Eine indische Delegation hat vor dem Besuch der Konferenz „Weltacker International“ in Bonn einen Abstecher auf den Betrieb von Bernd Schmitz gemacht.
Exkursion nach HennefBäuerinnen aus Indien besuchten den Hanfer Hof

Zwei indische Bäuerinnen besuchten vor der internationalen Konferenz von „Weltacker International“ den Hanfer Hof. Paula Fehling (2.v.l.) führte sie mit ihrer Schwester Luisa durch den Betrieb.
Copyright: Ralf Rohrmoser-von Glasow
Bernd Schmitz und seine Frau Nathalie Fehling waren verreist, also mussten die Töchter ran. Paula und Hannah Fehling, die den Hanfer Hof in Hennef übernehmen wollen, begrüßten mit ihrer Schwester Luisa den Besuch aus Indien und Portugal. Begleitet wurden die Gäste von Jasper Jordans, aktiv für die Organisation „Weltacker International“. Sie besuchten im Vorfeld einer internationalen Konferenz landwirtschaftliche Betriebe in der Region.
In Hanf besichtigten sie die Flächen der Solidarischen Landwirtschaft (Solawi) und den Demeter-Hof. Zwei indische Bäuerinnen waren dabei, die aus dem Bundesstaat Andhra Pradesh stammen. Das Landwirtschaftsministerium hat sich dem „Natural farming“ verschrieben und die Organisation „Andhra Pradesh Communitiy managed Natural Farming“ (APCNF) gegründet.

Die Gäste brachten Erzeugnisse aus Andhra Pradesh als Gastgeschenk mit.
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Inzwischen betreiben 1,8 Millionen Landwirtinnen und Landwirte, etwa 30 Prozent der Bäuerinnen und Bauern des Bundesstaates, die Natural Farming auf einer Fläche von rund 800.000 Hektar. Damit hat die APCNF sich nach eigenen Angaben zur weltweit größten Initiative in der Agrarökologie entwickelt.
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Die beiden jungen Bäuerinnen aus Indien haben langjährige Erfahrungen im Natural Farming
Das Besondere daran ist die Idee, Lebensmittel- und Landwirtschaftssysteme durch von Landwirten geleitete Wissenschaft und Praxis zu verändern. Samma Anikanana hat vor sieben Jahren damit begonnen, ihren Betrieb umzustellen. Ijothi Bobbili blickt auf vier Jahre Erfahrungen mit Natural farming zurück und hat nicht nur einen eigenen kleinen Betrieb mit drei Kühen, sondern auch an der APCNF-Akademie studiert. Sie ist so etwas wie eine Lehrerin für Anikanana, von der sie wiederum viel für ihre Forschung lernt.
Es ist ein Lernen durch Tun. Das Feld ist das Klassenzimmer.
Sudhakar Yerrakondar von der Institutsleitung, ebenfalls mitgekommen, beschrieb es so: „Es ist ein Lernen durch Tun. Das Feld ist das Klassenzimmer. Farmer lernen von Farmern. Die Bäuerinnen und Bauern müssen es sehen, damit sie es glauben.“ Zahlreiche Projektberichte sind in wissenschaftlichen Zeitungen erschienen. Bobbili ist eine dieser Wissenschaftlerinnen.
Die Menschen lernten landwirtschaftliche Alternativen kennen, erläuterte Swati Renduchintala von der APCNF. Die Diversität auf den Böden ist erheblich größer, es gibt mehr Regenwürmer, und es werden keine Herbizide und Pestizide eingesetzt. Dennoch steigen die Erträge. Anikanana berichtete, dass sie mehr als 20 Gemüsesorten auf ihren Flächen anbaut und nach dem Programm 365 Tage im Jahr eine Grünabdeckung hat.

Landwirtin Anja Henckel aus Portugal begleitete die indische Delegation und war fasziniert von den Kälbern.
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Interessiert zeigten sie sich an den deutschen Alternativen, etwa der Solawi. Sie begutachteten die Böden genau, die Gärtnerin Lotte Jobs nach ähnlichen Kriterien mit Bernd Schmitz und den Mitgliedern bewirtschaften. Sie ließen sich die Methoden für Anbau und Ernte erklären, machten sich eifrig Notizen.
Anschließend ging es auf den Hof, wo Paula Fehling sie zu einem Rundgang begrüßte. Schwester Luisa assistierte als Dolmetscherin. Knapp 120 Hektar groß ist der Betrieb, 95 Hektar sind Grünland für die derzeit 92 Kühe, Rinder und Kälber, drei Hektar gehören zur Solawi, und rund 20 Hektar werden in Vier-Jahres-Fruchtfolge mit Weizen, Roggen, Hafer und Luzerne als Zwischenfrucht bewirtschaftet.
Erstaunt waren die Inderinnen und Inder, dass es den Bauernhof schon seit 200 Jahren gibt, seit 20 Jahre ist er biodynamisch und seit einigen Jahren von Demeter zertifiziert. Die Kuhherde trägt Hörner, die Kälber bleiben drei bis vier Monate bei der Mutter. Aufmerksam hörten die Bäuerinnen ihren jungen deutschen Kolleginnen zu. Sie stellten dezidiert Fragen nach dem Melken und der Nachzucht. Emotional wurde es allerdings, als Paula Fehling von der Verwertung der Tiere durch Schlachtung berichtete - in Indien sind Kühe heilig.
Sowohl in Indien als auch in Deutschland ist Mikrobiomförderung wichtig
Ein Fachgespräch führten die Frauen bei Themen wie Biostimulantien. Die Fehlings erzählten, dass sie mit einem Eimer den Urin einfingen, ein Prozess, der auch in Andhra Pradesh nicht anders funktioniert. Allerdings melkt Bobbili zum Beispiel noch von Hand, hat aber nur drei milchgebende Kühe, im Gegensatz zu 30 in Hanf. In beiden Ländern wird viel Wert auf die Mikrobiomförderung im Boden gelegt Mikrobiome sind Gemeinschaften von Bakterien, Pilzen und Mikroorganismen.

Besonderes Interesse galt dem Melkstand auf dem Hanfer Hof.
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Von Interesse war auch die Aussage, dass die Felder in Hennef nur gepflügt werden, wenn es unbedingt nötig ist. Auf dem Grasland sind Kräuter willkommen, weil sie gesund für die Kühe sind. Es gehörte zu den Antworten auf die Frage, was mit Krankheiten bei den Tieren ist: Hygiene und gesundes Futter, im Krankheitsfall Homöopathie. Ebenso interessierte die Besucherinnen die Direktvermarktung, die die Fehlings vorantreiben wollen.
Paula Fehling hört Rockmusik beim Melken der Kühe
„Die Kühe sind sehr sensibel, sie merken, wenn es dem Melker schlecht geht“, diese Aussage von Paula Fehling interessierte auch die beiden Portugiesen, die auf dem Weg zu „Weltacker International“ die Gelegenheit nutzten, mit den Indern zu reisen. Anja Henckel und Diogo Coutinho sind im Alentejo im ökologischen Landbau aktiv und suchen den internationalen Austausch. Überrascht waren sie, dass Paula Rockmusik beim Melken hört. Bisher ging Henckel davon aus, dass klassische Musik das Beste sei - und ließ sich gern eines Besseren belehren.

