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StaatsgründungMit eigener Hymne startete das Städtische Gymnasium Hennef „Sapere audistan“

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Das Städtische Gymnasium Hennef hat im Stadion den Startschuss zur Staatsgründung von „Sapere audistan“ gegeben.

Das Städtische Gymnasium Hennef hat im Stadion den Startschuss zur Staatsgründung von „Sapere audistan“ gegeben.

Im Hennefer Stadion stellten Schülersprecher und Organisationsteam die Idee für das groß angelegte Demokratieprojekt vor.

So voll wünscht sich der FC Hennef sein Stadion sicher jedes Wochenende. Rund 1200 Menschen strömten auf die Tribüne und bildeten um die aufgebaute Bühne ein offenes Viereck. Das Städtische Gymnasium Hennef (SGH) gab mit einem öffentlichen Akt den Startschuss für die Staatsgründung von „Sapere Audistan“.

Der selbst geschaffene Staat tritt an die Stelle der Schule in ihrer sonst üblichen Organisation

Bei den Projekttagen vom 7. bis 9. Juli 2026 tritt für drei Tage der selbst geschaffene Staat an die Stelle der Schule in ihrer sonst üblichen Organisation. Der Name leitet sich aus dem Schulmotto ab: sapere aude. Wage es selbst zu denken oder einfacher noch: denk selber.

„Wir eröffnen heute keinen perfekten Staat, aber einen lebendigen“, machte Schülersprecher Leonhard Bolle klar, wohin es gehen soll. Es ist ein Prozess mit vielen Stationen, an dem alle mitarbeiten sollen. Parteien können ebenso gegründet werden wie Unternehmen. Die Verfassung ist geschrieben, in freien Wahlen, an denen jede Schülerin, jeder Schüler eine Stimme hat, wird ein Parlament mit 49 Sitzen gewählt, aus dessen Reihen die Bundeskanzlerin oder der Bundeskanzler kommt.

Wir eröffnen heute keinen perfekten Staat, aber einen lebendigen.
Leonhard Bolle, Schülersprecher des Städtischen Gymnasiums Hennef

Die Schülervertretung hat das Projekt angestoßen und ein Organisationsteam aufgerufen. Daraus entstanden sechs Teams, die den Staat vorbereiten — je eins für Betriebe, Politik, Gesellschaft, Finanzen, Information und Öffentlichkeitsarbeit. Sprecherinnen und Sprecher stellten ihre Ergebnisse bei der feierlichen Eröffnung vor.

Zur Staatsgründung wurde die Staatsflagge mit einem stilisierten Logo der Schule entrollt.

Zur Staatsgründung wurde die Staatsflagge mit einem stilisierten Logo der Schule entrollt.

Der Rahmen war wahrlich würdevoll. Schulorchester und Chor spielten die Nationalhymne, die Musiklehrer Michael Decker geschrieben hatte. Textzettel waren verteilt worden. Die Staatsflagge wurde entrollt, die das stilisierte Logo des SGH trägt. Jolyne Dellert und Letizia Rauch definierten durch, das Demokratie die Mitbestimmung durch alle Bürgerinnen und Bürger bedeutet.

Die gültige Währung von „Sapere Audistan“ ist der Gymni

Arina Ryschow und Arthur Weißenburger forderten zur Gründung von Betrieben auf. Als Finanzteam wollen sie faire Bedingungen für alle schaffen, damit Arbeit sich lohnt. Sie stellten auch die eigene Währung vorn, den Gymni. Zehn Gymnis entsprechen einem Euro. Jede Staatsbürger in und jeder Staatsbürger wird einen eigenen Account bekommen, der Staat wird ein Startkapital erhalten, zu dem jede und jeder seinen Beitrag leisten wird.

Das Gesellschaftsteam will Konzerte, Aufführungen und Hochzeiten ermöglichen, ihm ist Gemeinschaft, Spaß und Zusammenhalt wichtig. Soziale Marktwirtschaft soll Grundlage des Staates sein, das Fundament ist die Verfassung, die ganz an den Anfang setzt, was auch das Grundgesetz so einzigartig macht: Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Schulorchester und Chor trugen die eigens komponierte Nationalhymne vor.

Schulorchester und Chor trugen die eigens komponierte Nationalhymne vor.

Tom Precker hatte für die Idee von Sapere Audistan ein einziges Wort: „Wunderbar!“ Er ist der Enkel des früheren SPD-Ratsherren Axel Precker und will eine Partei gründen, bestenfalls sogar Bundeskanzler werden. Eins ist ihm klar: „Das ist viel Arbeit.“ Kathalina Ennenbach war nicht minder begeistert: „Ich finde es gut, dass wir lernen, wie Demokratier funktioniert. Das wird in der Schule sonst viel zu wenig gemacht.“ Sie glaubt an eine steile Lernkurve.

Bürgermeister Mario Dahm erlebte die Premiere einer Staatsgründung auf dem Stadtgebiet

Sieben Ministerien werden den Staat organisieren, Richtlinienkompetenz liegt bei der Kanzlerin oder dem Kanzler. Besucher sind übrigens durchaus erlaubt, wie auch die wirtschaftliche Tätigkeit in die Gesellschaft ragen darf. Bürgermeister Mario Dahm durfte ebenfalls eine Rede halten: „Ich bin noch nie bei einer Staatsgründung gewesen.“

Er bezeichnete sich als Außenpolitiker, denn ein Staat in seiner Stadt ist für ihn Neuland. „Ein so großes Demokratieprojekt hat es meines Wissens in Hennef noch nicht gegeben.“ Er nutzte die Gelegenheit, die künftigen Staatsbürgerinnen und Staatsbürger aufzufordern, sich auch außerhalb von „Sapere Audistan“ einzubringen.

Ab Startschuss beginnt die Staatsbildung, werden Parteien gegründet, die ein Programm vorweisen müssen, das verfassungstreu ist. Mindestens 15 Mitglieder müssen sie haben und einen selbst ausgedachten Namen.