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Gelungener AuftaktMusikreihe „Bayoogie“ begeistert im Hennefer Kur-Theater

3 min
Hennefer Kur-Theater: „Bayoogie - Masters– die Meister aus Blues und Boogie Woogie“

Die deutsch-amerikanische Sängerin Scarlett Andrews mit Christain Christl am Klavier.

Blues und Boogie im Hennefer Kurtheater: Die neue Reihe „Bayoogie“ startete mit einem energiegeladenen Konzert.

Premiere feierte die Musikreihe „Bayoogie-Masters – die Meister aus Blues und Boogie Woogie“ im Hennefer Kur-Theater. Mit ihr habe man einen „Versuchsballon starten wollen, Sachen zu bringen, die gut sind, die Leute aber nicht wissen, wie gut die sind“, sagte Ingo Teusch, erster Vorsitzender des Kur-Theater-Vereins. Ziel erreicht, darf nach einem mitreißenden Abend resümiert werden - mit temperamentvoller Live-Musik, die von den ersten Takten an rhythmische Bewegung in die Plüschsesselreihen brachte.

„Bayoogie“ ist der bayrische „Boogie Woogie“

Begründer des „Bayoogie“ ist Christian Christl, ein national und international agierender Blues- und Boogie-Woogie-Pianist, der 2500 Konzerte seit 1985 gab, 29 Alben produzierte und auf Auftritte mit Willie Dixon, Miles Davis, B.B. King und Ray Charles zurückblicken kann. Der 62-Jährige ist zudem Mentor der Serie, die derzeit in 16 Städten jährlich jeweils zweimal zu sehen ist.

Hennefer Kurtheater: „Bayoogie - Masters– die Meister aus Blues und Boogie Woogie“

Jazz-Legende aus Siegburg: Pianist Stefan Ulbricht.

Der im bayrischen Freising aufgewachsene Wahl-Essener hält am Dialekt seiner Jugend fest. Was verstehen lässt, warum er das Fantasiewort „Bayoogie“ aus „Bayern“ und „Boogie Woogie“ zusammensetzte. Christl leitet die Konzerte in der Regel mit Bastian Korn und bringt abwechselnd zwei Gäste mit. Dabei schöpft er aus einem Fundus von derzeit 33 Boogie-Woogie- und Blues-Größen. Für Hennef setzte er auf Bastian Korns Zwillingsbruder Benny (Schlagzeug) und den Siegburger Stefan Ulbricht, der zu den Besten der europäischen „jungen Wilden“ gezählt wird.

Seine Klasse zeigte er etwa mit seiner Jazz-Ballade „Unanswered Love“ (Unbeantwortete Liebe). Eine warme Monotonie bebilderte seine fortwährende Sehnsucht nach ihr. Sein Werben drückte er mit zarten verzierenden Trillern oder wunderschönen Melodielinien aus. Das Finale mit rasendem Spiel, harten Akkorden und durchdringend pulsierenden Riffs der Basshand sowie irrwitzige Triller und Läufe der rechten Hand konnte doppelt ausgelegt werden: als frenetischer Jubel über ein Happyend oder als Frust über einen gescheiterten Versuch.

Hennefer Kurtheater: „Bayoogie - Masters– die Meister aus Blues und Boogie Woogie“

Wie dereinst Jerry Lee Lewis: Bastian Korn.

Christl gab den charmant-witzigen Conférencier, dessen Grandezza das 20er-Jahre-Outfit befeuerte. Souverän und gelassen war sein Pianospiel, klangdicht und kunstvoll arrangiert. Als Sänger begeisterte er mit souliger Intonation, mal mit sonorem Schmelz, mal durchdringend kraftvoll - zart trifft auf rau.

Gemeinsame Auftritte der Künstlerinnen und Künstler sorgen für Begeisterung

Kontrastierend hierzu waren die Songs von Bastian Korn, der mit Gilbert O’Sullivans „Get Down“ oder „Lady Madonna“ von den Beatles einheizte. Ekstatisch wie dereinst Jerry Lee Lewis knallte er „Great Balls Of Fire“ aufs Parkett, mit Füßen auf der Klaviatur, den Rücken nach hinten bis in die Waagrechte gebeugt.

Großes Kino im Kino waren die gemeinsamen Auftritte der Protagonisten in unterschiedlichen Bestzungen, wobei Benny Korn mit der Gelassenheit eines Bierkutschers, aber der Präzision eines Metronoms die unverzichtbaren Trommeln rührte. Mit dem 20-jährigen Ulbricht-Schüler Kilian Krämer und der famosen deutsch-amerikanischen Sängerin Scarlett Andrews zauberte Christl weitere Asse aus dem Ärmel. Letztere wird am 6. November beim nächsten „Bayoogie“ im Kur-Theater dabei sein und dürfte mit großer Stimme das Haus fluten.

„Wenn ich heute in Buxtehude spiele, kennt mich keiner. Wir müssen uns unsere Musik ausbauen und gehen in die kleinen Säle mit 200 Leuten“, sagte Christl im Gespräch mit dieser Zeitung. „Das Faszinosum ist unsere handgemachte Musik, die ihre Energie sofort überträgt. Doch wir erreichen die große Masse nicht, weil wir in den großen Medien nicht stattfindet“, beurteilte er die Situation seines Genres. In Hennef ist seine Botschaft angekommen, und „das Kur-Theater zieht mit“, wie Ingo Teusch den begeisterten Gästen das Wort redete.