Abo

Stadtarchiv-VerbundSo soll Hennefs Gedächtnis im Katastrophenfall bewahrt bleiben

2 min
Astrid Junkersfeld, Mitarbeiterin im Stadtarchiv Hennef.

Astrid Junkersfeld, Mitarbeiterin im Stadtarchiv Hennef.

Das Hennefer Stadtarchiv ist nun als 15. Mitglied dem Notfallverbund Rhein-Sieg und Bonn beigetreten.

Die große Flutkatastrophe auf der linken Rheinseite liegt nun schon fünf Jahre zurück, die Schrecken davon wirken bis heute nach. Als das Gemeindearchiv Swisttal vom Hochwasser volllief, waren auch die Kollegen aus dem Rechtsrheinischen, wie die Hennefer, alarmiert und sofort zur Stelle. Hanna Albers betreut Archiv in Swisttal alleine und hat den Alptraum von durchnässten und verschlammten Akten durchlebt, berichtete sie beim Netzwerk-Treffen in der Meys Fabrik.

„Das Gedächtnis einer Stadt zu verlieren, ist dramatisch“, betonte Mario Dahm, Bürgermeister von Hennef. Das Archiv der Stadt ist nun als 15. Mitglied dem Notfallverbund Rhein-Sieg und Bonn beigetreten. Zusammen mit der Leiterin des Kreisarchivs Claudia Arndt leistete Dahm die entsprechende Unterschrift.

Auf 850 Regalmetern lagern die Zeitdokumente vor Feuchtigkeit geschützt

Die Mitglieder des Notfallverbundes unterstützen sich in Notfällen wie Brand oder Hochwasser gegenseitig, um das Archiv- und Bibliotheksgut bestmöglich zu schützen. „Wir sind dafür verantwortlich, Identität und Heimat zu bewahren. Das ist eine extrem wichtige Arbeit, stellen Sie das nicht unter den Scheffel“, sagte Kreisarchivdezernent Thomas Wagner in Richtung der anwesenden Archivvertreter des Verbunds. Regelmäßig  tauschten sich die Archivare über Maßnahmen für eine erfolgreiche Alarmbereitschaft aus, auch Notfallübungen und Fortbildungen stehen  auf dem Programm.

Die Unterschriften für den Notfallverbundsbeitritt geben Claudia Arndt, Leiterin des Archivs des Rhein-Sieg-Kreises und Bürgermeister Mario Dahm.

Den Beitritt zum Notfallverbund unterzeichneten Claudia Arndt, Leiterin des Archivs des Rhein-Sieg-Kreises, und Bürgermeister Mario Dahm.

Nur ein paar Meter vom Tagungssaal entfernt befindet sich das Stadtarchiv, das von Jan Baucke geleitet wird. Akten aus dem Rathaus, Geburts- und Sterbeurkunden aus Hennef und Zeitungsartikel werden dort aufbewahrt. Auf 850 Regalmetern lagern diese Zeitdokumente in speziellen Archivkartons. Das alterungsbeständige Material schützt die Dokumente vor Schmutz und Feuchtigkeit.

Die untersten Regale sind 20 Zentimeter vom Boden entfernt

Auch wenn Hennef nicht extrem hochwassergefährdet ist, liegen dort die untersten Regalbretter sicherheitshalber 20 Zentimeter über dem Boden.  Der hohe Wert, den die Archivare in ihren Zeitdokumenten sehen, besteht vor allem auch aus der haptischen Schönheit. „Digital ist ja auch nicht das gleiche“, meinte Astrid Junkersfeld, Mitarbeiterin im Stadtarchiv Hennef. Sie spricht von Schmuckstücken und meint damit etwa preußische fadengebundene Akten und jahrhundertealte Handschriften.

Auch besondere Sammlungen von Privatpersonen befinden sich im Besitz der Hennefer Archivare, etwa Tagebücher von Hebammen oder Berichte von Kriegsgefangenen. Auch 15.000 Fotos lagern dort. „Das Archiv ist kein verschlossener Ort, uns kann jeder besuchen“, sagte Junkersfeld, die über jedes Fundstück dankbar ist. Oftmals fänden sich bei Hausauflösungen wertvolle Dinge. „Bevor sie etwas wegschmeißen, sollen sie zu uns kommen“, appellierte Junkersfeld. So lagern im Archiv auch Protokolle aus der Gründungszeit des Hennefer Karnevals. Auch eine extra Abteilung für Karnevalsorden existiert dort. „Wobei Orden streng genommen kein Archivgut mehr sind, sondern Museumsstücke“, erklärte Junkersfeld.