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Erfolgreich mit Handicap Hockeyspielern Maja Sielaff hört mit Hilfe eines Implantats

Im Hockeytor ist Maja in ihrem Element. Mutter Judith unterstützt sie nicht nur bei ihrem Hobby. Hören kann das taube Mädchen mit Hilfe eines Cochlea-Implantats.

Im Hockeytor ist Maja in ihrem Element. Mutter Judith unterstützt sie nicht nur bei ihrem Hobby. Hören kann das taube Mädchen mit Hilfe eines Cochlea-Implantats.

Bonn – Auf den ersten Blick ist Maja Sielaff ein ganz normales Mädchen. Sie besucht das Gymnasium, hört gerne Musik, geht shoppen und verbringt ihre freie Zeit mit Freunden.

Schon nicht so alltäglich ist dagegen, dass die Bonner Gymnasiastin bereits mit 16 Jahren in das Bundesliga-Damen-Hockeyteam von RW Köln berufen wurde und im Kader der deutschen Jugendnationalmannschaft steht. Umso beeindruckender ist diese Leistung, wenn man bedenkt, das Maja seit ihrer Geburt völlig taub ist. Ein Cochlea-Implantat (CI) gab ihr das Hörvermögen zurück und ihr so die Möglichkeit, sich normal zu entwickeln.

Von Geburt an taub

„Vermutlich wäre mein Leben ohne ein Implantat ganz anders verlaufen und mein Alltag heute schwieriger“, meint Maja. Sie gehörte bei der Geburt zu den Babys, die laut Statistik als 1000. Neugeborenes taub zur Welt kommen. „Im Prinzip waren es meine Eltern, die sehr schnell gemerkt haben, dass etwas nicht stimmt, denn ich reagierte weder auf meinen Namen noch auf andere Umgebungsgeräusche“, erzählt die 16-Jährige.

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Ein Kinderarzt konnte zunächst keinen Hörverlust feststellen, doch als sich keine Besserung einstellte, schalteten die Eltern einen HNO-Arzt ein, der nach einigen Untersuchungen einen mittel- bis hochgradigen Verlust diagnostizierte. „Für meine Eltern war es natürlich ein großer Schock. Andererseits waren sie aber auch beruhigt, weil sie wussten, was mit mir los ist und dass es Behandlungsmöglichkeiten gibt“, beschreibt Maja die damalige Situation. 

Im Hockeytor ist Maja in ihrem Element. Mutter Judith unterstützt sie nicht nur bei ihrem Hobby. Hören kann das taube Mädchen mit Hilfe eines Cochlea-Implantats.

Im Hockeytor ist Maja in ihrem Element. Mutter Judith unterstützt sie nicht nur bei ihrem Hobby. Hören kann das taube Mädchen mit Hilfe eines Cochlea-Implantats.

Die Hörgeräte, die das sechs Monate alte Mädchen zunächst verschrieben bekam, brachten keine Verbesserungen. Deshalb wurde sie in eine HNO-Klinik in Bonn überwiesen, wo der Arzt die Familie auf die Cochlea-Implantate hinwies.

CI-Implantat auf beiden Seiten operativ eingesetzt

2004 wurden Maja dann im Alter von anderthalb Jahren und im Abstand von einem Monat am Uniklinikum Würzburg auf beiden Seiten ein CI eingesetzt. „Dass Maja auf beiden Seiten implantiert wurde, war damals ungewöhnlich, – und im Nachhinein ja auch ihr Glück“, erinnert sich Mutter Judith.

„Im Wesentlichen kann ein Cochlea-Implantat das Hörorgan vollständig ersetzen. Deshalb war es auch in Majas Fall so gut geeignet, da das Implantat ihre Taubheit kompensieren und ihr damit ein Leben in der hörenden Welt ermöglichen konnte“, erklärt Dr. Torsten Mewes, Oberarzt in der Klinik für HNO, Kopf- und Halschirurgie in Wiesbaden.„Das System besteht aus einem Mikrofon, dass die Sprache in Impulse umwandelt und mit Hilfe einer Sendespule auf das Implantat im Kopf überträgt“, erläutert Judith Sielaff.

Im Hockeytor ist Maja in ihrem Element. Mutter Judith unterstützt sie nicht nur bei ihrem Hobby. Hören kann das taube Mädchen mit Hilfe eines Cochlea-Implantats.

Im Hockeytor ist Maja in ihrem Element. Mutter Judith unterstützt sie nicht nur bei ihrem Hobby. Hören kann das taube Mädchen mit Hilfe eines Cochlea-Implantats.

„Maja ist ein hervorragendes Beispiel, um zu zeigen, warum es so wichtig ist, Kinder so früh wie möglich mit einem CI zu versorgen. Je früher ein Kind hören kann, desto besser entwickelt sich das Sprachverstehen und das Hörvermögen insgesamt“, betont Mewes.

Ein fast normales Leben

Hochgradig schwerhörige oder taube Kinder könnten, wenn sie frühzeitig implantiert werden, ein fast normales hörendes Leben führen und beispielsweise auch problemlos die Regelschule besuchen oder sich, wie in Majas Fall, sogar bis an die Spitze eines Profisports hocharbeiten.

Doch dahinter steckt auch harte Arbeit. „Wir sind fünf Jahre lang nach Köln zur Logopädie und zum Hörtraining gefahren“, erinnern sich Mutter und Tochter. Da kam Maja ihr Naturell entgegen. „Sie ist ehrgeizig, hartnäckig und sehr beharrlich“, sagt die Mutter. Vor allem sei sie aber ein sehr offener Mensch. „Ich bin sehr glücklich, dass sich meine Eltern für diesen Schritt entschieden haben, so kann ich heute das Gymnasium besuchen und allen meinen Hobbys nachgehen“, betont Maja.

Trainer kommen für Anweisungen etwas näher

Auch beim Hockey hat sie keine allzu großen Probleme: „Der Helm verdeckt natürlich meine Mikrofone, wodurch ich nicht immer alles verstehe. Aber den Helm kann man ja absetzen, und wenn nötig kommen die Trainer etwas näher, um mir Anweisungen zu geben.“

Dreimal pro Woche, bis zu acht Stunden insgesamt, wird trainiert. Hinzu kommen ein bis zwei Spiele am Wochenende. „Bei den Lehrgängen für die Nationalmannschaft müssen wir mit der Schule verhandeln“, verrät Mutter Judith. Doch meist gibt es keine Schwierigkeiten, denn Maja ist eine gute Schülerin, die im Unterricht auch alles gut verstehen kann. Nur in den Pausen, wenn es etwas lauter wird oder es viele Hintergrundgeräusche gibt, ist es für sie nicht immer ganz einfach, alles richtig zu verstehen. „In den meisten Fällen fällt es aber gar nicht auf, dass ich eigentlich taub bin.“

„Für mich ist das nichts Unnormales“

Manchmal ist sie sogar froh ihre Ohren „ausschalten“ zu können. Gerade beim Schlafen oder bei einer Klassenarbeit genießt sie die völlige Ruhe. Ohne Hintergrundgeräusche kann sie sich prima auf die Klausur konzentrieren. „Und auch wenn ich einen Streit mit meinen Geschwistern habe, ist es schon ganz praktisch alles lautlos stellen zu können“, sagt sie lachend.

Hörverlust

Weitergehende Informationen zum Thema Hörverlust gibt es unter anderem auf folgenden Internetseiten:

www.hoerpaten.de,

www.endlich-wieder-

hoeren.org,

www.einfacherhoeren.de.

Anderen Betroffenen rät Maja ganz klar sich unbedingt für ein Cochlea-Implantat zu entscheiden. Es gebe viele Beratungsstellen und Hilfe zum Beispiel in Form von Sprachtherapien. „Ansonsten kann ich jedem nur ans Herz legen offen mit dem eigenen Hörverlust umzugehen: Wenn mich die Leute fragen, was ich da am Kopf habe, erkläre ich es einfach. Für mich ist es nichts Unnormales sondern etwas ganz Menschliches“, erklärt die Teenagerin selbstbewusst.

Ziel ist die Hockey-Nationalmannschaft

Zu Beginn ihrer Schulzeit auf dem Gymnasium habe sie sogar einen kleinen Vortrag über ihre Implantate gehalten. „Ich werde respektiert und habe noch nie dumme Sprüche zu hören bekommen“, sagt die Schülerin. Die Implantate seien auch eine Lösung für diejenigen, die im Laufe ihres Lebens zunehmend unter Hörverlust leiden und denen man mit Hörgeräten nicht helfen könne.

Im Hockey peilt Maja den Sprung in die Nationalmannschaft der Damen an. Zudem möchte sie gerne studieren, weiß aber noch nicht genau, in welche Richtung es gehen soll. Auf jeden Fall aber wieder mit viel Ehrgeiz und Beharrlichkeit.