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LebenshofWie ein 45-jähriges Shetlandpony aus Lohmar zum Instagram-Star wurde

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Tara Tierhilfe in Lohmar: Shetlandpony Otto (45) ist zum Instagram-Star geworden.

Das ehemalige Zirkuspony Otto (rechts) mit seinem besten Freund Willow. 

Früher trat Otto im Zirkus auf: Das 45-jährige Shetlandpony erobert Instagram und lockt Besucher auf den Lebenshof „Tara Tierhilfe“.

Otto stand früher im Zirkus auf der Bühne, in seinem Ruhestand wurde er nochmal zum Instagram-Star. Das 45-jährige Shetlandpony lebt auf dem Lebenshof „Tara Tierhilfe“ in Lohmar-Krahwinkel. Mit ihm wohnen hier etwa 100 andere Tiere, darunter Pferde, Esel, Hühner, Puten, Ziegen, Schweine, Schafe und Schildkröten, und alle tauchen immer wieder auf den Instagram- und Facebook-Kanälen der Tierhilfe auf. „Jeder hier hat seinen eigenen Charakter und Liebreiz. Aber irgendwie mögen die Leute den Otto besonders gern“, sagt Ulla Fiebig, die den Lebenshof leitet.

Otto-Fans reisen aus dem Ruhrgebiet an, um das Pony zu sehen

Otto ist winzig, hat große, dunkle Knopfaugen und fluffiges, hellbraunes Fell, das in seinem Gesicht schon ergraut ist. „Dadurch, dass er schon so alt ist, geht er auch ein bisschen steif, das sieht eben sehr niedlich aus“, sagt Ulla Fiebig. Keins der Videos von Otto ist inszeniert, aber seine tapsige, neugierige und langsame Art wirkt vor der Kamera besonders liebenswürdig. „Am Ende ist es egal, ob wir filmen wie er steht, geht, guckt, frisst – die Leute schauen ihm so gerne zu“, sagt Fiebig.

Immer wieder tauchen Besucherinnen und Besucher auf dem Hof auf, weil sie Otto sehen wollen. Kürzlich kam eine Gruppe dafür extra aus Gelsenkirchen angereist. Das Pony hat mittlerweile sogar seine eigenen Andenken: zum Beispiel einen kleinen Schlüsselanhänger aus Holz, in den ein Bild von Otto eingebrannt ist, wie er neugierig nach oben schaut.

Tara Tierhilfe in Lohmar: Shetlandpony Otto (45) ist zum Instagram-Star geworden. Von ihm gibt es auch Merch - hier ein Schlüsselanhänger.

Von Otto gibt es bei der Tara Tierhilfe auch Andenken: einen Schlüsselanhänger aus Holz.

Eins der neuesten Videos mit Otto hätten mehr als 53.000 Menschen angesehen, erzählt Fiebig. Es zeigt Otto, wie er einem Trecker im Weg steht, der gerade über den Hof fährt. Trotz mehrfachen Hupens lässt das Pony sich nicht aus der Ruhe bringen; ab und zu trottet es ein paar Schritte weiter, dann bleibt es wieder stehen. „Es kann gut passieren, dass man hier bei uns auf dem Hof gezwungenermaßen entschleunigt wird“, schreibt die Tierhilfe darunter. 

Tagsüber läuft Otto mit seinen Freunden über den Hof, er sei neugierig und liebe es, die Gegend zu erkunden, sagt Fiebig. Abends schläft er in seiner Box, direkt neben seinem Freund Willow, das zweite Shetlandpony des Hofes. „Wir hatten mal drei davon, und als der dritte gestorben ist, haben Otto und Willow richtig getrauert. Die haben 'ne ganze Weile nicht gegessen und waren richtig apathisch“, erinnert sich Ulla Fiebig.

Tara Tierhilfe in Lohmar: Shetlandpony Otto (45) ist zum Instagram-Star geworden

Ulla Fiebig schätzt Ottos Alter auf 45 Jahre.

Vor zwölf Jahren kam Otto auf den Lohmarer Hof. Kurz vorher hatte Ulla Fiebig bereits zwei Pferde von einem Zirkus aufgenommen, was sich scheinbar schnell herumsprach. Eine Woche später fuhr ein Transporter aus Frankfurt vor, zwei Männer stiegen aus und berichteten, sie hätten gehört, man könne auf dem Hof Ponys abgeben. „Ich wollte gerade sagen, ‚so einfach ist das nicht‘“, erinnert sich Fiebig. „Aber in dem Moment hatten sie den Otto schon vom Sprinter heruntergehoben. Dann stand er da, schon damals älter und ganz dünn. Tja, dann hab ich halt gesagt, ‚ja das stimmt‘.“

Damals war Otto bereits über 30 und nicht mehr fit genug für seine Zirkustricks. Ulla Fiebig schätzt sein Alter auf 45 Jahre - präzise könne man das nicht sagen, aber Zahnstatus, Fell und Haltung des Tieres deuteten darauf hin. Shetlandponys können theoretisch 50 Jahre alt werden, aber das ist sehr selten.

Tara Tierhilfe in Lohmar: Leiterin Ulla Fiebig (57) mit dem Hund Eliah-Opalio

Ulla Fiebig (57), Leiterin des Lebenshofs, mit dem Hund Eliah-Opalio.

Bei der Tierhilfe angekommen, wurde er erst einmal mit einer Breimischung aufgepäppelt, er hatte nicht mehr viele Zähne. „Ich glaube nicht, dass die Leute vom Zirkus schlecht zu ihm waren, aber damals mussten Zirkusse auch schon kämpfen“, sagt Ulla Fiebig. „Die hatten kein Geld, ihre alten Tiere noch durchzubringen.“

Ich denke, dass der Otto ein Botschafter sein kann für alle Tiere, die Hilfe brauchen.
Ulla Fiebig

Die meisten Tiere, die die auf ihrem Hof leben, wurden abgegeben, weil ihre Halter sie nicht mehr versorgen können, sich Tierarztkosten nicht mehr leisten können. „Diese steigenden Kosten sind für uns natürlich auch ein Problem“, betont Martina Boeren-Krumbach, die die ehrenamtliche Arbeit auf dem Hof koordiniert. „Wir bekommen keine Förderung oder Zuschüsse. Wir finanzieren uns durch Spenden, Kindergeburtstage und Führungen.“ Außerdem gibt es die Möglichkeit, eine Patenschaft für ein dort lebendes Tier zu übernehmen.

Tara Tierhilfe in Lohmar: Lorelai ist eine Mastpute.

Ottos Bekanntschaft hilft allen Tieren auf dem Hof: Auch der Mastpute Lorelai.

Wenn ein Tier wie Otto auf sozialen Medien viral gehe und auf diese Weise mehr Menschen auf die Tierhilfe aufmerksam würden, wirke sich das auch auf die Spendenbereitschaft aus, sagt Ulla Fiebig. „Ich denke, dass der Otto ein Botschafter sein kann für alle Tiere, die Hilfe brauchen“, sagt die Leiterin des Lebenshofes. „Wie wunderbar ist dieses Tier, und wie viele Menschen bewegt er? In jedem Tier, das hier gerettet wurde, steckt so eine Persönlichkeit.“ Sie deutet auf die Mastpute Lorelai, die in diesem Moment vorbeispaziert. „Sie zum Beispiel - jeder isst Pute, aber die wenigsten wissen, wie sie aussehen“, gibt Ulla Fiebig zu bedenken. „Die sind ja auch nicht ganz so liebreizend auf den ersten Blick und haben gar keine Lobby.“

Eigentlich hat Ulla Fiebig nie geplant, einen solchen Hof zu eröffnen. Mit 15 Jahren kaufte sie heimlich ihre ersten beiden Pferde. Bald sprach sich herum, dass sie ein großes Herz für Tiere hat, und so kamen immer mehr davon zu ihr. Bereut hat sie das nie, auch wenn sie seit 18 Jahren nicht mehr in den Urlaub fahren konnte. „Viele Menschen in meinem Alter fragen sich: Was ist jetzt der Sinn meines Lebens?“, sagt die 57-Jährige. „Ich wache jeden Morgen auf und weiß, was mein Sinn ist.“


Wer Otto und die anderen Tiere persönlich kennenlernen will, hat die Möglichkeit dazu am Samstag, 2. Mai. Von 13 bis 17 Uhr öffnet die Tara Tierhilfe in der Krahwinkeler Straße 46 ihre Pforten zum „Tag der offenen Stalltür“.