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„Lasse meine Söhne nicht dort über die Straße“Bürgerinitiative fordert mehr Sicherheit an B8 in Hennef

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Besonders an der Kreuzung B8/Oberdorf, aus der auch Busse kommen, geschehen häufig Unfälle.

Besonders an der Kreuzung B8/Oberdorf, aus der auch Busse kommen, geschehen häufig Unfälle.

 Bei einem Termin vor Ort erklärte die Intiative ihre Sorgen: Das Überqueren der Straße sei nicht sicher, viele Autos überholten beim Abbiegen.

„Wenn man an der Straße steht, fahren die Autos direkt langsamer“, sagt Annette Lipinski an der Haltestelle Lichtenberg B8 in Hennef. Tatsächlich bremsen die Fahrzeuge auf Höhe der Menschengruppe. Kurz darauf rauscht ein SUV mit deutlicher überhöhter Geschwindigkeit vorbei, an der Kreuzung mit der Straße Oberdorf weicht ein Fahrzeug in den Gegenverkehr aus, um nicht hinter dem abbiegenden Auto anhalten zu müssen. Es braucht nur ein paar Minuten, um zu verstehen, was die Sprecherin der Bürgerinitiative „Sichere B8 Hennef-Lichtenberg“ an dieser Kreuzung so gefährlich findet.

Immer wieder kommt es gerade an der Einmündung mit Oberdorf zu Unfällen, an der nahegelegenen Bushaltestelle ist das Überqueren der Bundesstraße nur mit besonderer Vorsicht möglich. Im Dezember vergangenen Jahres wurde dort eine 18-jährige Fußgängerin erfasst und schwer verletzt. „Ich lasse meine 13 und 16 Jahre alten Söhne nicht dort über die Straße gehen, um zum Schnellbus zu kommen“, sagte Sebastian Schiefer, ebenfalls Sprecher der Bürgerinitiative, bei einem Rundgang vor Ort.

Viele Unfälle passieren beim Abbiegen, oft überholt dann jemand von hinten.
Sebastian Schiefer, Sprecher der Bürgerinitiative Sichere B8 Hennef-Lichtenberg

Der Unfall der jungen Frau sei der Anlass gewesen, sich für sicherere Verkehrswege einzusetzen. Auch der Bürgerverein Lichtenberg, dessen Vorstand Lipinski und Schiefer angehören, lenkte bereits Aufmerksamkeit auf das Thema. „Wir fordern eine Ampel an der Kreuzung Oberdorf, um ein sicheres Abbiegen zu ermöglichen. Viele Unfälle passieren beim Abbiegen, oft überholt dann jemand von hinten“, hat er beobachtet. Deswegen verlange die Bürgerinitiative Fahrbahnbegrenzungen auf dem Mittelstreifen.

Sebastian Schiefer und Annette Lipinski von der Bürgerinitiative „Sichere B8 Hennef-Lichtenberg“.

Sebastian Schiefer und Annette Lipinski von der Bürgerinitiative „Sichere B8 Hennef-Lichtenberg“.

Die Höchstgeschwindigkeit auf der B8 solle von 70 auf 50 km/h reduziert werden. „Das sollte auch mit Blitzern kontrolliert werden. An der Bushaltestelle braucht es eine sichere Querungshilfe inklusive angemessener Beleuchtung.“ Im Internet hat die Bürgerinitiative eine Petition gestartet, die an Bürgermeister Mario Dahm gerichtet ist. Rund 1350 Menschen haben bisher unterschrieben. „Die Kombination aus hoher Geschwindigkeit des Durchgangsverkehrs und unübersichtlichen Abbiegesituationen macht das Einfahren auf die B8 zum russischen Roulette“, heißt es dort.

Sicherheit an der B8 beschäftigt die Stadtverwaltung Hennef seit Jahren

Auch Jochen Breuer, Leiter des Hennefer Ordnungsamts, nahm an dem Termin teil: „Das Thema bewegt uns auch in der Stadtverwaltung seit vielen Jahren“, sagte er und legte das Problem auch verwaltungsfachlicher Sicht dar: „Gefühlt passieren hier viele Unfälle, jedoch gibt es Vorgaben, nach denen drei gleichartige Unfälle innerhalb eines Jahres passieren müssen, damit eine Kreuzung als Unfallhäufungspunkt ausgewiesen wird“, erklärte er. Dies sei zwischenzeitlich an der Ecke Oberdorf geschehen, mittlerweile jedoch zurückgenommen worden.

Breuer nahm Bezug auf die Unfallkommission, der die Polizei, das Straßenverkehrsamt und der Straßenbaulastträger angehören. Sie können verkehrssichernde Maßnahmen beschließen. „Die Bezirksregierung will das Thema gerne beenden, die Stadt Hennef besteht auf weiterer Beobachtung“, sagte er. Zu den Fakten gehöre jedoch auch, dass die meisten Unfälle nicht aufgrund von hoher Geschwindigkeit geschähen, sondern Abbiegeverstöße seien.

Rechtliche Hürden für Blitzer laut Ordnungsamtsleiter zu hoch

„Verschiedene Messungen haben ergeben, dass die Durchschnittsgeschwindigkeit bei etwas über 70 km/h liegt. Die B8 ist die meistbefahrene Straße in Hennef. Wenn wir da Tempo 50 einführen, verkleinert das die Lücken im Verkehrsfluss. Es ist dann noch schwieriger, aus den Nebenstraßen auf die B8 abzubiegen“, so Breuer. Ebenso würde eine Ampel an der Kreuzung für lange Rückstaus im Berufsverkehr sorgen.

Die rechtlichen Hürden für einen mobilen oder dauerhaften Blitzer seien hoch, zumal viele Temposünderinnen und Temposünder gegen die Bußgelder klagten. Auch den Vorschlag, Oberdorf zur Einbahnstraße auszuweisen, sieht Breuer kritisch: „Die RSVG hat da mehrere Testfahrten gemacht. Der Bus der Linie 522 zum Hennefer Bahnhof müsste eine größere Schleife durch Lichtenberg fahren, wodurch die Fahrgäste ihre Anschlüsse an die Bahn verpassen würden.“ Die Stadt bewerbe sich um Fördermittel des Bundes, um zumindest eine Querungshilfe mit Beleuchtung im Bereich der Bushaltestelle zu schaffen. Ob der Antrag Erfolg habe, entscheide sich gegen Jahresende.

Kreuzung wurde zwischenzeitlich als Unfallhäufungspunkt ausgewiesen

In ihrer Petition nutzt die Bürgerinitiative eine Collage aus mehreren Bildern, die suggerieren sollen, dass an der Kreuzung viele schwere Unfälle geschehen. Zwei der Bilder stammen allerdings aus den Jahren 2015 und 2017. „Es gab seitdem auch Jahre ganz ohne Unfälle“, sagte Polizeisprecher Stefan Birk auf Anfrage. Im November 2024 seien drei gleichartige Unfälle mit großem Sachschaden und einer leichtverletzten Person in dem Bereich erkannt worden, wodurch die Kreuzung als Unfallhäufungspunkt ausgewiesen worden sei.

Mit einem Banner an der B8 wirbt die Bürgerinitiative für Unterschriften.

Mit einem Banner an der B8 wirbt die Bürgerinitiative für Unterschriften.

„Die Unfallkommission hat deswegen eine Haltelinie und ein Stoppschild an der Einmündung beschlossen, außerdem wurden Warnschilder an der B8 aufgestellt. Das ist im April 2025 geschehen. Aufgrund dessen wurde der Unfallhäufungspunkt auch zurückgestuft.“ In diesem Zeitraum sei es zu zwei weiteren Unfällen gekommen, nur zu einem einzigen relevanten Unfall– nach Angaben Birks durch eine ortskundige Person.

Björn Franken, Mitglied im Landtag und dem Kreistag, sowie die Bundestagsabgeordnete Elisabeth Winkelmeier-Becker (beide CDU) sahen sich die Gegebenheiten ebenfalls vor Ort an. „Wir werden oft darauf angesprochen, haben vom Landesbetrieb und dem Kreis aber dieselben Antworten wie Herr Breuer bekommen. Diese Kreuzungen sind brandgefährlich, aber wir müssen nacheinander Fakten aufbauen“, sagte Franken. „Die Politik trägt diese Argumente zusammen, vielleicht schreiben wir nochmal einen Brief an die Bezirksregierung, wir werden auch die Blitzer nochmal im Kreistag thematisieren“, versprach er.