Seit Jahrzehnten ist der Aueler Hof eine Institution in Lohmar-Wahlscheid. Nun übernimmt mit Stefanie Günther die nächste Generation.
Generationswechsel im TraditionslokalStefanie Günther führt den Aueler Hof in Wahlscheid weiter

Lydia (l.) und Ralf Günther (r.) haben den Aueler Hof seit 2005 geführt. Bis Ende des Jahres wird ihre Tochter Stefanie (Mitte) die Verantwortung für die Gastronomie übernehmen.
Copyright: Lilian von Storch
Der Aueler Hof in Lohmar-Wahlscheid ist eine Institution, und das schon seit etwa 350 Jahren. Seit 2005 haben Ralf Günther und seine Frau Lydia den Gasthof geführt und mit ihren vier Kindern in der Wohnung darüber gewohnt. Nun soll die älteste Tochter Stefanie (38) ab etwa Ende des Jahres die Verantwortung für die Gastronomie übernehmen.
Ehepaar Günther hört altersbedingt auf - das zog Gerüchte nach sich
„Ich werde dieses Jahr 67, meine Frau 66. Das ist auch der Grund, warum wir aufhören“, sagt Ralf Günther. „Das hier macht uns zwar enorm viel Spaß, aber es ist eben kein einfacher Job, das ist eine Berufung.“ In der Küche werde es im Sommer schnell mal bis zu 60 Grad heiß. Günthers Arbeitstag beginnt nicht selten schon gegen 4 Uhr morgens: Dann geht er Gemüse kaufen und bereitet die Küche für den Tag vor, ab 11 Uhr öffnet dann das Restaurant. Ein Alltag, der zunehmend schwer zu stemmen sei.
Die Nachricht, dass die Günthers eventuell aufhören, habe sich schon seit Monaten im Dorf herumgesprochen, erzählt Ralf Günther. „Hier geht ja unheimlich viel stille Post ab. Letztes hab ich erst gehört, ich würde nach Ostfriesland ziehen - keine Ahnung, wie die Leute da drauf kommen.“ Um für Klarheit zu sorgen, schickte er kürzlich eine Whatsapp-Nachricht herum, in der er seine Tochter Stefanie als zukünftige Betreiberin ankündigte.
Hier geht ja unheimlich viel stille Post ab. Letztes hab ich erst gehört, ich würde nach Ostfriesland ziehen
„Der Aueler Hof ist für mich auch ein Stück Heimat“, sagt Stefanie Günther. Nach ihrem Abitur zog sie für drei Jahre nach Aachen und schloss dort im Quellenhof eine Ausbildung zur Hotelfachfrau ab. „Weil ich ein absolutes Dorfkind bin, bin ich schon im letzten Lehrjahr fast jeden Tag nach Hause gefahren“, erzählt Günther. Nach ihrer Ausbildung begann sie, fest angestellt im Aueler Hof zu arbeiten und war dort unter anderem für Absprachen mit Gästen zu Veranstaltungen verantwortlich.
An ihrer Arbeit schätze sie vor allem, dass jeder Tag ein bisschen anders ist, „und dass man jeden kennt. Das war im Hotel natürlich viel unpersönlicher“. Mit ihrer Tochter und ihrem Partner lebt die 38-Jährige heute in Neuhonrath.

Der Aueler Hof in Wahlscheid ist unter anderem Treffpunkt für viele Vereine.
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Ein paar Kleinigkeiten werde sie schon ändern, sagt Stefanie Günther, aber das Grundkonzept solle auf jeden Fall bestehen bleiben, damit die vielen Stammkunden weiterhin das bekommen, was sie zu schätzen wissen. Unter anderem wolle sie das fleischlose Angebot erweitern. „Die älteren Leute schätzen es, dass es hier noch eine richtige Wirsingroulade gibt, wie von Oma gemacht. Aber auch vegane und vegetarische Küche wird einfach immer mehr von Gästen nachgefragt.“
Zu ihren persönlichen Lieblingsgerichten im Aueler Hof zählen die Champignonsuppe von ihrem Vater und das Braumeisterschnitzel, „aber lieber mit Hühnerfleisch“. Außerdem freue sie sich jeden Mittwoch auf die Reibekuchen am Abend, für die Besucherinnen und Besucher teilweise auch aus Köln anreisen.
Aueler Hof soll ein Vereinslokal bleiben
Wichtig sei ihr vor allem, den Charakter des Aueler Hofs als Vereinslokal zu erhalten, sagt Stefanie Günther. Stammtische, Gesangvereine oder politische Parteien treffen sich dort regelmäßig, Taufen, Geburtstage und Hochzeiten werden gefeiert. In der Coronazeit gaben die Betreiber für einen Euro Essen an Bedürftige aus. Beim Hochwasser und größeren Bränden versorgten sie die Feuerwehr und freiwillige Helfer mit Essen. „Wenn hier zwei Feuerwehrautos rausfahren, sind wir quasi schon auf Abruf und fangen an, Suppe zu kochen“, sagt Stefanie Günther.
Die Leute wissen, dass sie sich hier sicher fühlen können.
Dieses Helfen gehöre zu ihrer Identität als Dorfgasthaus dazu. Einmal kamen zwei Mädchen im Alter von etwa 13 Jahren nach der Schule in den Aueler Hof, weil sie sich verfolgt fühlten, erinnert sich Stefanie Günther. „Die Leute wissen, dass sie sich hier sicher fühlen können.“ Gewisse Leute werden im Aueler Hof außerdem konsequent rausgeschmissen, so Ralf Günther: „Hier ist nix mit Nazis. Wer braun ist, der weiß, er kann woanders hin gehen.“ Alle demokratischen Parteien dürfen sich hier treffen, die AfD dulde er nicht.
Für die Übernahme der Gastronomie haben sich zahlreiche Interessenten gemeldet, obwohl es keine Ausschreibung gab, sagt Ralf Günther: „Irgendwo stand es wohl im Netz. Die Leute wissen, dass der Laden gut läuft. Einmal kamen Leute aus dem Ruhrgebiet, die meinten, sie wollen das hier kaufen, dabei stand es nie zum Verkauf.“ Die Verpächter haben von Anfang an befürwortet, dass Stefanie Günther den Gasthof übernehmen soll, sagt Ralf Günther: „Steffi ist jetzt schon eine Ansprechpartnerin für viele der Leute im Dorf, deswegen hat das einige wirklich gefreut.“
Bis Ende des Jahres soll Stefanie Günther etwa die Verantwortung für den Aueler Hof übernehmen. Ralf Günther und seine Frau werden weiterhin als Ansprechpartner im Gasthof unterwegs sein und sich nach und nach zurückziehen.
