Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester will gegen die „Ballermannisierung“ in der Stadt vorgehen. Wie genau, lässt er bislang offen.
Feier-DebatteWeniger Ballermann erreicht Köln nicht durch bewachtes Betrinken


Für diesen Uni-Wiesen-Besucher war an Weiberfastnacht früh Feierabend.
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Jeder Jeck ist anders, und jede Generation feiert auf ihre Art. Daher heißt es in Köln auch: „Mer bruche keiner, keiner dä uns säht, wie mer Fastelovend fiere deit.“ Was die Bläck Fööss singen, ist Fakt. Was Oberbürgermeister Torsten Burmester mit seinen Ballermann-Äußerungen meint, ist hingegen zu hinterfragen. Zunächst einmal klingen sie nachvollziehbar. Wildpinkler, Müllberge, Erbrochenes – die Innenstadt als große, stinkende Kneipe – das ist auch den Bläck Föoss zuwider.
Bereits Burmesters Vorgänger Reker und Roters hatten sinngemäß erklärt, dass „Ballermann“ nicht die Marke Kölns sein darf. Die ergriffenen Maßnahmen allerdings blieben überschaubar. Ein Platzkonzept regelt die Anzahl an Veranstaltungen in der Altstadt, an den jecken Hotspots wurde ein Glasverbot eingeführt, es gibt mehr Toiletten, und minderjährige Testkäuferinnen und -käufer sollten zuletzt Kioskbetreiber beim Verkauf von Alkohol überführen.
Köln: OB Burmester will weniger Ballermann
Dass der OB darüber hinaus Handlungsbedarf sieht, ist aus seinen Äußerungen zu interpretieren, wenn er von „klaren Regeln und gezielten Kontrollaktionen“ spricht. Was er konkret damit meint, bleibt auf Nachfrage bislang unbeantwortet.
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Was gut klingt, darf sich nicht als Luftnummer herausstellen – so wie der Runde Tisch Karneval, der inzwischen zur Farce verkommen ist. Den hatte die damalige OB Henriette Reker nach den Auswüchsen und Exzessen beim Straßenkarneval 2017 ins Leben gerufen. Vertreter von Verwaltung, Festkomitee, Polizei, Gastronomie und Eventbranche „sollten entscheiden, wie es mit den öffentlichen Feiern an den Karnevalstagen weitergehen soll“.
In den Folgejahren wurde vor allem von Kulturvertretern eine Vielzahl von Vorschlägen eingebracht, wie das Feiern gerade im Uni-Viertel besser gesteuert werden könnte. Die meisten davon wurden am Ende jedoch seitens der Stadt abgelehnt. Letztendlich fehlte in vielen Fällen das Geld oder die Bereitschaft, den Haushalt zusätzlich zu belasten.
Insofern regiert bei der Verwaltung das Prinzip Hoffnung: Während andere Städte ihre Feste so feierlich wie möglich inszenieren, baut man in Köln darauf, dass das Angebot so schlecht ist, dass die zumeist jungen Menschen erst gar nicht kommen. Dazu wählt man eine Wiese in einem Landschaftsschutzgebiet, umzäunt diese, legt sie mit Platten aus und lenkt die Feiernden dorthin, wenn es woanders zu voll ist.
Ein bewachtes Betrinken zwischen Mobil-Klos und Absperrgittern ist kein Brauchtum. Karneval ist Kultur, ein Fest mit Inhalten. Allein der Auftritt einer Tanzgruppe im Uni-Viertel würde zugereisten Gleichaltrigen schnell zeigen, dass der Ballermann woanders ist.

