Die Besonderheit: Die Gemeinden Leuscheid und Rosbach gehören zu zwei Kirchenkreisen.
„Pfarramtliche Verbindung“Windecker Kirchengemeinden teilen sich eine Pfarrstelle

Dorothea Böttcher, Pfarrerin in Leuscheid, und Oliver Cremer, Pfarrer in Rosbach
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Seit Jahren sind die Evangelischen Kirchengemeinden Leuscheid und Rosbach eng verbunden; sie geben einen gemeinsamen Gottesdienstplan heraus, die Leuscheider Pfarrerin Dorothea Böttcher und ihr Rosbacher Kollege Oliver Cremer halten Gottesdienste hier wie dort. Nun gehen die beiden Gemeinden noch einen Schritt weiter: Ab Herbst werden sie sich eine Pfarrstelle teilen – und das über die Grenze zweier Kirchenkreise hinweg. „Pfarramtliche Verbindung“ nennt sich das neue Konstrukt.
Windecker Protestanten arbeiten schon seit Jahren eng zusammen
Die Idee ist nicht neu, wie Böttcher und Cremer bei einem Gespräch im Rosbacher Gemeindehaus „Backstube“ erklären. Schon 2015 kam demnach aus Rosbach, das zum Kirchenkreis an der Agger gehört, die Anfrage an die Leuscheider Glaubensbrüder und -schwestern, ob nicht eine Zusammenarbeit möglich sei. Dabei sei nicht fehlendes Geld das Thema gewesen, betont Cremer: Mit 4200 Mitgliedern sei die Gemeinde groß genug, um allein bestehen zu können. Schon vor mehr als zehn Jahren aber zeichnete sich ab, dass es immer weniger Pfarrerinnen und Pfarrer geben werde.
„Wir konnten damals nur einen Korb geben“, erklärt Dorothea Böttcher die ablehnende Antwort aus Leuscheid, das mit seinen 1200 Gemeindegliedern zum Kirchenkreis An Sieg und Rhein gehört. Stand sie doch mit ihrer Gemeinde in einem langen und letztlich misslungenen Prozess, der im sogenannten Kooperationsraum eine Zusammenarbeit mit Eitorf und Herchen anbahnen sollte, bis hin zu einer möglichen Fusion. Als sich das Scheitern 2020 abzeichnete, ging Post von Leuscheid nach Rosbach. „Geht das noch?“ lautete damals die Frage.
Wir konnten recht schnell konkret werden
Es ging. „Wir konnten recht schnell konkret werden“, erinnert sich Pfarrer Cremer, wenig später gab es einen gemeinsamen Gottesdienstplan. An jedem Wochenende könnten nun zwei Personen drei bis vier Gottesdienste feiern; die Gottesdienstzeiten – 11 Uhr in Leuscheid und 9.30 Uhr in Rosbach – spielten den Partnern in die Hände. Dorothea Böttcher, bis dato mit einem 75-Prozent-Deputat beim Kirchenkreis An Sieg und Rhein angestellt, stockte auf 100 Prozent auf, der Nachbarkirchenkreis übernimmt seither die Mehrkosten.
Für ihren Nachfolger oder ihre Nachfolgerin wird neu gerechnet: Böttcher geht zum 1. September in den Ruhestand, die Kosten der für die Zeit danach geplanten „pfarramtlichen Verbindung“ tragen hälftig die beiden Kirchenkreise. Ausgeschrieben ist eine volle Stelle: „Da ist uns das Verwaltungsamt sehr entgegengekommen“, sagt die Pfarrerin. Nach Berechnungen des Kirchenkreises stünden Leuscheid allein nämlich nur 35 Prozent zu, nun erhält die Gemeinde 50 Prozent. Es sei aber auch „ganz schwierig“, eine Stelle zu besetzen, die nicht eine volle sei, weiß Dorothea Böttcher.
In Windeck gehen die Gemeinden keine Fusion ein
„Es ist keine Fusion“, betont ihr Rosbacher Kollege Oliver Cremer. Die Gemeinden blieben zwei eigenständige rechtliche Einheiten mit eigenen Haushalten und Presbyterien. Das mache es erheblich leichter, diesen Schritt zu gehen. Organisatorisch wird die Stelle im Kirchenkreis An Sieg und Rhein verortet sein, der künftige Pfarrer oder die Pfarrerin müsse auch ausschließlich dort an Kreissynoden und Pfarrkonventen teilnehmen.
Wer das sein wird, steht allerdings noch in den Sternen: Auf die Ausschreibung im kirchlichen Amtsblatt habe es keine Bewerbungen gegeben, berichten die beiden Geistlichen im Gespräch. Offenbar keine große Überraschung für Dorothea Böttcher: „Es gibt viele freie Stellen und wenige Menschen.“ Und Oliver Cremer ergänzt: „Die Gemeinden müssen sich um Pfarrer bewerben.“

