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Schnellbusse in MuchRhein-Sieg-Kreis lehnt Rendez-Vous-Platz in Bövingen ab

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Am Gewerbegebiet Bövingen wäre laut Gemeinde noch Platz für einen Umsteigehalt der verlängerten Schnellbuslinien.

Rendez-Vous am Gewerbegebiet Bövingen? Der Rhein-Sieg-Kreis lehnt den Schnellbuslinienhalt im Dreieck zwischen der L 312 und der L 360 ab.

Much wird  besser an den ÖPNV angebunden. Doch wo sollen die Schnellbusse halten? Darüber streiten Gemeinde und Rhein-Sieg-Kreis. Die Zeit drängt.

Der Ausbau des ÖPNV sorgt für Streit: Die verlängerten Schnellbuslinien sollen sich nach Vorstellung des Rhein-Sieg-Kreises am Schulzentrum treffen. Laut Gemeinde eine gefährliche Ecke: Die Gelenkbusse würden beim Abbiegen auf die Gehwege ausweichen müssen. Nach vielen E-Mails hin und her und einigen Treffen drängt nun die Zeit: Bis September muss eine Lösung gefunden werden.

Die ist laut CDU in Sicht. Der Vorschlag der Fraktion, einen sogenannten Rendezvous-Platz am Gewerbegebiet Bövingen zu errichten, traf in der jüngsten Ratssitzung grundsätzlich auf Zustimmung. Die knapp 4000 Quadratmeter große Fläche im Dreieck zwischen der L 312 und der L 360 ist unbebaut.

Der Schnellbus 56 müsste eine Schleife zum Mucher Gewerbegebiet fahren

Am Straßenrand hält bislang schon die Schnellbuslinie SB 54 aus Overath, die künftig über Marienfeld bis zum Bahnhof Eitorf verlängert werden soll. Der Schnellbus 56, der aus Siegburg kommt und demnächst bis Bielstein (Oberbergischer Kreis) fahren soll, müsste am oberen Kreisverkehr im Zentralort allerdings links abbiegen und eine Schleife fahren.    

Dieser zusätzliche Zeitaufwand sei vertretbar, heißt es in dem CDU-Antrag. Auch das Abbiegen in Richtung Schulzentrum würde mehr Zeit kosten als der aktuelle Fahrweg: Derzeit enden beide Linien an der Hauptstraße vor dem Rathaus. 

Doch für einen Umsteigehalt im Sinne der Nutzer sei an der schmalen Ortsdurchfahrt zuwenig Platz, darüber herrscht nach wie vor Einigkeit im Gemeinderat, auch die Querung der viel befahrenen Bundesstraße 56 sei problematisch, sagte Bürgermeister Karsten Schäfer. 

Im Kreishaus wird der nun favorisierte Knotenpunkt in Bövingen allerdings kritisch gesehen. Dieser liege nicht am Linienweg der SB 56, das System der überörtlichen Verknüpfungen mit weiteren Buslinien und den Bahnstrecken Köln-Rhein-Berg-Oberberg sowie der Siegtalstrecke würde mit zentralen Haltestellen außerhalb des Kernorts nicht funktionieren.

Zudem liege das Mucher Ortszentrum 2,6 Kilometer entfernt und sei somit nicht zu Fuß erreichbar. In Much ist man der Meinung, dass dieses Argument auch gegen das Rendezvous am Schulzentrum spricht. Entscheidend dürften nicht die 450 Meter Luftlinie bis zum Rathaus sein, sondern der längere Fußweg mit starkem Gefälle, von mobilitätseingeschränkten Menschen nicht zu bewältigen. Die Geschäfte im Ortszentrum lägen noch weiter entfernt.  

Gefährliche Ecke: Aus der schmalen Fritz-Wilhelm-Straße auf die Schulstraße können lange Gelenkbusse nicht abbiegen.

Gefährliche Ecke: Aus der schmalen Fritz-Wilhelm-Straße auf die Schulstraße können laut Gemeinde lange Gelenkbusse nicht abbiegen.

Als Ausweg aus dem Dilemma schlug der Kreis zuletzt eine Probephase vor, ein Provisorium ohne teure Aus- und Umbauten, zum Beispiel für die Barrierefreiheit. Nach einem halben Jahr könne die Gemeinde auf Basis der Erfahrungen eine endgültige Entscheidung treffen – für einen Umsteigeplatz am Schulzentrum oder an der Hauptstraße. 

Much, schon jetzt ein wichtiger Halt im ÖPNV-Netz, werde durch die verlängerten Schnellbuslinien aufgewertet. Die Allgemeinheit profitiere. Die Vorteile wögen die Nachteile für die Anwohner auf, erläuterten Tim Hahlen, Kreis-Verkehrsdezernent, und Christoph Groneck, Projektleiter Nahverkehr im Kreishaus, in ihren Schreiben an die Gemeinde.   

Obwohl die Zeit drängt und die Politik das Thema schon mehrfach vertagte, wurde auch in der letzten Ratssitzung vor der Sommerpause nicht über eine Variante abgestimmt. Auf Bitten der Verwaltung sollen zunächst weitere Fragen mit dem Kreis besprochen und Alternativen gründlich erörtert werden.   

Dabei geht es auch um die Finanzierung. Nötig sei ja nicht nur ein Ausbau der Haltestelle, sondern - wenn Gelenkbusse das Schulzentrum ansteuern - ein Umbau der Einmündung Fritz-Wilhelm-Straße. Die im Haushaltssicherungkonzept steckende Gemeinde dürfe keine freiwilligen Ausgaben tätigen. Sicher gebe es Förderungen, doch müsse Much vorfinanzieren und bliebe auf den Planungskosten sitzen, falls Zuschüsse abgelehnt würden oder die Kosten stiegen. 

Die Planungen des Rhein-Sieg-Kreises nehmen weder Rücksicht auf die räumlichen und die finanziellen Möglichkeiten, noch auf die Interessen der Anwohner 
Aus der Stellungnahme der Gemeinde Much

Aus Mucher Sicht sei ebenfalls zu klären, ob der gesamte Nahverkehr über eine Station laufen müsse oder die Belastung und die Staugefahr durch eine Aufteilung der Busse reduziert werden könne. Dass pro Stunde neun Busse den Rendezvous-Platz im Wohngebiet ansteuern, zusätzlich zum Schülerverkehr in der Woche morgens und nachmittags: Mit diesen Folgen habe der Rat nicht gerechnet, der 2024 für eine Mobilstation an diesem Standort stimmte. Der Kreis hatte ursprünglich die Hauptstraße favorisiert. 

„Die nun vom Rhein-Sieg-Kreis vorgestellten Planungen überraschen uns nun doch, da sie weder Rücksicht auf die räumlichen Möglichkeiten an dem vorgesehenen Standort nehmen, noch die finanziellen Möglichkeiten unserer Gemeinde und die berechtigten Interessen der Anwohner berücksichtigen“, heißt es in einer Stellungnahme der Verwaltung. Die Anwohner, teilte der Bürgermeister in der Sitzung mit, hätten bereits eine Bürgerinitiative gegründet und eine Liste mit mehr als 200 Unterschriften übergeben.

Ungeachtet der ausstehenden Entscheidung liegen die neuen Fahrpläne bereits vor. Ab dem 2. September hält die SB 54 demnach nur noch einmal pro Stunde vor dem Rathaus. Und die SB 56 fährt die Hauptstraße gar nicht mehr an. „Das“, so die Verwaltung, „bedeutet eine erhebliche qualitative Verschlechterung der Anbindung im Mucher Zentrum.“