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Was kann ich für die Demokratie tun?Rund 250 Teilnehmende bei Kundgebung für Demokratie in Niederkassel

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Rund 250 Teilnehmende kamen zur Kundgebung auf dem Rathausplatz.

Rund 250 Teilnehmende kamen zur Kundgebung auf dem Rathausplatz.

Auch Schulen und Pfadfinder-Gruppen beteiligten sich am rund zweistündigen Programm der Kundgebung.

Rund 250 Menschen haben sich trotz Kälte und Nässe zu einer Kundgebung am Rathausplatz in Niederkassel eingefunden. Aufgerufen hatte das Netzwerk „Niederkassel für Demokratie“, um ein Zeichen für eine Gesellschaft ohne Rassismus, ohne Extremismus, ohne Hass zu setzen.

Ulrich Buchholz, der zum Kernteam des Netzwerks Niederkassel für Demokratie gehört, freute sich über die vielen Menschen, die am Freitagabend teilnahmen, sagte er der Redaktion. „Es gab viele Konkurrenzveranstaltungen zum Beispiel vom Karneval oder der Handball-EM. Und trotzdem sind mehr als 200 Menschen gekommen, da können wir zufrieden sein“, so Buchholz.

Schüler setzten sich mit persönlichen Rassismus-Erfahrungen auseinander

Besonders hob er hervor, dass auch viele junge Teilnehmende sich an der Kundgebung beteiligten. „Alle drei weiterführenden Schulen waren dabei, ebenso wie Pfadfinder. Das freut uns sehr.“ Die Schulen hatten unter anderem eigene Beiträge für das insgesamt rund zweistündige Programm vorbereitet.

Dabei ging es vor allem um persönliche Erfahrungen mit Rassismus. Die Schülerinnen und Schüler erklärten aber auch, wie sie im Unterricht mit Plakaten, Kunstwerken, Gedichten und Diskussionen mit Rassismus und Demokratie arbeiten. Einen weiteren roten Faden bildete die Frage, was man selbst für die Demokratie tun kann, teilt das Netzwerk mit. 

Kunstwerk von Syuzi Vardanyan vom Kopernikus-Gymnasium zur Zerstörung der Demokratie

Mit ihrem Kunstwerk thematisiert Syuzi Vardanyan vom Kopernikus-Gymnasium die drohende Zerstörung der Demokratie

Als eine Teilnehmerin aus dem Iran auf die Bühne trat, sei die Stimmung besonders bewegt gewesen, heißt es vom Netzwerk. „Sie sprach über den Wunsch der Menschen in ihrem Land nach Freiheit und Demokratie – und über die Gräueltaten, die dort derzeit täglich geschehen.“

Unter den Rednerinnen und Rednern auf der Bühne waren Niederkassels Bürgermeister Matthias Großgarten (SPD), Pfarrer Jens Römmer-Collmann, Mitglieder der AG Demokratie am Kopernikus-Gymnasium, Miri Noske vom DPSG Pfadfinder-Stamm Roncalli Niederkassel, Mitglieder der Antirassismus-AG der „Gesamtschule - Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“, Klára Kohlhepp, stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Chancengerechtigkeit und Integration der Stadt Niederkassel, Mahsa Bezhad und Sandra Eschenbach von der Alfred-Delp-Realschule (ebenfalls „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“). Ruth Plum vom Netzwerk hielt die Abschlussrede.

Wolfgang Niedecken, Frontmann der Kölschrockband BAP, steuerte ein Grußwort zur Kundgebung bei.

Teilnehmende der Alfred-Delp-Realschule auf der Bühne

Teilnehmende der Alfred-Delp-Realschule auf der Bühne

„Unsere Demokratie ist mehr denn je durch Extremisten bedroht – durch Rechtsextremisten, Linksextremisten, islamistische Extremisten und andere“, sagte Ruth Plum. Die Bedrohung zeige sich in Anschlägen auf Menschen und Einrichtungen wie Flüchtlingsunterkünfte und Synagogen, auf kritische Infrastruktur, wie jüngst in Berlin, aber auch in Beschimpfungen und der Verbreitung von Fake News, so Plum.

Doch wir sind überzeugt: Die derzeit größte Gefahr geht klar von rechtsextremen Kräften aus.
Ruth Plum, Mitglied beim Netzwerk Niederkassel für Demokratie

„Wir sind dabei auf keinem unserer sprichwörtlichen Augen blind, sondern sehen die Bedrohung von rechts wie von links. Doch wir sind überzeugt: Die derzeit größte Gefahr geht klar von rechtsextremen Kräften aus“, betonte sie. 

Um das gemeinsame Zeichen für Vielfalt und eine bunte, tolerante Gesellschaft zu bekräftigen, sangen die Teilnehmenden zum Abschluss das Lied „Unsere Stammbaum“ von den Bläck Fööss – dabei wurde es, der Jahreszeit entsprechend, karnevalistisch und heiter, so Ulrich Buchholz. Tollität Prinzessin Katharina I. und ihr Gefolge kamen mit auf die Bühne und steckten mit ihrem Schunkeln auch das bisher eher nachdenklich gestimmte Publikum mit ihrer Fröhlichkeit an.


Die Kundgebung am 30. Januar fand zwei Jahre nach der ersten Demonstration für Demokratie und gegen Rassismus, Extremismus und Hass in Niederkassel statt. Das Bündnis Niederkassel für Demokratie hatte sich 2024 nach der ersten Demonstration gegründet.