Wie sich die RG Haus Dorp vom Jagdreiterverein zu einer festen Größe im Lohmarer Vereinsleben entwickelt hat.
Runder GeburtstagReitgemeinschaft Haus Dorp aus Lohmar seit 50 Jahren fest im Sattel

Reiter ziehen in langen Reihen über die Wiesen des Naafbachtals.
Copyright: RG Haus Dorp
Als eine Gruppe Pferdefreunde am 2. Februar 1976 die Reit- und Jagdgemeinschaft Naafbachtal Lohmar gründete, dachte vermutlich niemand daran, dass daraus einmal eine feste Institution des regionalen Pferdesports werden würde. Fünf Jahrzehnte später blickt die heutige RG Haus Dorp auf eine bewegte Geschichte zurück: mit sportlichen Höhepunkten, großen Turnieren, gesellschaftlichen Veränderungen und einer Leidenschaft, die Generationen verbindet.
Vom Wiesenritt zur modernen Anlage
Wer die alten Vereinsfotos betrachtet, taucht ein in eine andere Zeit. Reiter ziehen in langen Reihen über die Wiesen des Naafbachtals, Geländeritte führen durch Felder und Wälder, kleine Turniere finden auf einfachen Grasplätzen statt. Pferdesport war damals eng mit Natur, Gemeinschaft und Abenteuer verbunden. „Die ersten Jahre waren stark vom Jagdreiten geprägt“, erinnert sich Sportwart Thomas Balthazar: „Viele Veranstaltungen fanden draußen im Gelände statt. Das hatte einen ganz besonderen Reiz.“
Balthazar trat bereits 1982 als 15-Jähriger in den Verein ein. Aus der Reit- und Jagdgemeinschaft Naafbachtal Lohmar wurde schließlich die deutlich kürzere und bis heute gebräuchliche Reitgemeinschaft Haus Dorp. „Dass ich über 40 Jahre später immer noch dabei bin“, sagt Balthazar mit einem Schmunzeln, „hat auch damit zu tun, das mein Bruder und meine Mutter ebenfalls tatkräftig mitgeholfen haben.“

Sportwart Thomas Balthazar kennt die Geschichte des Vereins wie kaum ein anderer.
Copyright: Olaf Pohl
Die Entwicklung des Vereins verlief rasant. Nach der ersten Blechhalle im Jahr 1977 folgten ein Rasen-Springplatz und ein Außen-Dressurviereck. Mit den Reithallenbauten 1986 und 2000/2001 entwickelte sich die Anlage Schritt für Schritt zu einem modernen Trainings- und Turnierstandort. Parallel wuchs die Mitgliederzahl kontinuierlich. „Die RG Haus Dorp war immer mehr als nur ein Sportverein“, sagt die stellvertretende Vorsitzende Heike Scholl: „Viele Mitglieder sind über Jahrzehnte geblieben. Daraus sind Freundschaften entstanden.“
In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich die Anlage zu einem Treffpunkt für Reitsportler aus der gesamten Region. Gleichzeitig professionalisierte sich der Pferdesport zunehmend. Besonders in den 2000er- und frühen 2010er-Jahren gehörte die RG Haus Dorp zu den renommierten Turnierstandorten im Rhein-Sieg-Kreis.

In einer Blechhalle fanden die ersten Turniere statt.
Copyright: RG Haus Dorp
Dressurfestivals mit Prüfungen bis zum Grand Prix Special lockten Spitzenreiter nach Lohmar. Mehr als 1600 Nennungen wurden teilweise registriert. Bei Kreismeisterschaften strömten zahlreiche Besucher auf die Anlage. „Wir hatten zeitweise Turniere über vier Tage mit mehreren Prüfungsplätzen“, erinnert sich Schatzmeisterin Martina Janiel: „Das waren beeindruckende Veranstaltungen, die nur durch den Einsatz vieler Ehrenamtlicher möglich wurden.“
Der Pferdesport verändert sich
Auch bekannte Reiter wie Heiner Schiergen gingen in Haus Dorp an den Start. Wenn die großen Prüfungen anstanden, füllten sich Tribüne und Anlagenrand mit Hunderten Besuchern. Auch selbst brachte die RG Haus Dorp immer wieder erfolgreiche Reiterinnen und Reiter hervor. Zu den bekanntesten Aushängeschildern der vergangenen Jahre zählt Dressurreiterin Dorte Pack, die mit ihrem Wallach Esteban bis in die schweren Klassen und auf internationale Turniere vordrang.

Aushängeschild des Vereins ist Dressurreiterin Dorte Pack mit ihrem Wallach Esteban.
Copyright: Olaf Pohl
Doch die Rahmenbedingungen haben sich verändert. Während der Pferdesport in Deutschland weiterhin Millionen Menschen begeistert (siehe Infokasten), kämpfen viele Vereine mit steigenden Kosten, wachsendem Organisationsaufwand und sinkenden Teilnehmerzahlen bei Turnieren. Auch die RG Haus Dorp bekam diese Entwicklung zu spüren. Das ursprünglich geplante Turnier 2025 wurde wegen zu geringer Beteiligung abgesagt. Den Optimismus hat man in Haus Dorp dennoch nicht verloren. Mit dem Jubiläumsjahr verbindet sich auch ein Wechsel an der Vereinsspitze. Jochen Daniels hat den Vorsitz von Martina Janiel übernommen, die den Verein über viele Jahre geprägt hat. „50 Jahre Vereinsgeschichte sind etwas Besonderes. Darauf können wir stolz sein. Gleichzeitig wollen wir den Verein so aufstellen, dass auch die nächsten Generationen hier ihre sportliche Heimat finden“, sagt Daniels.
Die Voraussetzungen dafür scheinen vorhanden. Rund 150 Mitglieder zählt der Verein aktuell. Viele von ihnen engagieren sich ehrenamtlich. Manche bereits in zweiter oder dritter Generation.
So schließt sich der Kreis zu den alten Fotografien aus den Anfangsjahren. Die Landschaft rund um Haus Dorp hat sich kaum verändert. Und auch die Begeisterung für Pferde ist geblieben. Genau darin liegt vielleicht das Geheimnis eines Vereins, der seit 50 Jahren fest im Sattel sitzt.
