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„Dorfbratzen“Henneferin dreht einen Coming-of-age-Film über drei Freundinnen vom Land

4 min
Theresa Kramer (r.) und Roya Ghanavati drehen in Hennef einen 25-minütigen Kurzfilm als Abschlussarbeit für ihr Studium mit dem Titel „Dorfbratzen“.

Theresa Kramer (r.) und Roya Ghanavati drehen in Hennef einen 25-minütigen Kurzfilm als Abschlussarbeit für ihr Studium mit dem Titel „Dorfbratzen“.

Drehorte für den 25-minütigen Kurzfilm sind unter anderem die Innenstadt, das Siegufer, Heisterschoß und Happerschoß.

„Klappe 14/3/2“ tönt es über den Platz am Teich in Hennef-Heisterschoß. Es ist Nacht, dunkel und kalt, Regen fällt. Kurz wird „Kölsche Jung“ von Brings angespielt. Unter dem großen Pavillonzelt bewegen sich junge Leute auch dann noch weiter, als die Musik endet. Sie tragen leichte Sommerkleidung, Scheinwerfer geben Licht, eine Kamera hält drauf. Es ist ein gespenstisches Bild, das die ganze Nacht so bleibt.

Die Nachtaufnahmen gehören zu den Dreharbeiten für den 25-minütigen Kurzfilm „Dorfbratzen“. Theresa Philine Kramer und Roya Ghanavati führen Regie bei der „Coming-of-age“-Geschichte, die in Hennef realisiert wird. Kramer kommt aus Hennef-Happerschoß, für die junge Regisseurin ist es die Abschlussarbeit an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden. Sie studiert dort seit rund fünf Jahren Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Film.

Theresa Kramer (r.) und Roya Gannavati drehen in Hennef einen 25-minütigen Kurzfilm als Abschlussarbeit für ihr Studium mit dem Titel "Dorfbratzen", ein Coming-of-age-Film.

Theresa Kramer (r.) und Roya Gannavati drehen in Hennef einen 25-minütigen Kurzfilm als Abschlussarbeit für ihr Studium mit dem Titel "Dorfbratzen", ein Coming-of-age-Film.

„Es ist lustig und fühlt sich sehr schön an“, sagt die 26-Jährige zu ihren Back-to-the-roots-Erlebnissen. Sie ist selbst im Dorf Happerschoß groß geworden, mit dem Teich in Heisterschoß verbindet sie eigene Jugenderfahrungen, hat sie doch Feste hier gefeiert. Dennoch ist es kein durchgängig autobiografischer Film. Gemeinsam mit Ghanavati hat sie das Drehbuch geschrieben. „Es ist eine Mischung aus eigenen Erfahrungen und vielen fiktionalen Elementen“, sagen sie.

Es geht um Mädchenfreundschaften im Dorf, ums Großwerden. Der Film leuchtet subtil und in feinen Bildern die Grenzen von Beziehungen aus. „Wie viel Veränderung hält eine Freundschaft aus?“ beschreibt Kramer eine der Hauptfragen. „Wir geben einen kleinen Einblick in ihre Leben und erzählen das charaktergetrieben“, erklärt Ghanavati.

Wie viel Veränderung hält eine Freundschaft aus?
Reegisseurin Theresa Philine Kramer

Es ist die Geschichte von Leyla, Almara und Edda. In einem Casting haben Kramer und Ghanavati die drei Nachwuchsschaupielerinnen Malu Thiersch, Helena Yousefi und Annika Jessa gewinnen können. Gage gibt es keine, die Produktion ist wirklich low budget. 14.000 Euro haben sie bislang zur Verfügung, weitere 3000 Euro wollen sie mit einem Crowd funding generieren. 

Am Teich in Hennef-Heisterschoß wurde in einem Nachtdreh ein Sommerfest inszeniert.

Am Teich in Hennef-Heisterschoß wurde in einem Nachtdreh ein Sommerfest inszeniert.

Da müssen Theresas Eltern Elke Kramer und Reinhart Brüning ran, die mit Leo Mertens das komplette Catering übernommen haben. Auch Schwester Sofia ist im Einsatz, um das Projekt zu unterstützen. Sie bringen noch nach Mitternacht Nudeln und Pesto an den Set, natürlich auch in der glutenfreien Variante. Hotels für die Unterbringung des rund 30-köpfigen Teams sind nicht drin, geschlafen wird bei Freunden und Bekannten. „Es macht einfach nur Spaß, auf dem Dorf zu drehen“, freut sich Kramer.

Der „Coming-of-age“-Film spielt in den Jahren 2014 und 2016

Die Handlung spielt auf zwei Zeitebenen, 2014 und 2016. Mit 14 Jahren sind die drei Mädchen sehr eng miteinander, beste Freundinnen halt. Zwei Jahre später haben sich ihre Persönlichkeiten ausdifferenziert, andere Ansichten und Interessen sich ausdifferenziert. „Eine wächst über sich hinaus in ihrer Identität“, verrät Kramer. „Die früher Ruhige ist rebellisch und mutig ist.“

Auf einem Monitor verfolgt Theresa Kramer, was Roya Ghanavati mit ihrer Kamera einfängt.

Auf einem Monitor verfolgt Theresa Kramer, was Roya Ghanavati mit ihrer Kamera einfängt.

Es geht um eine Beziehung, die in einem Schlüsselmoment zu Veränderung führt. Allen drei hat das Regisseurinnen-Duo eine solche Erkenntnis auf den Leib geschrieben, aber gezeigt wird nur der Stups - es bleibt halb offen, wie es weitergeht. Sorgfältig haben beide die Kostüme ausgewählt, unterstützt von ihrem Team. „Die Klamotten zeigen die Zeit, in der die Geschichte erzählt wird“, so Kramer.

Mit sensibler Kamera- und Schauspielerführung fangen sie das Fühlen und Wahrnehmen, den suchenden Teenagerblick ein. Die Überforderung der Mädchen mit ihren Körpern ist ebenso Thema wie Sexismus und queeres Erwachen, Aufwachsen auf dem Land und der Umgang mit unterschiedlichen sozioökonomischen Hintergründen, Migration und Brauchtum.

Wie erzählen durch Bilder in einer Inszenierungssprache mit kleinen Gesten und knappen Dialogen, beschreiben sie ihre Arbeitsweise. Zwar haben sie gemeinsam die Geschichte entwickelt und das Drehbuch geschrieben, haben die Rollen gestaltet. Aber am Set sind die Aufgaben klar getrennt. Theresia macht die Schauspielerführung und Bildgestaltung, Roya ist Director of photography und führt die Kamera. Gemeinsam diskutieren sie die räumliche Inszenierung und die Personenbewegung.

Der Dreh war herausfordernd, gefilmt wurde Sommer bei fünf Grad Celsius

Es war lustig, mit zwei Identitäten hier zu sein, sagt Kramer, als Chefin, gemeinsam mit Ghanavati, eines großen Teams, und als, zumindest ehemalige, „Dorfbratze“. Der Dreh war sehr herausfordernd, ergänzt sie. Denn der Streifen spielt im Sommer, doch selbst tagsüber waren es selten zehn Grad Celsius, nachts gerade mal fünf. Als wir vor einem Jahr zur selben Zeit Drehorte gesucht haben, war es Sommer, bis zu 30 Grad Celsius, so Ghanavati.

„14/3/2“, die Klappe gehört auch bei einem Kurzfilm zum Standard.

„14/3/2“, die Klappe gehört auch bei einem Kurzfilm zum Standard.

Aber sie haben es durchgezogen. „Wir sind unendlich dankbar für unser Team“, erklären beide. Jetzt geht es an die Post-Produktion, an den Schnitt. Da ist Ghanavati federführend. Theresa packt die Maus nicht an beim Schnitt, lacht sie. Ihre Zusammenarbeit ist eingespielt, es ist bereits ihr zweiter gemeinsamer Kurzfilm, nach Salam Beresoon. Der hatte noch mehr autobiografische Elemente, wurde beim Hessischen Film- und Kinopreis in der Kategorie „Bester Hochschulabschlussfilm“ nominiert und auf der diesjährigen Berlinale gezeigt.

Ihr nächstes Projekt haben sie schon im Auge, sie wollen einen Langfilm realisieren. „Dorfbratzen“ wollen sie auf Festivals einreichen, um Sichtbarkeit zu erreichen. „Den müssen wir auch hier zeigen“, verspricht Kramer, „wenn wir den hier gedreht haben.“ Im Oktober soll er fertig sein. „Es wäre schön, wenn er im Kurtheater laufen könnte.“