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Entlassungen drohenIn Hennnef bei der Firma Ammann sind 50 Arbeitsplätze in Gefahr

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In Hennef bei der Firma Ammann sind 50 Arbeitsplätze in Gefahr. Die IG Metall Bonn-Rhein-Sieg hat die Betroffenen am Mittwochmittag in der Mittagspause zu einer helbstündigen Kundgebung vor die Tore der Firma versammelt.

In Hennef bei der Firma Ammann sind 50 Arbeitsplätze in Gefahr. Die IG Metall Bonn-Rhein-Sieg hat die Betroffenen am Mittwochmittag in der Mittagspause zu einer helbstündigen Kundgebung vor die Tore der Firma versammelt. 

Die IG Metall Bonn-Rhein-Sieg hat die Betroffenen zu einer helbstündigen Kundgebung vor die Tore der Firma versammelt.

Mit Pfeifen und Rasseln haben die Beschäftigten der Firma Ammann Verdichtung GmbH aus Hennef am Mittwoch in der Mittagspause lautstark auf ihre Lage aufmerksam gemacht. In der Produktion an der Josef-Dietzgen-Straße 36 droht der Wegfall von 50 Arbeitsplätzen.

Produktion soll nach Tschechien verlagert werden

Die IG Metall Bonn-Rhein-Sieg hatte zu der halbstündigen Kundgebung im Gewerbegebiet West aufgerufen. Gewerkschaftssekretär Florian Steinhauer ergriff um kurz nach 12 Uhr das Wort. „Es wird Zeit, dass wir hier mal Zähne und ein bisschen Gegenwind zeigen“, sagte er.

Hintergrund ist die geplante Verlagerung der Produktion nach Tschechien, wodurch 50 Beschäftigte am Standort Hennef ihren Arbeitsplatz verlieren sollen. Im letzten Jahr seien 40 Tschechen nach Hennef gekommen, die von den Hennefer Industriemechanikern angelernt wurden.  

„Die tschechischen Kollegen sollten in ihrem Land Auftragsspitzen abfangen. Nervöser Traum der Geschäftsleitung“, fügte Steinhauer an. Der Betriebsrat habe alles versucht, um dagegen zu wirken. Die Mühlen der Gerichte hätten allerdings zu langsam gemahlen. 

Gewerkschaftssekretär Florian Steinhauer sprach zu den Betroffenen.

Gewerkschaftssekretär Florian Steinhauer (rechts) sprach zu den Betroffenen.

In den anschließenden Tarifverhandlungen sei ein Kompromiss über zwei Jahre geschlossen worden. „Nach Aussage des Geschäftsführers sollen wir den Abschluss für zwei Jahre als Zukunft für den Standort Hennef sehen. Was daraus geworden ist, sehen wir heute“, so Steinhauer.

Als die Tinte des Tarifvertrags trocken gewesen sei, habe sich die Geschäftsleitung vor die Beschäftigten gestellt und erklärt, dass der Muttekonzern in der Schweiz es sich anders überlegt habe. „Die Produktion wird geschlossen“, habe es fortan geheißen.

Verhandlungen über einen Sozialplan laufen seit Mitte Februar

Die Verhandlungen über einen Interessenausgleich und Sozialplan laufen bereits seit Mitte Februar zwischen der Geschäftsleitung und dem Betriebsrat der Ammann Verdichtung GmbH. Die Situation für die Beschäftigten hat sich nun nochmals drastisch zugespitzt, da man vonseiten de Firma Ammann nach durchaus konstruktiven Verhandlungen die Mittel für die Abfindungen der Beschäftigten zurückgezogen beziehungsweise drastisch reduziert hat.

„Für dieses Abfindungsprogramm hat uns die Schweiz einen umfangreichen Topf zur Verfügung gestellt. Als sich der Betriebsrat erdreistet hat, mit der Geschäftsleitung darüber zu verhandeln, gab es nur ein Schreiben, dass man das Gefühl habe, das das Entgegenkommen nicht ausreichend gewürdigt werde“, erklärt Steinhauer. Der Topf sei vom Tisch und man stehe wieder bei Null.  

Ab jetzt sind somit Arbeitskampfmaßnahmen nicht mehr ausgeschlossen. Es schlägt 12 und wir müssen Zähne zeigen. Wir lassen uns nicht ausbeuten
Florian Steinhauer, Gewerkschaftssekretär IG Metall Bonn-Rhein-Sieg

Die IG Metall habe die Geschäftsleitung von Ammann zu Verhandlung über einen Sozialtarifvertrag aufgefordert. Man könne sich einen Tarifvertrag, der die Abpfindungsbedingungen regelt, auch erstreiken. „Ab jetzt seien somit Arbeitskampfmaßnahmen nicht mehr ausgeschlossen. Es schlägt 12 und wir müssen Zähne zeigen. Wir lassen uns nicht ausbeuten“, hatte Steinhauer auch Unterstützer mitgebracht. 

Was nun bei Ammann geschehe, sei auch schon in anderen Firmen passiert. So wendeten sich die Betriebsräte von Danfoss und Sulzer aus Lohmar an die Betroffenen. Unterstützende Grüße gab es zudem von den Vertrauensleuten der Firmen Walterscheid aus Lohmar und Mannstaedt-Werke aus Troisdorf.

Auch Hennef Bürgermeister Mario Dahm wohnte der Kundgebung bei. „Ich kann zwar an der Standortentscheidung nichts ändern und habe keinen Einfluss auf die Verhandlung. Aber ich möchte meine Solidarität zeigen“, sagte er.  

Bei der Firma Ammann GmbH in Hennef sind rund 130 Beschäftigte angestellt. Die Produktion mit 50 Angestellten soll nach Tschechien verlagert werden. Am Standort werden Bodenverdichter oder Stampfer für den Gartenbaubereich hergestellt. Der Mutterkonzern ist in der Schweiz angesiedelt. Seit 1984 ist der Hennefer Betrieb ein Teil der Ammann-Gruppe.