletzt“, sagt Fachbereichsleiterin Regina Wollschläger. Gewalt zeige sich aber auch in verbalen Demütigungen und Erniedrigungen, Bedrohungen, Isolation, Kontrolle und Arbeitsverbot.

Beratungsstellen

SkF (Sozialdienst katholischer Frauen), 02241/958046.

Frauenzentrum Troisdorf, 02241/72250.

Frauenzentrum Bad Honnef/Königswinter,02224/10548.

Anonyme Spurensicherung im Cura-Krankenhaus Bad Honnef, 02224/77 20, sowie in Bonn in den Universitätskliniken, dem Krankenhaus St. Elisabeth, Johanniter-Krankenhaus, St.-Marien-Hospital und dem Institut für Rechtsmedizin der Uni Bonn.

Bundesweites Hilfetelefon: 0800 0116016.

Ein Podcast ist im Internet abrufbar.

katholisch-sankt-augustin.de

Auszüge aus sieben Übergabeprotokollen der Beraterinnen von Gewaltlos.de zeugen von solchen Schicksalen. Diese anonyme, niedrigschwellige Chatberatung können Frauen in Anspruch nehmen, die aus Angst vor Repression oder aus Scham den Weg in eine lokale Beratungsstelle scheuen. Und das werden immer mehr. Seit der Sommerpause verzeichnet das digitale Forum eine Verdoppelung an Besucherinnen.

Pandemie verstärkt Isolation

Doch auch Außenstehende können dazu beitragen, dass sich die betroffene Frau Hilfe sucht. Man solle sensibel für Veränderungen sein, zum Beispiel, wenn die sonst unternehmungslustige Freundin nervös, wortkarg und ängstlich wirke, so die Sankt Augustiner Rechtsanwältin Martina Herfeldt in dem Podcast. Es gelte, „behutsam und einfühlsam“ solche Veränderungen anzusprechen und die eigene Sorge zum Ausdruck bringen. „Dieses Signal kann für die Betroffene wie ein Rettungsring sein“, sagt die Juristin. Ob die Frau ihn ergreife oder nicht – „die Mauer des Schweigens ist durchbrochen“, sagt Herfeldt.

Die SkF-Beratungsstelle in Siegburg verzeichne in der Corona-Pandemie „keinen signifikanten Anstieg“ bei den Hilfesuchenden, sagt Wollschläger. Doch dies müsse nicht die Realität widerspiegeln, wie auch Dunkelfeldstudien nahelegen. „Wenn die Familien im Lockdown eng aufeinander hocken, wird es für die Frauen besonders schwierig, sich Hilfe zu suchen.“

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Dies vermutet auch Ilka Labonté vom Frauenzentrum Troisdorf. „Die Frau ist jetzt verstärkter Kontrolle ausgesetzt, und es ist noch schwieriger geworden, den richtigen Moment abzupassen, in dem sie sich Hilfe holen kann.“ Die Pandemie habe existenzielle Sorgen verschärft, die Wohnungssuche sei schwieriger geworden. Besonders hart sei im Lockdown die Lage für geflüchtete Frauen, die in ihren Unterkünften isoliert seien, zumal Gruppenangebote ausfielen. Doch Labonté betont auch: „Gewalt gegen Frauen zieht sich quer durch alle gesellschaftlichen Schichten.“ Meist ist der Täter „nicht der Bösewicht aus dem Park – ein Vorurteil, das von der rechten Szene instrumentalisiert wird. Sondern der eigene Partner oder ein Angehöriger“.

Im Frauenzentrum Troisdorf ist nun wieder eine Einzelberatung vor Ort möglich. Spuckschutzwände garantieren die notwendige Sicherheit. Auch öffentlich wollen sich die Beraterinnen am Dienstag, 24. November, positionieren. Mit dem runden Tisch gegen häusliche Gewalt war eine künstlerische Schaufensterpuppen-Aktion des Bonner Künstlers Dennis Josef Meseg auf dem Marktplatz in Siegburg geplant. Diese reduziert sich nun wegen der Corona-Beschränkungen auf eine kleinere Installation unter dem Titel „Broken“ am Kreishaus.

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