Zu Gast waren neben Ehrenamtlichen auch „Hatti“ Rau, der als Musiklehrer Spitzenbands wie Querbeat und Druckluft mit formte.
Locker Plaudern über WissenswertesHennefer Sofa bringt Vollblut-Ehrenamtler und Talent-Schmiede zusammen

Gäste und Moderatoren beim Hennefer Sofa, v.l.: Freerk Baumann, Susanne Heyd, Heinz Heußen, Wilhelm Geschwind, Susanne Riemer, Erhard „Hatti“ Rau, Ralf Rohrmoser von Glasow
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Das Hennefer Sofa ist ein Garant für ein rappelvolles Kur-Theater. Das gilt auch für die Moderatoren-Ära von Freerk Baumann und Ralf Rohrmoser von Glasow. Die beiden übernahmen 2018 die Talkshow von Pit Raderschad und Günter Kretschmann und halten seitdem die Fäden für die Sofagäste-Auswahl und den Show-Ablauf mit viel Erfolg in den Händen.
Den Grund für die hohe Akzeptanz der Veranstaltung, die 1987 von Wolf B. Reuter im „Eckhaus“ ins Leben gerufen worden war, sieht Rohrmoser von Glasow in der (auch aus Journalistensicht nachvollziehbaren) „Neugierde des Publikums“ und „in der Wohnzimmeratmosphäre“. Letztere funktioniere „unabhängig von Krisenzeiten“ pflichtet Kollege Baumann bei. Außerdem zögen die „unfassbar vielen Persönlichkeiten an, die man so im relativ kleinen Städtchen“ nicht vermute.
Ehrenamt, Heimatverein und Burggärten fanden auf dem Sofa statt
Beider Lesart einer Talkshow-Moderation kommt an. Sie lassen die Kandidaten ohne Hetze reden, vertiefen locker plaudernd manche Aspekte mit treffsicheren, oft auch erheiternden Fragen. Am Freitagabend versorgten die obligatorischen drei Sofa-Gäste das Publikum mit Wissenswertem über Ehrenämter in Heimatvereinen und Burggärten sowie das Talent, Schülerbands zu bundesweiten Bühnengrößen zu formen.
Den Reigen eröffnete der Vollblut-Ehrenamtler Heinz Heußen. 1993 zog es den im niederrheinischen Grefrath geborene Nachrichtentechniker von Porz in die Siegstadt („Hennef ist doppelt so schön wie Porz“). Derart viel Zuneigung sprach sich anscheinend herum, schnell landete er etwa im Pfarrgemeinderat, im Hennefer Turnverein und in der Bürgergemeinschaft Geisbach, deren Vorsitzender er 2019 wurde.
Seit mehr als 20 Jahren engagiert er sich im Team des Kinder-Mitmachzirkus' Jakholino, hilft bei Zeltlagern und Ausflügen. Im Juni 2021 wurde er zum Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft der Heimatvereine in der Stadt Hennef (AGHV), Dachorganisation für 31 Bürger- und Heimatvereine der 100-Dörfer-Stadt, gewählt. „Man macht einfach mit, so kommt man ins Gespräch und findet in die Dorfgemeinschaft rein“, sagt er über ein Motiv fürs Ehrenamt: „Wenn es keine Vereine gibt, was bleibt dann noch?“ Als Beispiele für die Bedeutung der Heimatvereine nannte er die 10.000 Stunden, die diese jährlich für Grünflächenpflege aufbrächten.
Freundeskreis pflegt 220 Pflanzenarten im Burggarten
Mit Grün hat auch Hobby-Gärtnerin Susanne Heyd zu tun. Vor gut 20 Jahren legte die Diplom-Pädagogin, heute Einrichtungsleiterin der Kinder- und Jugendhilfe Hollenberg, die ersten Beete auf dem sogenannten Zwingerplateau der Burg Blankenberg an. Vorausgegangen waren lange Sanierungsarbeiten an der Burg, für deren Eingriffe in die Natur die Stadt als Ausgleich das Anlegen eines Burggartens beschloss. In 14-tägigem Rhythmus pflegen sie und ein Freundeskreis 220 Arten. Heyd, die jüngst mit dem Ehrenamtspreis der Stadt ausgezeichnet wurde, schwärmte vom guten Klima hoch über der Sieg, sie genieße „die Gartenarbeit mit Ausblick“.
Seit 40 Jahren ist Erhard „Hatti“ Rau Lehrer an der Hennefer Musikschule. Sein Talent für die Trompete wurde früh erkannt, auch weil er höher spielen konnte als manche Erwachsene. Er durfte als 16-Jähriger ohne Abitur Trompete studieren. Von Versagensängsten auf der Bühne erzählte er, von strengen Lehrern und dem Druck der Mutter, die ihn bis zum 16. Lebensjahr zum täglichen Üben verpflichtete.
„Hatti“ Rau spielte Trompete in der Stunksitzung mit Köbes Underground
Einen Namen machte er sich als Trompeter beim Stunksitzungsorchester Köbes Underground. Zudem verdanken die Brassbands „Querbeat“ und „Druckluft“ ihre Erfolge Hatti Rau. Als freier Musiklehrer am Kardinal Frings Gymnasium nahm er sich der musikalischen Talente an und formte daraus Spitzenbands. So lieferte Querbeat mit „Colonia Tropical“ oder „Nie mehr Fastelovend“ einen Sessionshit nach dem anderen, Druckluft schaffte es mit „Karnevalsmaus“ in der vergangenen Session auf Platz 1 der Charts.
Nicht minder unterhaltend war die Eröffnungsplauderei der beiden Gastgeber, wobei nicht zu erwarten war, dass das Thema Koloskopie, also Darmspiegelung, derart ergiebig sein kann. Freilich mündeten erheiternde Berichte über einen „kleinen, flachen Polypen“ oder den gemeinsamen Gang dreier Freunde zum Gastroenterologen in die Empfehlung, die eigene Darmkrebsvorsorge im Auge zu behalten. Laut Baumann, Professor an der Kölner Uniklinik und international anerkannter Experte für Bewegungswissenschaften in der Onkologie, könnten 90 Prozent der Darmkrebsopfer noch leben, wären sie zur Vorsorge gegangen.
Eingerahmt wurde die Sofa-Plauderei vom Duo „Chille en Kölle“, dessen Lieder im Hennefer Tonstudio von Helmuth Rüssmann produziert werden. Mit der singenden Trompeterin Susanne Riemer und Gitarrist Wilhelm Geschwind haben absolute Könner ihrer Genres zusammengefunden. Ihre Musik verknüpft kölsche Mundart mit Bossa-Nova-Rhythmen und teils sinnlichen, teils fröhlichen Texten. Wobei Riemers zart-eindringliche und federleichte Stimme schnell die Gemüter erreichten wie „Wat is Jlück“, „Fraulück vun Hück“ oder Ostermanns „Heimweh nach Kölle“ im Bossa-Gewand zeigten.
