Im Netzwerk bündeln die wissenschaftlichen und öffentlichen Bibliotheken erstmals ihre Kräfte. Viele freuen sich über steigende Besucherzahlen.
„Lebendige Begegnungsorte“Bibliotheken aus dem Rhein-Sieg-Kreis vernetzen sich für Kultur und Bildung

Am Stand der Bibliothek Neunkirchen-Seelscheid wurde mit Liebe zum Detail der Lesegarten in der Miniaturversion aufgebaut.
Copyright: Laura Hofschlag
In der Hochschul- und Kreisbibliothek der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg in Sankt Augustin gab es gleich zweimal Grund zum Feiern: Zum einen ging am 20. April die „Onleihe 3.0“ an den Start, zum anderen haben sich 14 öffentliche und wissenschaftliche Bibliotheken aus dem Rhein-Sieg-Kreis zu einem Netzwerk für Bildung und Kultur zusammengeschlossen. Zu diesem Anlass versammelten sich unter anderem die Bibliotheksleitungen und Stadtspitzen aus dem Kreis sowie Landrat Sebastian Schuster.
Die Onleihe ermöglicht Tag und Nacht einen Zugang zu E-Books, Hörbüchern sowie digitalen Magazinen und wird vom Rhein-Sieg-Kreis finanziert. Neu sind in der Version 3.0 unter anderem der „Darkmode“ –ein Farbschema, bei dem heller Text auf dunklem Hintergrund verwendet wird, um beispielsweise die Augenbelastung zu reduzieren –, eine unbegrenzte Merkliste und eine Ausleihhistorie.

Landrat Sebastian Schuster und die Präsidentin der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg Prof. Dr. Marion Halfmann durchschnitten das grüne Band und eröffneten die Onleihe 3.0 ganz offiziell, links Joachim Linden, Leiter des Medienservice in der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.
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Zuvor erinnerte sich Prof. Dr. Marion Halfmann an die Zeit, in der es Onlineausleihen noch nicht gab: „Das Buch, was man haben wollte, gab es natürlich nie. Als Kompensation habe ich dann zehn bis zwölf Bücher nach Hause geschleppt – und bei der Hälfte die Rückgabe vergessen“, erzählte sie lachend.
Passend zum Welttag des Buches: Bibliotheken schließen sich für Kultur und Bildung zusammen
Die Leiterin der Hochschul- und Kreisbibliothek, Susanne Kundmüller-Bianchini, betonte, man feiere nicht nur den Start der Onleihe, sondern auch, dass sich das Netzwerk für Bildung und Kultur zusammenschließe – passend zum Welttag des Buches am 23. April. „Bibliotheken sind heute sehr viel mehr als Hüter von Weisheit und Wissen. Sie haben sich zu lebendigen Begegnungsorten entwickelt“, sagte Kundmüller-Bianchini.
Bibliotheken sind heute sehr viel mehr als Hüter von Weisheit und Wissen. Sie haben sich zu lebendigen Begegnungsorten entwickelt.
Im Netzwerk für Bildung und Kultur bündeln öffentliche und wissenschaftliche Bibliotheken erstmals ihre Kräfte. „Dieser Zusammenschluss schafft eine Brücke über alle Lebensphasen hinweg – vom ersten Lesen bis zur Forschung“, sagte Sabine Heusinger von Waldegg, Leitung „Lernort Bibliothek und Informationsservices“ der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.
Die Bibliotheken hätten sich schon eine Weile untereinander vernetzt. Man habe viele Gemeinsamkeiten festgestellt, dennoch sei jede Bibliothek einzigartig und habe ihr eigenes Profil, fuhr Kundmüller-Bianchini fort. Man wolle die Angebote gut aufeinander abstimmen, bei Schulungen und Veranstaltungen mehr kooperieren, den Nachwuchs durch regionale Ausbildungsinitiativen fördern und einen gemeinsamen Kulturkalender an den Start bringen.
Treffpunkt in der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg: Bibliotheksleitungen kamen untereinander ins Gespräch
Alle teilnehmenden Bibliotheken hatten einen eigenen kleinen Tisch als Infostand aufgebaut und informierten auf Flyern, Fotos und Schildern über die Angebote und Besonderheiten ihrer Bibliothek: zum Beispiel Großdruckbücher für Senioren in Bad Honnef, Robotic-Workshops in Rheinbach, Rollenspielveranstaltungen in Sankt Augustin oder ein Sprachcafé für Deutschlernende in Eitorf.

Blick auf die Stände der Bibliotheken.
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Bei dieser Gelegenheit kamen viele Bibliotheksleitungen auch untereinander ins Gespräch. „Hier waren gerade schon Möbeltausch-Aktionen: Eine Bibliothek braucht sie nicht mehr, und die andere freut sich“, berichtete Kristin Krässel von der Bibliothek in Hennef. „Mir geht es ganz viel um das Gesehen werden. Wir leisten ganz viel, und das sollte in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden“, sagte sie.
Trotz steigender Besucherzahlen: Ausgangslage für Bibliotheken nicht immer einfach
Dabei sei die Ausgangslage für die Bibliotheken nicht immer einfach. Beispielsweise wurde in Hennef kürzlich ein Nachtragshaushalt aufgestellt, in dem Doppelhaushalt für 2025/2026 klaffte ein Loch von mehr als zehn Millionen Euro. „Es ist so, das Bibliotheken eine freiwillige Leistung sind. Wenn das Sparen ausgereizt werden muss in einer Kommune, weil der Kreis Druck macht …“ Sie hätten das Problem, dass ihre Arbeit in vielen Bereichen schlecht messbar sei.
„Selbst wenn wir nicht messbar sind, sind gerade Themen wie die Leseförderung wichtig. Es gibt das Problem und wir können aktiv etwas dagegen tun“, ergänzte Marie-Kathrin Hummel aus Troisdorf. In Troisdorf seien die Neuanmeldungen um fast 29 Prozent gestiegen. Das liege auch daran, dass Troisdorf – wie Siegburg – nun eine Open Library sei: Nutzerinnen und Nutzern können auch außerhalb der bisherigen Ausleihzeiten die Möglichkeiten der Leihbüchereien nutzen.
Wir sind nicht mehr nur eine Bibliothek, sondern ein Verbund. Da hat man einen ganz anderen Auftritt.
Auch in Hennef seien die Besucherzahlen stabil bis steigend. „Wir haben ganz viele Leute, die bei uns zum Lernen kommen“, erklärte Krässel. Vom Netzwerk sei sie begeistert: „Man kann sich besser präsentieren. Wir sind nicht mehr nur eine Bibliothek, sondern ein Verbund. Da hat man einen ganz anderen Auftritt“, sagte Hummel.
Netzwerk: kollegialer Austausch, statt Konkurrenz
Katharina Blasche, Leiterin der Bibliothek in Lohmar, erhofft sich einen kollegialen Austausch. „Wir stehen nicht zueinander in Konkurrenz, sondern ergänzen unsere Angebote“, sagte sie. Die Besucherzahlen in Lohmar stiegen tendenziell, weil man sich auch als Lernort etablieren wolle und dies zum Teil auch schon geschafft habe. „Wir haben deutlich gemerkt, dass sich Schülergruppen bei uns treffen und gemeinsam lernen“, berichtete Blasche.
„Das Netzwerk schafft Synergien. Ich kann von Bibliotheken lernen, die ein viel größeres Angebot und mehr Personal haben. Ich muss nicht alles selbst erarbeiten, sondern kann nach Erfahrungen fragen, zum Beispiel zu einem Lesehund“, sagte Anna Deter, Leiterin der Bibliothek in Neunkirchen-Seelscheid.
Die Wichtigkeit der Kooperation betonte auch die Leiterin der Stadtbücherei Bornheim, Brigitte Nowak. Der Erfahrungsaustausch mit den kommunalen Bibliotheken im Rhein-Sieg-Kreis und der Hochschul- und Kreisbibliothek führen dazu, dass in Bornheim über 31.000 digitale Medien in der Onleihe das Medienangebot vor Ort ergänzten. „Alleine könnten weder die Stadt Bornheim noch die anderen kommunalen Bibliotheken eine Onleihe finanziell und personell verwirklichen.“
Im Netzwerk für Bildung und Kultur haben sich folgende Büchereien zusammengeschlossen: Meckenheim/Alfter, die Stadtbücherei Bad Honnef, die Stadtbücherei Bornheim, die Gemeindebibliothek Eitorf, die Stadtbibliothek Hennef, die Stadtbibliothek Lohmar, die Gemeindebücherei Neunkirchen-Seelscheid, die Öffentliche Bücherei St. Martin in Rheinbach, die Stadtbücherei Sankt Augustin, die Hochschul- und Kreisbibliothek Bonn-Rhein-Sieg, die Stadtbibliothek Siegburg, die Wissenschaftliche Bibliothek des Kreisarchivs und die Stadtbibliothek Troisdorf.
