Martin Henschke hatte nach dem Tod des beliebten Kinderarztes und Vorsitzenden der Kinder- und Jugendstiftung Hennef eine Petition gestartet.
GedenkenStele in Hennef erinnert an den vor einem Jahr gestorbenen Kinderarzt Dr. Wilhelm Thiele

Max Heller (l.) stiftete den Stein, Mara Henschke war Patientin, ihr Vater Martin hatte die Idee, Dr. Ulrlike Thiele (r.) erinnerte an ihren verstorbenen Mann.
Copyright: Ralf Rohrmoser-von Glasow
Fast genau ein Jahr nach seinem plötzlichen Tod ist der Gedenkstein für den Gründungsvorsitzenden der Kinder- und Jugendstiftung Hennef, Dr. Wilhelm Thiele, enthüllt worden. Und es könnte wohl kaum einen besseren Platz geben als den Kinderspielplatz am Friedrich-Ebert-Platz, nur ein paar Meter entfernt von seiner Praxis an der Deichstraße. Was Wilhelm Thiele zudem sicherlich mit Freude erfüllt hätte: An genau diesem Tag startete das von ihm mit Macht vorangetriebene Frühförderprojekt Frühdolin 2.0.
Martin Henschke hatte eine Petition gestartet, um einen öffentlichen Gedenkort zu initiieren oder einen Platz, eine Straße nach dem beliebten Kinderarzt zu benennen. Eine Widmung allerdings ist erst fünf Jahre nach dem Tod des zu Ehrenden möglich.
Rund 6000 Menschen haben die Petition unterschrieben
So entstand die Idee eines Gedenksteins, bei dem er Unterstützung von der Stadt erhielt. Schnell meldete sich der Steinmetz und heutige Vizebürgermeister Max Heller bei Henschke und stiftete nicht nur das Material, sondern auch seine Arbeitszeit. Inzwischen haben fast 6000 Menschen unterschrieben, aus ganz Deutschland.
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Heller schuf eine 1,15 Meter hoch aus dem Boden ragende Stele aus Diabas, einem dunklen Stein. Der ist an der Vorderseite glatt poliert, hat aber an den Seiten und hinten auch raue Flächen, fühlt sich kernig und strukturiert an. Thieles Witwe, Dr. Ulrike Thiele, war nicht eingebunden in die Entwicklung, aber stets informiert.
Stifter und Initiator holten auch die Kiju mit ins Boot, denn auch das Logo der Stiftung sollte mit auf den Gedenkstein, ist der Geehrte doch der Gründungsvorsitzende, hat die Kiju mit seiner Expertise immer wieder vorangebracht.

Martin Henschke (3.v.l.) hatte vor einem Jahr eine Petition für die Errichtung eines Gedenksteins gesartet, um an den Kinderarzt Dr. Wilhelm Thiele zu erinnern. Kurz nach dem 1. Jahrestag wurde eine Stele enthüllt.
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Die Inschrift ist bewusst einfach gehalten. „Zur Erinnerung – Dr. Wilhelm Thiele, 1963–2025“. Das „Kinderarzt in Hennef“ wird umrundet vom Motto seiner Praxis: „Der kleine Mensch im Mittelpunkt“. Darunter ist das Stiftungslogo mit den Daten Vorsitzender Kiju Hennef 2005–2025. Heller und Henschke haben den Schriftzug gemeinsam entwickelt. Er ist eingraviert und mit Farbe ausgelegt.
Es gibt wohl keinen besseren Platz für die Stele als einen Spielplatz
„Ich wurde überrascht, aber ich habe ihn schon ein paar Mal gesehen“, verriet Dr. Ursula Thiele, die Witwe des Verstorbenen. Es gebe wohl keinen besseren Platz, sein Schaffen anzuerkennen, als den Spielplatz, auf dem so viele seiner kleinen Patientinnen und Patienten während Wartezeiten in Hörweite der Praxis gespielt hätten.
Seine Eltern hatten die Praxis 1962 gegründet, zunächst an der Bachstraße, 1968 folgte der Umzug an die Deichstraße, den heutigen Standort. Aus den damaligen Kindern seien Großeltern geworden, die heute mit ihren Enkeln kämen.
Dr. Wilhelm Thiele hatte in der Region ein enormes Netzwerk aufgebaut
Erfüllend und sinnstiftend habe er seinen Beruf stets erlebt. Verantwortungs- und Pflichtbewusstsein, großes Fachwissen und Leidenschaft hätten ihn ausgezeichnet. „Er hat ein enormes Netzwerk zu Universitäten, Kliniken und Kolleginnen und Kollegen in der Umgebung aufgebaut“, so die Kinderärztin, die die Praxis als ärztliche Leiterin und als medizinisches Versorgungszentrum mit zwei Kolleginnen fortführt.
„Er hat fast rund um die Uhr gearbeitet. ‚Kein Kind darf vergessen werden‘ war der Leitspruch.“ Dem sei er mit Liebe und Empathie gefolgt. Die Freude am Beruf des Arztes hat er an seine drei Kinder weitergegeben.
Er hat fast rund um die Uhr gearbeitet. Kein Kind darf vergessen werden, war der Leitspruch.
Henschke und Thiele hatten eine besondere Beziehung zueinander. Vor zwölf Jahren wurde seiner Tochter Mara diagnostiziert, dass sie keine Schilddrüse habe. Er suchte einen Kinderarzt, weil er schnelle Hilfe benötigte. Alle anderen Praxen ließen ihn abblitzen, keine Termine, Mittagspause, kein Platz mehr. Einzig Thiele ließ ihn sofort kommen, eine Stunde später hatte Henschke einen Termin in einer Universitätsklinik.
Sie hatten viele Termine zusammen, später bauten sie Häuser, halfen einander. „Dadurch waren wir sehr intensiv befreundet.“ Sein plötzlicher Tod hat ihn ebenso erschüttert wie seine Tochter. Mara verriet: „Am 31. Januar, also ein Jahr danach, habe ich schon geweint.“ Der Gedenkstein ist ein Familienprojekt.
Bürgermeister Mario Dahm dankte dem Ideengeber für sein Engagement. „Ihren Kinderarzt vergessen die Kinder nicht, der Stein wird die Erinnerung wachhalten.“ Den Ort hält er für optimal, hier können die Kleinen sich doch austoben, auch auf der Stele herumklettern, die keine scharfen Kanten hat und tief verankert im Boden ist.
„Seine Nähe zu Kindern war eine Quelle, die Bedarfe zu erkennen, die nötig waren“, lobte Andrea Hoppen-Weiss, Nachfolgerin von Thiele als Stiftungsvorsitzende, ihren Vorgänger. Frühdolin 2.0 ist „ein ganz aktives, laufendes Vermächtnis“.

