Aus der Entwicklung eines Wohnquartiers im Süden der Stadt Bad Honnef wird wohl nichts. Der Bürgerblock erklärt die Idee jedenfalls für tot.
Selhof-SüdWarum aus einem neuen Wohnquartier im Süden der Stadt Bad Honnef wohl nichts wird

Das Gelände in Selhof-Süd: Die Bürgerinitiative Grünes Band macht sich für den Erhalt der Grünflächen stark.
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Es war vor etwas mehr als zwei Jahren, da sprach im Stadtrat Guido Leiwig (SPD) von einer „Herzensangelegenheit“ und betonte für seine Fraktion: „Wir stehen zu diesem Projekt.“ Jerald Birenfeld (CDU) sah seinerzeit die Chance für ein „modernes, nachhaltiges und grünes Wohnquartier“, das im Selhofer Süden entstehen könnte.
Doch aus den – ohnehin nicht von allen so positiv gesehenen – Visionen wird offenbar nichts. „Die Quartiersentwicklung Selhof-Süd ist durch das Gutachten von NRW.Urban tot“, urteilt der Bürgerblock Bad Honnef. Die einmalige Chance, ein klimaneutrales Wohnquartier mit preisgedämpften Wohnraum für Jung und Alt im Selhofer Süden zu errichten, sei nun endgültig beendet worden, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung der Wählergemeinschaft.
Fundierte Grundlage für weitere politische Beratung in Bad Honnef
Die CDU-Fraktion geht noch nicht so weit. „Für die CDU Bad Honnef ist entscheidend, dass nun erstmals eine unabhängige und fundierte fachliche Bewertung als Grundlage für die weiteren politischen Beratungen vorliegt“, schreibt die Fraktionsvorsitzende Elke Buttgereit.
Auslöser der aktuellen Äußerungen ist offenbar eine Information der Fraktionsvorsitzenden durch Bürgermeister Philipp Herzog (CDU) über erste Untersuchungsergebnisse der landeseigenen Entwicklungsgesellschaft NRW.Urban, die eben vor etwas mehr als zwei Jahren vom Stadtrat mit sogenannten vorbereitenden Untersuchungen für eine Entwicklung des Selhofer Südens beauftragt worden war.
Dabei ging es um eine „städtebauliche Entwicklungsmaßnahme“, die darauf angelegt sei, in besonderen Ortsteilen „ein bestimmtes Gebiet koordiniert zu entwickeln, um Wohn- und/oder Arbeitsstätten sowie Gemeinbedarfs- und Folgeeinrichtungen errichten zu können“, wie es seinerzeit hieß.
Jetzt aber veröffentlichte die Stadtverwaltung eine Pressemitteilung, wonach der erwartete Untersuchungsbericht von NRW.Urban die Ergebnisse dieser fachlichen Prüfung zusammenfasse. Das Verfahren sei zwar noch nicht abgeschlossen, jedoch: „Aus den Untersuchungen lässt sich aber bereits jetzt ableiten, dass die rechtlichen Voraussetzungen für eine Entwicklungsmaßnahme im Sinne des Allgemeinwohls – so wird es im Entwurf von NRW.Urban ausgeführt – nach derzeitigem Stand nicht vorliegen.“
In den 1960er Jahren achtgeschossige Gebäude in Bad Honnef Süd geplant
Damit dürfte die Entwicklung des Selhofer Südens als Wohnstandort für die nächsten Jahre aus der Welt sein. Über den wird in Bad Honnef seit Jahrzehnten gestritten. In den 1960er und 1970er Jahren gab es Pläne, das heute durch Wald und Wiesen geprägte Areal zum Teil mit bis zu sieben- und achtgeschossigen Gebäuden für mehrere tausend Einwohner zu bebauen.
Anfang der 1990er Jahre initiierte die Stadt einen städtebaulichen Wettbewerb, dessen Entwürfe aber am Ende nicht weiterverfolgt wurden. 2009 gab es dann nach langem Streit den politischen Kompromiss, in Selhof-Süd maximal 50 Einfamilienhäuser sowie die Ansiedlung einer nicht näher beschriebenen „Institution“ zu ermöglichen. Ein Drittel des Areals sollte Grünfläche bleiben.
Neue Bewegung brachte dann jedoch der gravierende Mangel an Wohnraum und vor allem an preiswerten Wohnungen gerade in der Tallage von Bad Honnef. Der Selhofer Süden – grob gesagt sind es Flächen links und rechts des Limbicher Weges beziehungsweise unterhalb des Lichweges – sei mit 28 Hektar die „größte noch vorhandene zusammenhängende Entwicklungsfläche in der Tallage im Süden von Bad Honnef“, hieß es vor zwei Jahren in einer Vorlage der Stadtverwaltung für den Rat.
Da gab es mehrheitlich die Hoffnung, die landeseigene Gesellschaft NRW.Urban könnte die vielen Akteure sozusagen an einen Tisch bringen. Denn das Areal besteht aus insgesamt rund 500 Flurstücken, die im Eigentum von rund 250 Privatpersonen sind. Nur fünf Prozent der Flächen sind städtisch. Dass damals aber für den Fall einer Nichtbeteiligung an der Gesamtmaßnahme das Instrument der Enteignung ins Spiel gebracht worden war, stieß auf Kritik und ließ beispielsweise die FDP gegen den Vertrag mit NRW.Urban stimmen.

Spaziergänger nutzen den Selhofer Süden.
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Nach Angaben aus dem politischen Bereich gegenüber dieser Zeitung entspricht laut NRW.Urban die Umsetzung von Selhof-Süd nicht dem Allgemeinwohl. Auch wird demnach der ökologische Wert der betroffenen Waldflächen als sehr hoch eingestuft. Und die Entwicklung von Wohnraum soll demnach auch an anderen Orten – etwa am Rederscheider Weg in Rottbitze – möglich sein.
Im September soll es im Planungsausschuss detaillierte Informationen zu dem Gutachten von NRW.Urban geben. Unabhängig vom Ergebnis bleibt aus CDU-Sicht eines unverändert: „Bad Honnef braucht bezahlbaren Wohnraum.“ Dabei müsse der Wohnraumbedarf mit Klima- und Naturschutz und den Interessen der Bürgerinnen und Bürger miteinander in Einklang gebracht werden.
Endgültige Entscheidung trifft der Rat der Stadt Bad Honnef
Der Bürgerblock, der sich nach eigenen Angaben immer für eine maßvolle und umweltfreundliche Quartiersentwicklung in Selhof-Süd stark gemacht hat, akzeptiere die „Richtungsentscheidung“ und lege damit „Bad Honnef Süd endgültig zu den Akten“. Aber: „Unserer Ansicht nach wäre eine Bebauung mit Augenmaß in Verbindung mit der Erhaltung von grünen Schneisen im Selhofer Süden darstellbar gewesen“, so Bürgerblock-Ratsherr Hans-Heribert Krahe.
In der Mitteilung der Stadt heißt es: „Über die Fortsetzung, Anpassung oder Beendigung des Verfahrens entscheidet der Rat der Stadt Bad Honnef nach Beratung im zuständigen Planungsausschuss im Herbst.“

