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BundesfreiwilligendienstJunge Menschen begleiten Lohmarer Hospizgäste am Ende des Lebens

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Fünf junge Menschen knien am Bett einer älteren Frau.

Luise Panzer, Julio Beña, Jannis Roth, Mateo Ruiz und Mariana Sanchez sind seit elf Monaten Teil des Elisabeth-Hospizes - und haben engen Kontakt zu den Gästen aufgebaut.

Fünf junge Leute absolvieren im Hospiz in Lohmar zurzeit ihren Bundesfreiwilligendienst. Sie erzählen, warum sie sich für Sterbende engagieren. 

Der Tod ist für junge Leute weit weg: Liebe, Träume, Pläne. Wer in einem Hospiz arbeitet, wird damit jedoch unweigerlich konfrontiert. Fünf junge Freiwillige, die im Elisabeth-Hospiz in Lohmar-Deesem arbeiten, erzählen von ihren Erfahrungen und welche Momente sie am meisten berührt haben.

Die fünf, die seit elf Monaten den Bundesfreiwilligendienst (BFD) absolvieren, sind Mateo Ruiz (25), Mariana Sanchez (20), Julio Beña (25), Jannis Roth (18) und Luise Panzer (18). Ruiz und Sanchez kommen aus Kolumbien, Beña aus Venezuela. Sie kamen als Au-pair nach Deutschland, der Lohmarer Roth und die Niederkasselerin Panzer suchten nach der Schule eine Aufgabe. Sie leben als WG in Deesem, das Haus, das zum Hospiz gehört, heißt nicht zufällig „Neu-Seh-Land“. Denn die Freiwilligen sollen durch ihre Erfahrungen neue Perspektiven auf das Leben entwickeln.

Ein Haus mit einem schönen Garten.

Das Elisabeth-Hospiz in Lohmar-Deesem ist ein Ort der Ruhe, an dem mancher Gast vergessen könnte, warum er hier ist.

„Ich wollte vor allem mein Deutsch verbessern, bevor ich eine Ausbildung zur Pflegefachkraft mache“, schildert Mariana Sanchez ihre Motivation. Mateo Ruiz ergänzt, er habe nach dem Studium eine neue Erfahrung machen und Deutschland kennenlernen wollen. „Ich habe Soziale Arbeit studiert, der Freiwilligendienst im Hospiz passt dazu. Ich hatte das Gefühl, dass es sinnvoll sein könnte, hier zu bleiben, um mich weiterentwickeln“, sagt er.

Der Umgang mit dem Tod ist Teil des Engagements der jungen Menschen

Ihr Dienst beginne jeden Morgen mit der Übergabe durch den Nachtdienst. „Wir servieren das Frühstück und räumen es ab. Dann helfen wir dabei, die Gäste zu waschen, anzukleiden oder auf die Toilette zu bringen. Dann kommt das Mittagessen, wo wir in der Küche unterstützen“, sagt Luise Panzer. So weit, so normal, die Tätigkeit in einer Pflegeeinrichtung. Doch da ist etwas, das früher oder später jedem begegnet.

„Man sieht es bereits vorher sehr gut: Die Hautfarbe verändert sich, dann weiß jeder, dass es bald soweit ist, und ist vorbereitet“, sagt die 18-Jährige. Der Umgang mit dem Tod gehört ebenso zu den Aufgaben der Freiwilligen: „Meist ist ein Verwandter da. Unsere Priorität ist dann, die Angehörigen zu versorgen, mit ihnen zu quatschen, sie auf andere Gedanken zu bringen.“

Jannis Roth sagt: „Meine Oma ist auch schon gestorben, aber hier ist das anders. Das erste Mal war ein bisschen heftig. Man entwickelt Mitgefühl mit den Gästen, weil es Menschen waren, die gelitten haben. Darüber habe ich viel nachgedacht, aber gelernt, damit umzugehen.“ Julio Beña kann sich dem anschließen: „Man baut eine Sympathie zu den Menschen auf, aber hat eine gute Distanz. Die Körper der Verstorbenen sind kalt, das fühlt sich komisch an, ich kann aber gut damit umgehen.“

Seit mehr als 35 Jahre engagieren sich junge Leute im Lohmarer Team

Mariana Sanchez ergänzt: „Wenn sie lange Zeit hier waren, ist das nicht einfach, dann ist das, als wäre mein Opa gestorben – so war es bei meinem Lieblingsgast, der vor zwei Monaten gegangen ist.“ Auch sie selbst nutzten die Möglichkeit, sich zu verabschieden. Beña erinnert sich an eine Frau, die seit seinem ersten Tag hier gewesen sei. „Sie war selbst Ausländerin, sie konnte verstehen, wie das für uns ist. Sie hat uns gut behandelt, und wir hatten schöne Momente zusammen.“ Eine Kerze habe der 25-Jährige für die Frau im Raum der Stille angezündet, in dem Angehörige, aber auch Mitarbeitende in aller Ruhe Verstorbener Gedenken können.

Junge Menschen als Teil des Teams, das kennt das Hospiz schon seit mehr als 35 Jahren. „Früher waren es Zivildienstleistende, dann Freiwillige im FSJ und BDF. Bis zu sieben sind gleichzeitig hier, arbeiten ein Jahr mit und wohnen in einem separaten Haus in einer WG zusammen“, berichtet Edgar Drückes, Leiter des Elisabeth-Hospizes. Das Projekt beruhe auf Spendenbasis.

Das Hospiz in Lohmar muss jedes Jahr 50.000 Euro aufbringen

Zwar erhalte das Hospiz Fördergeld, rund 50.000 Euro müsse es jedoch selbst jedes Jahr für Wohnen, Essen und Gehalt der Freiwilligen aufbringen Sie unterstützen die Pflegekräfte bei ihrer Arbeit, helfen beim Duschen und Waschen der Gäste und beim Auskleiden der Verstorbenen. „Dadurch lernen sie auch die Angehörigen kennen und entwickeln einen guten Kontakt zu den Gästen.“

Eine junge Frau und ein junger Mann schneiden Kuchen und stellen die Stücke auf Teller.

Nachmittags gibt es Kuchen für die Gäste: Küchendienst gehört zu den Aufgaben von Mariana Sanchez (20) und Jannis Roth (18).

Viele wüssten noch nicht, was sie beruflich machen sollten, doch viele schlügen einen Weg im Sozialen ein. „Ein größerer Teil geht in die Pflege oder arbeitet im Krankenhaus. Einer ist auch Arzt geworden“, schildert Drückes.

Manche Gäste bleiben Wochen oder Monate, manche auch nur Tage. Viele blühen noch einmal auf und erholen sich – aber auch nicht immer
Edgar Drückes, Leiter des Elisabeth-Hospizes

Wer in ein Hospiz umziehe, habe den Tod vor Augen. „Manche Gäste bleiben Wochen oder Monate, manche auch nur Tage. Viele blühen noch einmal auf und erholen sich – aber auch nicht immer.“ Wichtiger sei die seelische Ebene: „Die Menschen fühlen sich geborgen und aufgehoben, sie merken, sie werden als Mensch geschätzt, ihre Wünsche werden wahrgenommen, sie erfahren Zuwendung.“

So individuell wie Menschen und ihre Krankheiten seien, so individuell sei auch das Sterben. „Manche werden ruhig, manche unruhig. Das ist das. was wir sehen – ob derjenige es so empfindet, wissen wir nicht. Man kann beeinflussen, dass jemand schmerzfrei ist, oder ihn beruhigen. Dank guter Medizin und Begleitung gehen die meisten Gäste ruhig“, sagt Drückes. Sie freuten sich, den jungen Freiwilligen zu begegnen. „Die Gespräche sind einfach anders, das schätzen sie.“

Die Zeit in Lohmar sieht der Leiter als Lebensschule für die jungen Leute

Der Tod sei etwas, das von vielen Menschen verdrängt werde – insbesondere im jungen Alter. „Das ist ja auch normal. Diejenigen, die sich hier bewerben, haben sich bewusst damit auseinander gesetzt. Ich glaube schon, dass das prägt, es ist eine intensive Zeit, eine Lebensschule“, sagt Drückes. Mit dem Einbinden der jungen Mitarbeitenden wolle das Hospiz etwas gegen diese gesellschaftliche Verdrängung von Krankheit, Sterben und Tod machen. „Die Erfahrungen die sie hier machen, nehmen die jungen Leute mit in ihre Familien und den Freundeskreis.“

In ihren Heimatländern seien Hospize nicht sehr verbreitet, sagen die drei Südamerikaner. „Es gibt sie zwar, aber die meisten Leute in Venezuela halten Totenwache, vor allem auf dem Land. Die Person stirbt traditionell im Kreis der Familie“, sagt Julio Beña. „In Kolumbien gibt es gar keine Hospize. Die Leute gehen da anders mit um. In Deutschland besuchen Angehörige ihre Verwandten und können eher loslassen. In Kolumbien glauben sie an Geister, weil sie das nicht können“, beschreibt Mateo Ruiz.

Hier sehe ich, dass der Tod immer einfach so kommen kann
Luise Panzer

Luise Panzer sagt, sie versuche, ihre eigenen Pläne für ihr Leben so bald wie möglich in die Tat umzusetzen. „Die Einstellung hatte ich schon vorher am besten, aber hier sehe ich, dass der Tod immer einfach so kommen kann.“ Mateo Ruiz, der in einem Krankenhaus arbeiten möchte, sagt: „Wir sind emotional reifer. Vorher dachte ich, dass ich damit nicht umgehen könnte, aber jetzt schon.“

Diese Reaktion höre Luise Panzer in ihrem Umfeld oft. „Viele sagen, sie könnten so eine Arbeit nicht machen. Die Angehörigen aber wissen, was hier passiert: Es gab mal die Schwester eines Gastes, die von Krankenhaus zu Krankenhaus gefahren war, damit die Person es schön hatte. Am Ende kamen sie ins Hospiz. Die Schwester war traurig, aber auch erleichtert.“