Die IHK Bonn/Rhein-Sieg fordert, die Bonner Nordbrücke sechsspurig neu zu bauen. Präsident Stefan Hagen und Hauptgeschäftsführer Dr. Hubertus Hille haben sich am Dienstag in einem offenen Brief an mehrere Bundes- und Landtagsabgeordnete sowie an Bündnis90/Die Grünen in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis gerichtet – mit einer klaren Botschaft: Der Ersatzneubau der Nordbrücke darf nicht im heutigen, schmalen Querschnitt erfolgen. Die Kammer unterstützt demnach zwar ausdrücklich viele Vorschläge der Grünen zur Entlastung der Region, widerspricht ihnen aber in einem entscheidenden Punkt – nämlich bei der künftigen Breite der Brücke.
IHK unterstützt Zehn-Punkte-Plan in weiten Teilen
Anlass ist der Zehn-Punkte-Plan, mit dem die Grünen am 16. Oktober Vorschläge zur Entlastung der Region vorgelegt hatten. Die IHK begrüßt viele Punkte darin ausdrücklich – etwa regional koordinierte Baustellen, den Ausbau von Bus, Bahn und Park-and-Ride sowie sichere Radverkehrsverbindungen. In einem zentralen Punkt widerspricht die Kammer den Grünen jedoch deutlich: Diese fordern einen Ersatzneubau „im bestehenden Querschnitt“, was einen sechsstreifigen Ausbau faktisch ausschließen würde. Die IHK hält genau diesen Ausbau aber für unabdingbar.
Vollsperrung und überlastete Rheinquerung
Hintergrund ist die Vollsperrung der Nordbrücke seit dem 3. Juni 2026.
Risse und Materialermüdung an der linksrheinischen Vorlandbrücke hatten die Autobahn GmbH zu dem Schritt gezwungen, nachdem zuvor bereits ein Lkw-Verbot ab 7,5 Tonnen verhängt worden war. Schon vor der Sperrung galt die 1967 eröffnete Rheinquerung mit täglich mehr als 100.000 Fahrzeugen als überlastet – ein Zustand, den die IHK als zusätzliches Argument für den größeren Querschnitt anführt.
Umfrage zeigt wirtschaftlichen Druck auf Unternehmen
Wie groß der wirtschaftliche Druck in der Region ist, zeigt eine Umfrage der Kammer: 92 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, von der Sperrung betroffen zu sein, 66 Prozent meldeten bereits Umsatzrückgänge. „Angesichts dieser Betroffenheit erwartet die lokale Wirtschaft schnelle und praktikable Lösungen“, heißt es in dem Brief. Der Handlungsbedarf sei entsprechend groß.

Vertreter der Politik vor Ort.
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Streit um Tempo und Zukunftsfähigkeit des Neubaus
Der Konflikt zwischen IHK und Grünen dreht sich im Kern um die Frage, ob Tempo und Zukunftsfähigkeit beim Neubau miteinander vereinbar sind. Die Grünen befürchten, dass ein sechsspuriger Ausbau neue, langwierige Planungsverfahren nach sich zieht und den dringend benötigten schnellen Ersatz verzögert.
Die IHK sieht das anders: Sie unterstützt zwar einen schnellen Teilersatz, warnt aber davor, dass die aktuelle Krise dazu missbraucht werden könnte, die Brücke „auf Jahrzehnte hinaus auf den heutigen Querschnitt festzuschreiben“. Durch die Vollsperrung sei inzwischen eine modifizierte Planungsvariante möglich geworden, für die deutlich weniger Wohnraum entfallen müsse als ursprünglich befürchtet – ein Entgegenkommen, das die IHK ausdrücklich würdigt.
IHK fordert mehr verkaufsoffene Sonntage
Eine Forderung der Grünen trifft bei der Kammer dagegen auf ausdrückliche Zustimmung: mehr anlasslose verkaufsoffene Sonntage zu prüfen, um dem Bonner Einzelhandel während der Sperrung zusätzliche Umsatzchancen zu verschaffen. „Sonntags ist das Verkehrsaufkommen regelmäßig geringer und ermöglicht bessere Erreichbarkeit für Kundschaft bei zusätzlichen Umsatzchancen für Händlerschaft“, schreibt die IHK.
Kammer nimmt den Bund in die Pflicht
Zugleich erneuert die Kammer ihre Forderung an den Bund, finanziell stärker einzuspringen. „Unsere Region hat den Schaden nicht verursacht, trägt aber erhebliche wirtschaftliche und finanzielle Folgen“, heißt es in dem Brief weiter. Die IHK betont außerdem, dass die Dimensionierung der Nordbrücke keine kommunalpolitische, sondern eine Angelegenheit des Bundes sei – entsprechende Debatten müssten daher auch auf Bundesebene geführt werden. (jv)

